BESCHAFFUNGEN
So schlimm wie behauptet war es nicht: Die Armeeapotheke geht in die Offensive

Nach Kritik wegen umstrittener Masken-Einkäufe verteidigt sich die Armeeapotheke – und teilt ihrerseits aus.

Dominic Wirth
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Divisionär Thomas Kaiser, Chef Logistikbasis der Armee, während der Medienkonferenz.

Divisionär Thomas Kaiser, Chef Logistikbasis der Armee, während der Medienkonferenz.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Sie ist eine dieser Institutionen, die vor einem Jahr noch niemand kannte. Dann hat die Pandemie das auf einen Schlag verändert. Zuletzt stand die Armeeapotheke oft in den Schlagzeilen – und sie tat das nicht auf eine Art, die den Verantwortlichen gefallen konnte. Von überhastet und zu teuer eingekauften Masken war die Rede. Von fehlenden Zertifikaten, qualitativ schlechter Ware, die teilweise gar weggeworfen werden musste. Von übervollen Lagern. Von Unternehmern, die sich auf Kosten des Steuerzahlers eine goldene Nase verdienten.

Gestern traten die Armeeapotheke-Verantwortlichen nun die Flucht nach vorne an. Sie taten das im Rahmen einer Medienkonferenz. Mit dabei: Divisionär Thomas Kaiser, der Chef der Logistikbasis der Armee, welche seit Mitte Mai für die Armeeapotheke verantwortlich ist. Und auch Daniel Aeschbach, ebenfalls seit Mitte Mai Leiter ebendieser – zuerst interimistisch, nun dauerhaft. Die beiden hatten vor allem eine Botschaft im Gepäck: So schlecht, wie es zuletzt dargestellt wurde, haben wir das alles nicht erledigt.

Vom neuen Auftrag völlig überrumpelt

So verwies etwa Divisionär Kaiser auf das «atemberaubende Tempo», mit dem man die Armeeapotheke ab Mitte Jahr umgebaut und für die Zukunft gerüstet habe, etwa im Personal- oder IT-Bereich. Daniel Aeschbach griff zu einem blumigen Vergleich: Man habe eine Operation am offenen Herzen durchgeführt, und das bei einem Patienten mit multiplem Organversagen, der «gerade noch einen Marathon läuft».

Zur Illustration griff er zu verschiedenen Zahlen. Zum Beispiel den 60 gecharterten Swiss-Flugzeugen, die zwischen März und Juni Schutzmaterial ins Land brachten. Zudem betonten die Armeeapotheke-Bosse, wie die Behörde vom riesigen Beschaffungsauftrag im März überrumpelt wurde. Verwiesen auf die 2,5 Stellen im Einkauf, die es sonst, in normalen Zeiten, gab. Und auf das Beschaffungsvolumen, das von sonst 16 Millionen Franken plötzlich auf das 150-Fache stieg.

In einem emotionalen Moment betonte Divisionär Kaiser, dass laut Pandemieplan die Beschaffungen im Krisenfall eigentlich keine Leistung sei, welche die Armeeapotheke «über Nacht» zu erfüllen habe. Trotzdem habe der Bundesrat ihr den Auftrag gegeben, «mangels Alternativen, weil der Bund, die Kantone und die Bürger bei der Bevorratung versagt haben». Und man habe bewiesen, dass das Vertrauen gerechtfertigt gewesen sei, schloss er.

SP-Nationalrätin will unabhängige Aufklärung

Hier gehen die Meinungen indes auseinander. In die gehörige Portion Eigenlob streuten die Armee-Bosse zwar auch eine Prise Selbstkritik ein. Man habe den Auftrag «vollständig erfüllt», aber in verschiedenen Bereichen auch Fehler gemacht, sagte Aeschbach. Diese sollen aufgearbeitet werden. 94 Prozent der 302 Millionen beschafften Masken sind aber laut Armeeapotheke einwandfrei zertifiziert. Diese will künftig zudem transparenter werden und hat gestern Dokumente zu den Beschaffungen publiziert.

Das sei alles schön und gut, sagt Franziska Roth – aber nicht gut genug. Die SP-Nationalrätin sitzt in der Sicherheitskommission und pocht schon länger darauf, dass «Licht in die Beschaffungs-Blackbox Armeeapotheke » kommen müsse. Die Solothurnerin begrüsst es zwar, dass nun «zumindest im Ansatz» Fehler eingeräumt werden. Gleichzeitig will sie sich weiter dafür starkmachen, dass etwa die Masken-Geschäfte nicht nur intern, sondern auch vom Parlament und der Eidgenössischen Finanzkontrolle aufgearbeitet werden. «Für mich bleibt es vorderhand bei der Note ungenügend», sagt Roth.