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Die Lichtverschmutzung nimmt zu – der Kampf dagegen erweist sich als zäh

Die zunehmende Lichtverschmutzung ist schlecht für die Gesundheit von Tier und Mensch. Verbesserung erhoffen sich Experten durch neue Empfehlungen des Bundes – doch deren Publikation verzögert sich.
Michel Burtscher
Europa bei Nacht: Dieses Satellitenbild zeigt die Orte, an denen die Lichtemissionen am stärksten sind. (Bild: Keystone)

Europa bei Nacht: Dieses Satellitenbild zeigt die Orte, an denen die Lichtemissionen am stärksten sind. (Bild: Keystone)

Immerhin für eine Stunde wird es nächsten Samstagabend dunkel sein. Während der sogenannten «Earth Hour» geht an vielen Orten auf der ganzen Welt das Licht aus, beim Empire State Building in New York etwa oder dem Eiffelturm in Paris. Auch in der Schweiz machen Städte und Gemeinden bei der Aktion mit, um ein Zeichen zu setzen für mehr Natur- und Klimaschutz. Das grosse Lichterlöschen passt aber auch ziemlich gut zu einer anderen Problematik, der oft nur ­wenig Beachtung geschenkt wird: die zunehmende Lichtverschmutzung – und das damit verbundene Verschwinden der natürlichen Dunkelheit.

Die Ursache dieser Entwicklung: Es gibt immer mehr künstliches Licht in der Schweiz. Das hat mit dem technischen Fortschritt zu tun, der Siedlungsentwicklung und dem Wandel hin zu einer 24-Stunden-Gesellschaft. Strassen und Gassen werden erhellt, aber auch vieles anderes wie Fussballplätze, Reklame­tafeln, Schaufenster, Berggipfel, Skipisten, Stadien, Bahnhöfe oder Denkmäler.

Von dort breitet sich das Licht aus, es strahlt in die Ferne, über Städten entstehen sogenannte Lichtglocken. Lukas Schuler, Präsident des Vereins Dark-Sky-Switzerland, der sich hierzulande gegen die Lichtverschmutzung engagiert, hält fest:

«Im ex­tremsten Fall kann künstliches Licht auch in einer Distanz von 195 Kilometern noch Auswirkungen haben. Das ist ein grosses Problem.»

Lichtemissionen haben sich mehr als verdoppelt

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Gemäss Angaben des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) haben sich die sogenannten Lichtemissionen zwischen 1994 und 2012 mehr als verdoppelt, wie dem Bericht «Wandel der Landschaft» von 2017 zu entnehmen ist. Gleichzeitig ist die Fläche mit Nachtdunkelheit gesunken, von knapp 30 Prozent auf knapp 20 Prozent. Neuere Zahlen gibt es keine, entschärft haben dürfte sich die Situation seither aber nicht. Insbesondere im Mittelland und im Jura gebe es heute keine ausgedehnten und natürlich dunklen Gebiete mehr, heisst es beim Bafu.

Diese Entwicklung bringt zum Teil gravierende Probleme mit sich: für die Natur, die Tiere und auch die Menschen. Nachtaktive Tiere werden durch künstliches Licht gestört, Zugvögel verlieren ihre Orientierung, und Insekten verenden an den Lichtquellen. Menschen wiederum klagen über Schlafstörungen, weil durch das viele Licht ihre innere Uhr gestört wird. Andere gesundheitliche Folgen werden noch erforscht.

Beim Bund ist man sich dieser Auswirkungen bewusst – und hat reagiert. Zwar gibt es für das Licht im Gegensatz etwa zum Lärm keine gesetzlich verankerten Grenzwerte. Auch hat die Landesregierung im vergangenen November abgelehnt, die Natur- und Heimatschutzverordnung zu ändern, um den Schutz von Arten und Lebensräumen zu verbessern. Das Bundesgericht hat in zwei Leitentscheiden jedoch festgehalten, dass auch für Licht eine Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr anzustreben sei, sofern es sich nicht um sicherheitsrelevantes Licht handelt. Laut Lukas Schuler von Dark-Sky-Switzerland hapert es jedoch noch mit der Durchsetzung, zudem sind Ausnahmen möglich.

Das Bafu arbeitet zurzeit an einer neuen Vollzugshilfe mit Empfehlungen zur Reduzierung der Lichtverschmutzung. Sie richtet sich an die in die Planung, Beurteilung, Bewilligung oder den Betrieb von Beleuchtungen involvierten Personen wie Behördenvertreter, Lichtplaner und Hausbesitzer. Die Vollzugshilfe soll ihnen helfen, die «geeigneten und erforderlichen Massnahmen zur Vermeidung oder Verminderung unerwünschter Lichtemissionen» zu treffen.

Experte fordert mehr Nachkontrollen

Schuler sagt, er warte schon sehnsüchtig auf die neue Vollzugshilfe:

«Ich glaube erst dann daran, dass sie wirklich veröffentlicht worden ist, wenn ich sie schwarz auf weiss vor mir sehe.»

Denn die Vollzugshilfe hätte bereits 2018 publiziert werden sollen, nun wird es laut Bafu Ende 2019. Grund für die Verzögerung sei die hohe Zahl von Stellungnahmen, die während der Konsultation eingegangen seien. Man sei immer noch daran, diese zu bearbeiten.

Schuler fordert, dass der jetzige Zeitplan wirklich eingehalten wird, denn er erhofft sich viel von den neuen Empfehlungen: «Sie werden die Durchsetzung der Vorschriften verbessern», sagt er. Einige Gemeinden hätten zwar Fortschritte gemacht, andere hätten jedoch noch Nachholbedarf. Schuler sagt, dass heute beispielsweise bei der Abnahme eines Gebäudes zwar überprüft werde, ob das Licht funktioniere, oft aber nicht, wann es eingeschaltet sei. Schuler:

«Es bräuchte viel öfter Nachkontrollen.»

Ähnlich tönt es auch beim Bafu: Es fehle im Moment an detaillierten Anleitungen, wie die heutigen Vorschriften in den einzelnen Anwendungsfällen zu handhaben seien. Das soll sich mit der neuen Vollzugshilfe ­ändern.

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