Die kühlen Schweizer Türme

Präsenz Schweiz hat gestern in Mailand den Pavillon der Eidgenossenschaft an der Weltausstellung vorgestellt. Ein Augenschein kurz vor der offiziellen Eröffnung zeigt: Die Schweiz ist bereit, Mailand noch nicht.

Gerhard Lob/Mailand
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Nicolas Bideau, Chef von «Präsenz Schweiz», will dem Schweizer Pavillon noch etwas Wärme verleihen. (Bild: ky/Ti-Press/Samuel Golay)

Nicolas Bideau, Chef von «Präsenz Schweiz», will dem Schweizer Pavillon noch etwas Wärme verleihen. (Bild: ky/Ti-Press/Samuel Golay)

Der Busfahrer entschuldigt sich mehrmals. «Wir wissen es leider auch nicht», sagt er auf einige Fragen. Etwa auf die, wann die Fussgängerüberführung vom Bahnhof Milano Rho Fiera zum Ausstellungsgelände eingeweiht wird. Die «Passarella» ist bisher noch unzugänglich. Der neue und moderne Bahnhof vor den Toren Mailand soll einer der Hauptzugänge zur Weltausstellung Expo 2015 werden. Momentan sind in seinem Umfeld noch Tausende Autos wild parkiert, genauso wie in nächster Nähe zum umzäunten Ausstellungsgelände. Aufgerissene Strassen werden gepflastert, Gärtner pflanzen Bäumchen.

Ein Shuttlebus bringt die Besucher vom Bahnhof zum Schweizer Pavillon. Präsenz Schweiz als Einheit, die für das Erscheinungsbild der Schweiz im Ausland zuständig ist, hat gestern Medienschaffende eingeladen, sich ein Bild vom Pavillon namens «Confooderatia Helvetica» zu machen.

Das Expo-Ausstellungsgelände gleicht einem Ameisenhaufen. Überall sind Lieferwagen parkiert. Sogar einen Stau gibt es in der Hauptstrasse. Ein Heer von Handwerkern und Arbeiter in grünen oder orangen Leuchtwesten ist unterwegs. Links und rechts der Hauptallee reihen sich die Länderpavillons auf. Thailand, Jordanien, Kasachstan oder China, um nur einige der insgesamt 145 Teilnehmerländer zu nennen, die die Gelegenheit nutzen, um sich zu zeigen. Viel spektakuläre Architektur.

Neben Deutschland und Italien

Angesichts des allgemeinen Durcheinanders ist kaum vorstellbar, dass hier am 1. Mai die Weltausstellung tatsächlich beginnt. Immerhin ist der Schweizer Pavillon fertig. Zumindest fast. Denn auch hier wird noch an allen Ecken und Enden Hand angelegt. Geographisch passend nahe zu den grossen Pavillons des Gastgeberlandes Italien sowie Deutschlands führt eine breite Holzrampe zum etwas zurückliegenden Pavillon mit seinen Türmen.

Die vier Türme sind das Herzstück des Schweizer Auftritts in Milano. Mit ihren hohen Glasfassaden wirken sie im Moment aber recht kühl, ein wenig wie Bürogebäude, insbesondere neben dem benachbarten und knallbunten Pavillon aus Ecuador. «Wir müssen noch etwas Wärme und Farbe auf die Fassaden bringen», meint selbst Botschafter Nicolas Bideau, Chef von Präsenz Schweiz, gegenüber dieser Zeitung.

Schweiz verteilt Thurgauer Apfelringe

Entscheidend ist aus Schweizer Sicht aber die Botschaft, die passend zum Expo-Ausstellungsmotto «Den Planeten ernähren, Energie für das Leben» hier verbreitet werden soll. Die Besucher werden über einen Lift in das oberste Stockwerk des Gebäudes gebracht. In den vier Türmen sind vier Nahrungsmittel untergebracht – getrocknete Apfelringe (aus dem Thurgau), Kaffee, Salz und Wasser.

Die Besucher können sich bedienen, etwa eines der zwei Millionen Salz-päckchen à 5 Gramm mitnehmen oder einen Nescafé-Stick. Die Vorräte sind allerdings nicht unbegrenzt und werden sichtbar weniger. Die Besucher sollen über ihr eigenes Konsumverhalten, die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und nachhaltige Entwicklung nachdenken. «It's all about balance» steht als Botschaft auf den kleinen Salzpäckchen, die von den Schweizer Salinen stammen. Eine richtige Balance ist notwendig. Dies gilt auch fürs Wasser. Nach Protesten gegen Nestlé-Wasser in Plastikflaschen wird nun Hahnenwasser in Mehrwegbechern abgegeben.

Eine offene Ausstellung

Da in den Türmen maximal 120 Besucher zugelassen sind, wird es Zulassungskontrollen geben. Besucher sollten sich am besten ein Zeitfenster reservieren. Ansonsten basiert der Schweizer Pavillon auf dem Konzept einer offenen Ausstellung. Dies gilt etwa für die Präsenz der vier Gotthardkantone. In einem Raum im Erdgeschoss thront zentral das gewaltige Relief des Gotthardmassivs aus Granit. Die Gotthard-kantone Tessin, Graubünden, Wallis und Uri machen hier Wasser und Energie zum grossen Thema. Besucher können über ein System an Holzleitungen selbst Wasser auf das Relief plätschern lassen.

Basel präsentiert sich mit Ausstellung

Ebenfalls im Erdgeschoss sind die Städte Basel, Zürich und Genf vertreten. Diese Städte installieren nacheinander Ausstellungen. Basel ist zuerst an der Reihe und präsentiert neben wichtigen wissenschaftlichen Entdeckungen aus der Rheinstadt auch «geistige Nahrung» mit einem Exkurs über Arnold Böcklin oder Friedrich Nietzsche. In eine ähnliche Richtung zielt auch die von Nestlé Schweiz gesponserte Ausstellung «Feed your mind» (Ernähre deinen Geist). Der Raum war am gestrigen Montag aber nicht zugänglich.