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Krach um Cheflöhne bei den Krankenkassen – SP will das Messer ansetzen

Bis zu 20 Prozent stiegen Löhne der Chefs der grössten Krankenkassen in den letzten fünf Jahren. Jetzt will die SP die Cheflöhne kräftig stutzen – und auch CVP-Chef Pfister sieht Handlungsbedarf.
Henry Habegger
Einige Krankenkassen zahlen ihren Chefs und Chefinnen immer höhere Löhne - das will die SP jetzt stoppen. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Einige Krankenkassen zahlen ihren Chefs und Chefinnen immer höhere Löhne - das will die SP jetzt stoppen. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Von solchen Lohnerhöhungen können Normalsterbliche nur träumen. Die durchschnittlichen Entschädigungen der Chefs und Chefinnen der zehn grössten Schweizer Krankenkassen sind in den letzten fünf Jahren bis zu einem Fünftel gestiegen. Um satte 20 Prozent legte der Lohn des Chefs der Krankenkasse Helsana zwischen 2014 und 2018 zu.

Eine Auswertung der SP Schweiz, die die Cheflöhne bei den Krankenkassen seit Jahren kritisiert, ergab sogar: Die Löhne der Chefs der zehn grössten Kassen stiegen im Durchschnitt sogar um 22 Prozent.

Krach um Zahlen, Kritik an SP

Wobei hier zu bedenken ist, und das sorgt jetzt für Ärger bei den Krankenkassen: In dieser Prozentzahl ist nicht berücksichtigt, dass seit letztem Jahr die Vorsorgebeiträge und Spesen mit in den Lohn eingerechnet werden müssen. Die effektive durchschnittliche Lohnsteigerung lag also weit unter den von der SP genannten 22 Prozent.

Beispiel Concordia: Laut den Zahlen der SP stieg der Lohn von Chef Nikolai Dittli um 30,9 Prozent. Effektiv erhielt er in den fünf Jahren allerdings nur 7,1 Prozent mehr. Seine Gesamtentschädigung inklusive Pensionskasse betrug 2018 517'000 Franken.

Krankenkassen werfen der SP jetzt vor, sie spiele mit gezinkten Karten.

SP kontert Vorwürfe

Die SP will diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen. «Wir haben die Zahlen verwendet, die die Kassen in ihren Geschäftsberichten ausweisen oder in Medienberichten kommuniziert haben», sagt SP-Sprecher Michael Sorg. «Es ist das Problem der Kassen, wenn sie die Cheflöhne gegenüber der Öffentlichkeit nicht transparent ausweisen.»

Und zweitens ändere dies nichts daran, dass die aktuellen Cheflöhne – die von den Kassen nicht bestritten würden – «mit bis zu 800‘000 Franken pro Jahr viel zu hoch sind. Das ist nicht zu rechtfertigen für Unternehmen, die von Prämiengeldern leben. Dagegen werden wir mit einem Vorstoss im Parlament vorgehen.»

Hohe Löhne einiger Kassenchefs

Krach um die Löhne. Die Top 3 der Kassenchefs kommen auf über 750’000 Franken: Daniel Schmutz von der Helsana, Philomena Colatrella von der CSS, Ruedi Bodenmann von der Assura. Solche Gehälter sind selbst in der Krankenkassen-Branche Gegenstand von Kritik. Vielen gelten sie als überrissen.

Bei anderen Kassen stiegen die Löhne der CEO in der untersuchten Periode nur marginal. Aber armengenössig wird keiner der Kassenbosse. Der am schlechtesten gehaltene der zehn Kassenchefs, der mittlerweile abgetretene Generaldirektor der Groupe Mutuel, verdiente immer noch 462’000 Franken und damit mehr als ein Bundesrat, der derzeit auf 451’000 Franken kommt.

Diese Entwicklung wird ein politisches Nachspiel haben. Barbara Gysi (SG), Gesundheitspolitikerin der SP, spricht von einem «Hohn und einem Affront gegenüber den Bürgerinnen und Bürger, die jeden Monat Mühe haben, die immer höhere Prämien zu bezahlen» und deren Reallöhne stagnierten oder rückläufig seien. «Während die Leute also immer weniger Geld im Sack haben, schanzen die Kassen ihren Chefs immer höhere Löhne zu. Das ist unerträglich und muss gestoppt werden», sagt die Nationalrätin.

Künftig nicht mehr als ein Bundesrat

Die SP werde in der Herbstsession daher in einer Motion fordern, «dass die Kassenchefs nicht mehr verdienen dürfen als ein Bundesrat», sagt Barbara Gysi. Für sie steht fest: «Diese arrogante Selbstbedienungsmentalität auf dem Buckel von Steuer- und Prämienzahlenden muss ein Ende haben. Wir müssen nicht nur den Prämienanstieg stoppen, sondern auch die Kassenchefs.»

Die Politik müsse den Kassen endlich den Tarif durchgeben, sagt Gysi. Sie hofft, dass auch Bürgerliche einsehen, dass gehandelt werden muss. «Auch die bürgerlichen Parteien, gerade auch die SVP, müssten doch ein Interesse haben, hier einzugreifen. Denn die Cheflöhne und die Mentalität dahinter gehören zu den Faktoren, die die Prämien in die Höhe treiben», so die Nationalrätin.

CVP-Chef Pfister: «Solche Löhne sind zu hoch»

Die SP versuchte schon mehrmals, die Löhne der Kassenchefs zu deckeln - bisher erfolglos. Aber der Unmut über die Entwicklung wächst - beispielsweise in der CVP. «Aus Sicht der obligatorischen Krankenversicherung sind solche Löhne zu hoch», sagt der Zuger Nationalrat und Präsident der CVP-Schweiz, Gerhard Pfister. «Um die steigenden Kosten im Gesundheitswesen langfristig zu bremsen, müssen alle Akteure, auch die Kassen, ihren Teil dazu beitragen. Dies verlangt die CVP mit der Kostenbremsen-Initiative», hält der Chef der Christlichdemokraten fest.

Die CVP will mit ihrer Gesundheitsinitiative, für die sie derzeit Unterschriften sammelt und die sie bald einreichen will, die Prämienexplosion stoppen.

Die Chefs und Chefinnen der Krankenkassen können sich, darauf deutet vieles hin, auf härtere Zeiten gefasst machen.

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