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«Die Krisenkommunikation hat versagt»

Christoph Mörgeli habe mit seiner verfehlten Kommunikation selber zur Freistellung beigetragen, sagt Experte Roland Binz. Doch auch die Uni Zürich habe Fehler gemacht. Es bleibe schleierhaft, warum sich die beiden Parteien nicht unter vier Augen geeinigt hätten.
Roland Binz Dozent und Kommunikationsexperte für Krisensituationen (Bild: Quelle)

Roland Binz Dozent und Kommunikationsexperte für Krisensituationen (Bild: Quelle)

Herr Binz, als Kommunikationsexperte müssen Ihnen in der Causa Mörgeli die Haare zu Berge stehen.

Roland Binz: Ich habe mich gewundert, wie ungeschickt beide Seiten kommunizieren. Wobei es typisch ist für Krisensituationen.

Welche grundlegenden Fehler werfen Sie der Universität vor?

Binz: Die Universität hat mit der Kommunikation viel zu lange zugewartet. Damit hat sie Spekulationen und Indiskretionen Tür und Tor geöffnet, anstatt rasch Klarheit zu schaffen. Im digitalen Zeitalter muss man in Echtzeit kommunizieren. Die Pressekonferenz von gestern Freitag war zehn Tage nach dem ersten «Tagi»-Artikel überfällig.

Die Uni hat eine eigene Kommunikationsabteilung. Warum wussten es die Verantwortlichen nicht besser?

Binz: Auf der einen Seite ist es nachvollziehbar und menschlich, dass man zum Beispiel aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes erst das Mitarbeitergespräch abwarten will. In diesem Fall hat die Universitätsleitung dem Persönlichkeitsschutz einen Bärendienst erwiesen. Das lange Schweigen hat dazu geführt, dass umso mehr spekuliert wurde. Das hat auch der Uni selbst stark geschadet.

Hat sie auch etwas richtig gemacht?

Binz: Die Fakten liegen nun endlich auf dem Tisch, und die Indiskretionen wurden klar verurteilt, eine Strafanzeige eingereicht. Diese Schritte sind richtig, kommen aber leider zu spät.

Selbst die Zürcher Regierungsrätin Regine Aeppli mischte sich via «Rundschau» in die Diskussion ein. Gestern gab sie der «Berner Zeitung» ein Interview.

Binz: Die Auftritte sind ungeschickt und vorschnell. Zudem wirkte Frau Aeppli in der «Rundschau» verunsichert. Die Universitätsleitung hätte erst die Fakten auf den Tisch legen sollen, erst dann wäre es an der Regierungsrätin, sich zu äussern. So gibt es keine Rückfallebene mehr.

Wie beurteilen Sie Mörgelis Krisenkommunikation?

Binz: Wahrscheinlich war er überfordert mit der Situation, plötzlich selber unter Druck zu stehen. Er hat die Medien nur sehr selektiv informiert. Da er die Vorwürfe gekannt hat, wäre es ihm gut angestanden, Selbstkritik an den Tag zu legen. Stattdessen hat er die Universität mit Schmutz beworfen, ihr Mobbing und politische Motive vorgeworfen und sich selber als Opfer dargestellt. Jetzt stellt sich heraus, dass er nicht in allen Punkten die Wahrheit gesagt hat. Ein weiterer grosser Fehler ist, dass er einen Anwalt für die Kommunikation beigezogen hat.

Warum?

Binz: Ein Anwalt muss die Rechte seines Mandanten wahren. Hier wirkte der bekannte Anwalt Valentin Landmann für die Aussenkommunikation. Da sorgt jeder Auftritt für zusätzliche Schlagzeilen.

Berühmte SVP-Exponenten wie Christoph Blocher und Toni Brunner legten sich für ihren Parteikollegen öffentlich ins Zeug. Ein Fehler?

Binz: Es ist zwar nachvollziehbar, dass Mörgeli alle möglichen Kräfte zu seiner Verteidigung mobilisiert hat. Unter dem Strich schadeten ihm diese Auftritte aber mehr, als sie nützten. Denn mit jedem Medienbericht wurden auch die Vorwürfe rund um seine vernachlässigten Museumspflichten wieder aufgewärmt.

Nicht etwa fachliche Mängel, sondern eine verfehlte Krisenkommunikation führte am Ende zur Kündigung.

Binz: Ja, das ist grotesk. Und es zeigt, dass mit einer guten Kommunikation vieles anders hätte laufen können. Ich verstehe immer noch nicht, weshalb die beiden Parteien sich nicht unter vier Augen aussprechen und dann eine saubere Lösung präsentieren konnten, wie auch immer diese ausgefallen wäre.

War ein solches Vorgehen nach der Veröffentlichung des «Tages-Anzeigers» überhaupt noch möglich?

Binz: Beide Seiten hätten dazu beitragen können, dass die Geschichte nicht derart ausartet. Ich bin sicher, die Geschichte ist noch nicht ausgestanden für die Uni Zürich und für Frau Aeppli.

Hätte Mörgeli mit einer geschickteren Strategie gar die Kündigung verhindern können?

Binz: Er hätte die Kritik ernst nehmen sollen, Einsicht zeigen und sagen, dass er seine Arbeit verbessere. Dann hätte es die Uni wohl schwer gehabt, die Kündigung auszusprechen. Interview: Barbara Inglin

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