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Die neue Lust, Hausarzt zu werden

Nach wie vor gibt es zu wenig Hausärzte. Der Beruf gewinnt allerdings wieder an Attraktivität – vor allem dort, wo Ausbildungen in Praxen gefördert werden.
Anna Wanner
Hausarzt sein hat Vorteile: Junge Berufsleute schätzen laut einer neuen Studie die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 28. März 2014))

Hausarzt sein hat Vorteile: Junge Berufsleute schätzen laut einer neuen Studie die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 28. März 2014))

100 Millionen Franken investiert der Bund, um die Universitätskantone zu unterstützen, mehr Ärzte in der Schweiz auszubilden. Die aktuell 800 bis 900 Studiumsplätze sollen bis 2025 auf 1300 aufgestockt werden. Denn der Bundesrat hat vor bald zehn Jahren festgestellt, dass für eine gesicherte Gesundheitsversorgung zu wenige Ärzte ausgebildet werden.

Während die Spitäler den Mangel in den letzten Jahren kompensierten, indem sie Mediziner im Ausland rekrutierten, akzentuiert sich der Mangel an Hausärzten. Deshalb investieren die Universitäten spezifisch in die Ausbildung von Hausärzten.

Eigene Erfahrung massgeblich

Doch das alleine reicht nicht, wie eine neue Studie aus Bern zeigt. Der Verein Junge Hausärzte Schweiz (JHaS) hat zusammen mit Sven Streit, Verantwortlicher für die Nachwuchsförderung am Berner Institut für Hausarztmedizin, untersucht, wieso sich junge Ärzte entscheiden, in einer Hausarztpraxis zu praktizieren. Dabei stellte sich heraus: Die eigene Erfahrung trug massgeblich zum Entscheid bei.

Über 40 Prozent der mehr als 500 befragten Jungärzte haben die Praxis übernommen, in welcher sie als Assistenzarzt eine sogenannte Praxisassistenz absolvierten. Sven Streit, der selbst als Hausarzt arbeitet, sagt:

«Diese meist kantonal finanzierten Programme wirken, denn sie sind für den Nachwuchs der Steigbügel in die Praxistätigkeit.»

Eine weitere Erkenntnis: Die jungen Hausärzte wollen längst nicht nur in den Städten praktizieren. Der Nachwuchs zieht auch in ländliche Gebiete und in Agglomerationen – wobei die meisten jungen Ärzte sich einer Doppel- oder Gruppenpraxis anschliessen. Dies liegt unter anderem im Wunsch begründet, Teilzeit zu arbeiten. Sven Streit sagt dazu:

«Früher waren Arbeitsbedingungen und Karriereoptionen im Spital interessanter. Heute hat das gekehrt, der Hausarztberuf hat in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen – auch weil sich Beruf und Familie gut vereinbaren lassen.»

Auch für ältere Hausärzte attraktiv

Für viele Kantone, die einen Hausarztmangel beklagen, sind dies interessante Erkenntnisse. Zum Beispiel für den Kanton Thurgau, wo 40 Prozent der Gemeinden über keine hausärztliche Grundversorgung mehr verfügen. Der Kanton sucht nach Lösungen, entwickelt einen «Werkzeugkasten» mit Handlungsmöglichkeiten auf kantonaler und kommunaler Ebene. Für Sven Streit liegt eine Massnahme auf der Hand:

«Die Kantone sollten noch stärker in Praxisassistenzprogramme investieren.»

So hätten im Kanton Bern bis heute rund 165 junge Ärzte eine Praxisassistenz absolviert, schweizweit waren es in den letzten zehn Jahren geschätzt 500. Bern habe erkannt, dass die Praxisassistenz ein sehr wirksames Mittel zur Bekämpfung des Hausärztemangels sei. Der Kanton baut die Stellen von 21 auf neu 35 Stellen aus. Das Programm sei auch für ältere Hausärzte attraktiv, die ihre Praxis an die nächste Ge­neration übergeben wollen.

«Ausserdem müssen wir den frühen Kontakt zwischen den Studenten und der Praxis herstellen.» Denn wenn die Ärzte, wie bis vor kurzem üblich, in ihrer elfjährigen Aus- und Weiterbildung nicht einmal eine Hausarztpraxis von innen gesehen haben, wissen sie nicht, was sie erwartet und wie vielfältig der Beruf des Hausarztes sein kann.

Grosse Wirkung, tiefe Kosten

Die jungen Hausärzte leiten aus diesen neuen Erkenntnissen eine Reihe von Forderungen ab. Regula Kronenberg, designierte Präsidentin der JHaS, fasst zusammen, welche Rahmenbedingungen zwingend angepasst werden müssten. «Es sollten neue, für Junge finanzierbare Praxismodelle geschaffen werden, es braucht eine noch stärkere Präsenz der Hausarztmedizin im Studium und wir benötigen dringend flexible Arbeitszeitmodelle.»

Dafür sei die Unterstützung der Politik gefragt. Denn Investitionen in die Hausarztmedizin würden sich lohnen, so die JHaS: Hausärzte können 94,3 Prozent aller Gesundheitsprobleme behandeln – selbstständig und abschliessend, auch in komplexen Situationen. Hausärzte verursachen jedoch nur 7,9 Prozent der gesamten Gesundheitskosten.

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