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Die erstaunliche Karriere eines KV-Absolventen

Sandro Brotz (47) hat Bashar al-Assad interviewt. Der Diktator wahrte die Contenance. Das gelingt nicht allen Gesprächspartnern des «Rundschau»-Moderators.
Kari Kälin

«Höhepunkt», sagte Sandro Brotz gestern gegenüber blick.ch, «wäre wohl der falsche Ausdruck.» Aber es sei sicher sein ungewöhnlichstes Interview gewesen, was den Ort, die Situation und die Person betreffe. In der Tat: Bashar al- Assad lädt nur wenige westliche Journalisten zum Gespräch. Dass «Rundschau»-Moderator Brotz den Diktator diese Woche in Damaskus im TV-Studio der syrischen Regierung interviewen durfte, ist eine Leistung. Assad stellte zwar einige Bedingungen. Doch Brotz durfte alles ansprechen.

Brotz, seit vier Jahren das Gesicht der «Rundschau», polarisiert. So sehr, dass er von Zuschauern schon Drohungen gegen Leib und Leben erhielt. Der 47-Jährige, der vom übergewichtigen Kettenraucher zum durchtrainierten Hobbysportler mutierte, weiss, dass er aneckt, wenn er seine Studiogäste in den Schwitzkasten nimmt mit der Ankündigung: «Ich habe da noch ein paar Fragen.» Privat sei er aber harmoniebedürftig. «Wenn ich 24 Stunden am Tag so wäre, wie in gewissen Gesprächen in der <Rundschau>, dann wäre ich für mein Umfeld mitunter unerträglich», sagt er.

Unerträglich. Das war Brotz zum Beispiel für Christoph Mörgeli. Als der SRF-Mann den ehemaligen SVP-Nationalrat fragte, ob er zurücktrete, weil er am Medizinhistorischen Institut an der Universität Zürich grosszügig Doktortitel verteile, entgegnete Mörgeli: «Sind Sie eigentlich vom Aff bisse?»

Auch Ueli Maurer verlor im Direktduell mit Brotz die Contenance. Der damalige Verteidigungsminister geisselte einen «Rundschau»-Beitrag zum Kampfjet Gripen als «tendenziös», monierte eine «schwache journalistische Leistung» und mahnte Brotz, die Kritik nicht bloss zur Kenntnis zu nehmen, sondern es beim nächsten Mal besser zu machen.

In Damaskus blieb die Schelte aus. Assad tickte nicht aus. Er hatte auch keinen Grund, die Fassung zu verlieren. Sicher: Der Gast aus der Schweiz fasste die heissen Eisen an. Die Bombardements aus der Luft. Den Giftgasangriff. Die Folterkammern. Doch Assad verbannte sämtliche Anschuldigungen ins Reich westlicher Anti-Syrien-Propaganda. Tapfer verwies Brotz auf UNO-Berichte und Amnesty-International-Untersuchungen. Bloss: Die Fragen waren nicht so schampar unbequem, als dass sie Assad aus dem Tritt gebracht hätten. Brotz hakte nicht nach, vermochte die Propagandaphrasen nicht spontan zu entlarven. Das übernahmen nachher Syrien-Experte Kurt Pelda und SRF-Korrespondent Pascal Weber – damit sich Assad doch nicht völlig ungestört als Terrorbekämpfer und Zurechtrücker falscher Anschuldigungen inszenieren konnte.

Brotz stiess in Damaskus an seine Grenzen. Die Karriere des Mannes, der einst enthüllte, dass der Mann der CVP-Politikerin Lucrezia Meier-Schatz zum wiederholten Mal im Rotlicht-Milieu verkehrte, ist gleichwohl erstaunlich. Nach einer KV-Lehre stieg er in immer höhere journalistische Sphären auf, schaffte es vom Quartierzeitung-Schreiber bis zum Nachrichtenchef und stellvertretenden Chefredaktor des «Sonntags-Blicks». Mit der Tätigkeit bei der «Rundschau» ist er zu einer national bekannten Figur aufgestiegen, die hiesiges Politpersonal in die Enge treibt. Das bleibt bis jetzt sein publizistischer Höhepunkt.

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