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Die Party steigt anderswo

Zu Besuch bei den Gegnern des Geldspielgesetzes. Sonst stehen sie politisch auf unterschiedlichen Seiten, aber am Sonntag sind sie sich in der Niederlage auffällig einig. Zumindest beinahe.
Andrea Tedeschi
Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz, analysiert im Hauptquartier des Nein-Komitees zum Geldspielgesetz, das Abstimmungsresultat. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex (Bern, 10. Juni 2018))

Andri Silberschmidt, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz, analysiert im Hauptquartier des Nein-Komitees zum Geldspielgesetz, das Abstimmungsresultat. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex (Bern, 10. Juni 2018))

Der Ort hätte nicht besser gewählt werden können, um die Niederlage zu unterstreichen. Schon am Eingang wird klar: Die Party steigt anderswo. Über drei Stockwerke erstreckt sich der Impact Hub unweit des Berner Bundesplatzes.

Unter der Woche arbeiten hier viele Jungunternehmer an Tischen in Grossräumen oder hinter Glas an ihrer Zukunft. Man muss viele Treppen steigen, um viele Ecken gehen und leere Räume durchqueren, bis der Dachstock erreicht ist und die Köpfe des Referendumskomitees gegen das Geldspielgesetz gefunden sind.

«Der Mist ist geführt»

Die meisten der über zwanzig Anwesenden, mehr Männer als Frauen, schauen abwesend aufs Smartphone oder konzentriert in den Laptop, alle sitzen an zwei grossen Tischen. Es ist kurz nach 12 Uhr. «Der Mist ist geführt. Wir konnten zu wenig mobilisieren», sagt der Grünliberale Pascal Vuichard, einer der Wortführer der Kampagne, als die ersten Resultate mit über 70 Prozent Ja-Stimmen eingehen. Seiner Miene ist die drohende Niederlage nicht anzusehen, genauso wenig wie den anderen.

Kurz nach halb eins gesteht auch der Jungfreisinnige Andri Silberschmidt die deutliche Niederlage bei 72,9 Prozent Ja-Stimmen ein und ergänzt: «Wir haben die Themen Netzsperren und digitalen Protektionismus auf das politische Parkett gebracht, und das war sehr wichtig.»

Im Januar hatten die Jungpolitiker von links bis rechts das Referendum gegen das Geldspielgesetz ergriffen. Es ist eine zusammengewürfelte Gruppe, die politisch uneiniger nicht sein könnte und in den letzten Monaten gemeinsam gegen die Netzsperren angetreten war. Dieser Eingriff im digitalen Raum war im Parlament bei den Mutterparteien kaum auf Widerstand gestossen.

Überhaupt sind sich die Wortführer der verschiedenen Jungparteien an diesem Sonntag für einmal einig – meistens sind sie es nicht. So wie auch seine beiden Kollegen findet FDP-Nationalrat Marcel Dobler, der als einer der wenigen aus der Mutterpartei das Referendum unterstützt hatte: «Wir konnten unsere Argumente zu wenig rüberbringen. Gerade die digitalen Themen werden von den Menschen unterschiedlich verstanden.»

Doch noch Uneinigkeit über Geld aus dem Ausland

Genau wie Dobler spricht auch der junge Grüne Luzian Franzini: «Die Befürworter haben versprochen, dass die Netzsperren nur ins Geldspielgesetz kommen und nicht auf andere Bereiche wie das Urheberrecht ausgeweitet werden.» Die Musikbranche hatte eine Netzsperre gegen die Piraterie gefordert und sähe in ihr noch immer die effizienteste Lösung. Silberschmidt droht: «Wir werden das beobachten. Sollten die Befürworter ihre Versprechen nicht einhalten, stehen wir bereits in den Startlöchern.»

Bei so viel Einigkeit fällt Franzini fast wohltuend aus dem Rahmen, als er sich zur Frage äussert, was er im Rückblick anders gemacht hätte: «Es war wirklich schlecht von den Bürgerlichen im Komitee zu behaupten, die Kampagne werde nicht mehr von ausländischen Anbietern finanziert, und dann wird genau dies ­getan. Das war unglaubwürdig.» Zuerst sagt Silberschmidt wenig dazu – später am Nachmittag stimmt er Franzini bei.

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