Die Ärzte sind sich uneinig

Die Einheitskassen-Initiative aus dem linken Lager, über die am 28. September abgestimmt wird, spaltet die Ärzteschaft – auch in der Ostschweiz. Wichtige Verbände haben deshalb die Stimmfreigabe beschlossen.

Dominic Wirth
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Bild: DOMINIC WIRTH

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Die Initianten von der SP und den Grünen stellen mit ihrer Forderung nach einer Einheitskasse das aktuelle System in Frage. Soll es weitergehen wie bisher, mit 61 verschiedenen privaten Krankenkassen – oder soll künftig eine öffentlich-rechtliche Einheitskasse die Grundversicherung organisieren? Während im Parlament die Positionen bezogen sind – lediglich die Linken stehen hinter dem Projekt, – sind sich die Schweizer Ärzte in der Frage ganz und gar nicht einig.

Die Spitäler wehren sich

So hat die FMH, der Berufsverband der Schweizer Ärzte, die Stimmfreigabe beschlossen. Dasselbe gilt für «Hausärzte Schweiz», den Berufsverband der Haus- und Kinderärztinnen. Der VSAO, in dem sich die Assistenz- und Oberärzte organisiert haben, spricht sich dagegen für die Initiative aus. Sie erhoffen sich von der Einheitskasse nebst dem Wegfall des «Pseudo-Wettbewerbs» und der Risikoselektion durch die Krankenkassen weniger bürokratischen Aufwand. Zudem behandelten die verschiedenen Krankenkassen ihre Patienten heute unterschiedlich. Dies sei aus ärztlicher Sicht nicht tolerierbar. Der Verband der Spitäler, H+, ist derweil gegen das Vorhaben. Diese Position ist das Ergebnis einer Mitgliederbefragung. In einem Positionspapier setzt sich H+ für «freiheitliche Lösungen» für alle Akteure ein.

Auch in den kantonalen Ärztegesellschaften bietet die Einheitskasse einigen Diskussionsstoff. In St. Gallen etwa endete eine Mitgliederbefragung unentschieden. Für Peter Wiedersheim, Präsident der St. Galler Ärztegesellschaft und Co-Präsident der Konferenz der Kantonalen Ärztegesellschaften, «spiegelt dies die Heterogenität innerhalb der St. Galler Ärzteschaft».

Qualitätsverlust befürchtet

Wiedersheim selbst zählt zu den Gegnern der Einheitskasse und ist Mitglied von Alliance Santé, einem Komitee, das sich für die Ablehnung der Einheitskasse einsetzt. Insbesondere das Sparvolumen, das wichtigste Argument der Befürworter, ist aus seiner Sicht «bei weitem nicht so gross wie behauptet». Daneben glaubt Wiedersheim nicht, dass die Jagd nach guten Risiken aufhöre, wie das die Initianten behaupten. Vielmehr werde sich dieser Kampf auf die Zusatzversicherungen verlagern. «Die Initiative der Linken ist asozial und wendet sich damit gegen die eigene Wählerschaft. Kranke mit wenig Geld werden bestraft, weil sie nehmen müssen, was sie vom Staat bekommen. Die Vermögenden dagegen können bei den Zusatzversicherungen aus dem Vollen schöpfen.»

Wiedersheim warnt darüber hinaus vor den hohen Umbaukosten, die in einer Studie auf 2,2 Milliarden Franken geschätzt werden. Und schliesslich befürchtet er einen Qualitätsverlust. «Wenn es nur noch einen Anbieter gibt, warum soll dann Qualität geliefert werden?»

Gute Erfahrungen in Kanada

Gerade gegen dieses Argument wehrt sich Etzel Gysling. Der Arzt aus Wil gehört zum Ja-Komitee. «Das Konkurrenz-Argument ist fehlerhaft, denn die Leistungen nach Grundversicherung müssen ja identisch sein», sagt er, «und für etwas Identisches kann es keine Konkurrenz geben.» Gysling hat in Kanada praktiziert und dort Erfahrungen mit einer Einheitskasse gemacht. Er sei «wie alle anderen» glücklich gewesen mit dem System – auch, weil es für die Ärzte eine gute, einfache Lösung gewesen sei. Gerade auf diesen Punkt legt Gysling Wert. Vom Kostenargument hält er weniger: «Ich glaube nicht, dass die Einheitskasse wesentlich billiger wird.»

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