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Die Blackout-Frage

Drohen der Schweiz eher Strom-Blackouts, wenn 2017 auf einen Schlag drei Atomkraftwerke abgeschaltet werden müssen? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Nicht einmal die Gegner eines raschen Atomausstiegs sind sich einig.
Dominic Wirth

Es musste kommen, das Argument mit dem drohenden Blackout. Das Horrorszenario der dunklen Schweizer Stuben ist ein verführerisches. Und so verwundert es nicht, dass es in der Debatte über die Atomausstiegs-Initiative jetzt im Spiel ist. Es war Doris Leuthard, die Energieministerin, die diese Woche vor Schadenersatzforderungen der Betreiber und schmutzigem Importstrom warnte – und auch vor drohenden Blackouts. Wenn das Volk Ja sage zum schnellen Atomausstieg, dann fehle im nächsten Jahr auf einen Schlag ein Drittel des Kernkraft-Stroms, weil die beiden Reaktoren in Beznau sowie jener in Mühleberg vom Netz müssten, rechnete Leuthard vor. Und fügte an, dass dies «die Versorgung von 1,6 Millionen Haushalten in der Schweiz gefährdet».

So viel Pessimismus ist sogar Leuthards eigener Partei zu viel. Die CVP führt die Kampagne jener an, die die Atomausstiegs-Initiative bekämpfen. Stefan Müller-Altermatt ist als Präsident der zuständigen Nationalratskommission einer der führenden CVP-Energiepolitiker. Wenn man mit dem Solothurner über das Thema Versorgungssicherheit spricht, dann warnt er lieber vor der drohenden Abhängigkeit von französischem Atom- und deutschem Kohlestrom als vor einem Blackout. «Man darf diese Thematik natürlich auch nicht unterschätzen», sagt er, «aber das ist für mich nicht der wichtigste Punkt.» Er wolle Leuthard nicht widersprechen, fügt Müller-Altermatt noch an. «Aber es wird nichts bringen, mit Angstszenarien zu arbeiten.» Eher mit Bundesrätin Leuthard hält es da Christian Wasserfallen, FDP-Nationalrat und wie Müller-Altermatt Co-Präsident des Komitees gegen die Atomausstiegs-Initiative. «Wenn wir auf die Bandenergie aus den AKW verzichten müssen, wird gerade im Winterhalbjahr auch das Blackout-Szenario wahrscheinlicher», sagt der Berner Energiepolitiker.

Rytz: «Inakzeptable Angstmacherei»

Angesichts der Uneinigkeit im Lager jener, die sich eigentlich einig sein müssten, überrascht es nicht, wie heftig die Initianten auf Leuthards Blackout-Warnung reagieren. Regula Rytz, Präsidentin der Grünen, spricht von «inakzeptabler Angstmacherei, die Frau Leuthard betreibt». Für die Bernerin ist eher die aktuelle Situation eine Gefahr für die Versorgungssicherheit. «Unser AKW-Park ist uralt, nach dem Ausfall in Leibstadt steht derzeit fast die Hälfte der Produktion still. Das wird so weitergehen», sagt Rytz. Neben Leibstadt steht mit Beznau I seit März 2015 ein weiterer Reaktor still.

Auch mit ihrer Begründung für die Blackout-Warnung sorgt Leuthard für Stirnrunzeln. Zusammen mit Swissgrid-Chef Yves Zumwald erläuterte die Bundesrätin, dass das Stromnetz für im Falle eines Jas notwendige zusätzliche Stromimporte nicht gerüstet sei. Der Chef der Netzbetreiberin sagte, dass es dafür neue Transformatoren brauche. Leuthard sprach davon, dass die Verstärkung der Netzinfrastruktur zwar aufgegleist sei, es bis zur Umsetzung aber «noch Jahre» daure. SP-Nationalrat Beat Jans ist «etwas überrascht», dass nun plötzlich das Netz-Argument auftaucht: «Uns wurde bisher gesagt, dass das lösbar sei.» Der Präsident der atomkritischen Energiestiftung sieht Swissgrid in der Pflicht: «Wenn es stimmt, dass das Netz für zusätzliche Importe nicht gerüstet ist, dann hat Swissgrid versagt. Denn es ist ja schon jetzt möglich – und auch schon passiert – dass mehrere AKW gleichzeitig und überraschend vom Netz mussten.»

Swissgrid-Sprecherin Irene Fischbach präzisiert auf Anfrage, dass man kurzfristige Ausfälle heute grundsätzlich auffangen könne – aber nicht dauerhaft. «Wir können mit verschiedenen Massnahmen reagieren, aber für einen Dauerzustand ohne AKW ist das Netz derzeit noch nicht bereit», sagt Fischbach.

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