Die Angriffslust der SOB wird belohnt

Zur Sache

Gerhard Lob
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Aus der strategischen Kooperation zwischen SBB und SOB gehen beide Eisenbahnverkehrsunternehmen erhobenen Hauptes hervor. Statt Konfrontation wird es künftig Zusammenarbeit geben. Und das ist gut so. Die Südostbahn wird zwei Linien der SBB mit eigenem Rollmaterial und in Eigenverantwortung fahren, aber unter dem Dach der SBB und mit gemeinsamem Siegel. Die SOB liefert Konzept und Betrieb, der SBB bleibt zugleich die historische und prestigereiche Strecke am Gotthard erhalten.

Nüchtern betrachtet ist das Ergebnis in Hinblick auf den künftigen Betrieb der Gotthard-Panoramastrecke aber primär ein Erfolg für das Bahnunternehmen mit Sitz in St. Gallen. Ohne den erklärten Willen und die Angriffslust der SOB, dort wieder einen Fernverkehr und ein touristisches Angebot einzurichten, welche diesen Namen wirklich verdient haben, wäre möglicherweise nichts passiert.

Offenbar hat die SBB unter diesem Druck verstanden, dass ihr viel kritisiertes Angebot mit Umsteigen in Erstfeld und dem Einsatz von S-Bahn-Zügen weder kundenfreundlich noch zukunftsträchtig ist. Beide Bahnen bekennen sich nun zur Notwendigkeit von direkten Zügen aus der Deutschschweiz über die historische Strecke ins Tessin. Die Interregio-Züge, die vor Inbetriebnahme des Gotthard-Basistunnels bestens funktionierten, werden so im Nord-Süd-Fernverkehr reaktiviert – mit besserem Rollmaterial und besserem Service. Darauf darf man sich freuen. Schade nur, dass dies erst 2020 passiert. Aber besser spät als nie. Seite 5