Die internen Affären der Unia

Rücktritte, Mobbing, Streiks und Burnouts: Einige ehemalige Unia-Mitarbeiter sprechen von «Terror-Regime» und «sektenhaftem Controlling».

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Roman Burger, ehemaliger Geschäftsleiter der Unia Zürich, stand in der Vergangenheit wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung im Rampenlicht. (Bild: Alessandro Della Bella/Keystone, 5. Juni 2012)

Roman Burger, ehemaliger Geschäftsleiter der Unia Zürich, stand in der Vergangenheit wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung im Rampenlicht. (Bild: Alessandro Della Bella/Keystone, 5. Juni 2012)

Zürich: Der Fall Roman Burger

Roman Burger war ein Shootingstar der Unia. Der Zürcher Regionalleiter positionierte die Gewerkschaft als schlagkräftige Kampforganisation. Doch seine Überheblichkeit wurde ihm 2016 zum Verhängnis. Zwei Frauen fühlten sich von ihm sexuell belästigt. Als die beiden Frauen die Vorfälle intern meldeten, passierte monatelang nichts. Das Anwaltsbüro «BeTrieb» untersuchte den Fall, bestätigte die Vorwürfe aber nur in einem Fall. In der SMS-Affäre sei es zu einer verbalen sexuellen Belästigung gekommen. Doch Burger blieb im Amt. Erst als der «Blick» nachfragte, verkündete die Unia Burgers Rücktritt. Eine Woche danach publizierte die «Wochenzeitung» eine Recherche, wonach die Gewerkschaft «ein massives Problem mit ihrer Betriebskultur» habe.

Basel: «Terror-Regime»

Fünf Angestellte der Unia Nordwestschweiz machten 2015 ein schlechtes Arbeitsklima im eigenen Haus publik. In einem Brief an die «Basler Zeitung», der mit dem Unia-Logo versehen war, beschrieben sie die Situation am Standort Basel. Bei der Unia sei es unmöglich, Familie und Beruf zu vereinbaren. Es käme zu Mobbing, Burn-outs und Kündigungen. Abtrünnige Unia-Mitarbeiter gründeten darauf eine neue Gewerkschaft, die Basis 21. Diese kümmerte sich um die unzufriedenen Unia-Mitarbeiter und organisierten deren Kampagne gegen ihre Arbeitgeberin. Sie sprachen von «Terror-Regime» und «sektenhaftem Controlling».

Neuenburg: Gerichtsstreit

Der ehemalige Unia-Präsident Vasco Pedrina wurde 2008 gemeinsam mit zwei Direktionsmitgliedern von einem Neuenburger Gericht wegen Mobbing verurteilt. Die nächste Instanz hob das Urteil jedoch wieder auf. Die «Weltwoche» deckte die Hintergründe auf. Eine Unia-Mitarbeiterin hatte sich bei Pedrina im Namen der gesamten Sektion über «Beziehungsprobleme» mit ihrem neuen Vorgesetzten beklagt. Als danach nichts passierte, liess sich die Frau zur neuen Leiterin wählen. In der Unia-Zentrale wurde dies als Putsch wahrgenommen. Unia-Direktoren räumten deshalb das Büro der Frau. Aufgetreten seien sie «wie Stalin», sagte sie vor Gericht.

Bern: Interner Streik

In Bern kam es 2011 zum ersten Streik innerhalb der Unia. 40 Angestellte in den Büros der Sektionen Bern und Oberaargau-Emmental legten wochenlang die Arbeit nieder. Ihre Hauptforderung: Die Gewerkschaft soll demokratischer werden. Ihr Ziel: Eine Unia von unten. Die Proteste begannen, nachdem der langjährige Berner Sektionspräsidenten versetzt und ein Mitglied der Personalkommission verwarnt worden war. Nach einer Mediation musste die Co-Leiterin der Unia Region Bern – damals Gross­rätin der Grünen – zurücktreten. Nach einer Forschungsauszeit in Irland auf Gewerkschaftskosten ist sie inzwischen zurück im Berner Politalltag.

Aargau: Entlassungen

Die Fusion der Unia Aargau mit der Region Nordwestschweiz führte 2017 zu einem Streit zwischen Angestellten und Vorgesetzten. Sechs Unia-Sekretäre der Unia Aargau verlangten eine Aussprache und drohten mit einer Arbeitsniederlegung. Die Unia-Leitung entliess die Protestierenden darauf fristlos. In der «Wochenzeitung» sagte eine beteiligte Person: «Wir fordern unsere Mitglieder dazu auf, die Arbeit niederzulegen und zu streiken. Aber selber entlassen wir unsere Mitarbeiter fristlos, wenn sie das tun? Das macht uns doch völlig unglaubwürdig.» Doch das Druckmittel war trotzdem erfolgreich. Die Unia widerrief die Kündigungen. (mau)