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Deutschland umwirbt Parmelin

Als Lieferant für die neuen Kampfjets der Schweizer Armee kommen fünf Hersteller in Frage. Falls der Bundesrat den Eurofighter von Airbus bestellt, könnte es Mengenrabatt geben.
Henry Habegger
Zwei Eurofighter während eines Testfluges. (Bild: Ralf Hirschberger/DPA)

Zwei Eurofighter während eines Testfluges. (Bild: Ralf Hirschberger/DPA)

Vielleicht war es der Anfang einer engeren Beziehung. Mitte Februar dieses Jahres spendierte die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihrem Schweizer Amtskollegen Guy Parmelin (SVP) in München ein Mittagessen. Das war am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz.

Von der Leyen hat mit Sicherheit ein gutes Wort für den Eurofighter eingelegt. Das war auch nötig, denn Hersteller Airbus hat derzeit nicht die besten Karten im Schweizer Poker um die Beschaffung neuer Kampfjets. Viele Sicherheitspolitiker geben dem französischen Dassault-Konzern mit dem Rafale die besten Chancen im Deal, der die Schweiz bis zu 7 Milliarden kosten soll. Gute Chancen hat für viele auch Saab (Schweden) mit dem Gripen. Der Rafale gilt als bewährtes Allzweckflugzeug, und die Franzosen sind starke Lobbyisten. Der Hauptvorteil des Gripen ist der Preis. Weniger Chancen geben viele den US-Jets, dem Tarnkappenbomber F-35 (Lockheed Martin) und dem F/A-18 Super Hornet (Boeing).

Im gleichen Takt unterwegs

Aber die Airbus-Leute wittern Morgenluft. Der Grund: Die deutsche Verteidigungsministerin von der Leyen will für ihre Luftwaffe rund 100 Eurofighter kaufen. Zwar ist auch der F-35 im Rennen, aber von der Leyen gab im April zu verstehen, dass sie das eigene Fabrikat will. Wie zufällig passt von der Leyens Fahrplan zu dem von Parmelin. Ab 2025 will Deutschland seine 90 atomwaffenfähigen Tornados ausser Dienst stellen. Zwischen 2025 und 2030 will auch der SVP-Bundesrat neue Kampfflugzeuge in Betrieb nehmen. Das bedeutet, dass die Deutschen und die Schweizer bei der Eurofighter-Zentrale in Manching bei München eine Sammelbestellung aufgeben könnten. Das gäbe wohl Mengenrabatt.

Florian Taitsch, Sprecher von Airbus Defence and Space, sagt es so: «Wenn die deutsche Bundeswehr rund 100 Eurofighter als Ersatz für die Tornados bestellt, könnte sich die Schweiz, sofern sie das wünscht, dieser Bestellung anschliessen. Das hätte für die Schweiz Vorteile, nicht nur finanzielle: Es wäre auch eine zusätzliche Sicherheit dafür, dass der Support und die Upgrades des Eurofighters auf Jahrzehnte hinaus gesichert sind.» Der Tornado-Ersatz ist für die Deutschen allerdings wohl nur eine Zwischenlösung bis in die Jahre 2040/45. Ab dann soll der «europäische Kampfjet der neuen Generation» bereit sein. Future Combat Air System (FCAS) ist der Projektname dieses «Waffensystems der neuen Generation», das Airbus mit dem bisherigen Rivalen Dassault realisieren will. Von der Leyen und ihre französische Kollegin Florence Parly haben im Juni eine Absichtserklärung unterzeichnet. Das neue System, zu dem etwa ferngesteuerte Kampfflugzeuge, Drohnenschwärme oder Marschflugkörper gehören, soll bis 2045 die heutigen Rafale-Jets der Franzosen und den Eurofighter der Deutschen ersetzen. So wollen die Europäer, die auch einen gemeinsamen Panzer planen, ihre Kräfte bündeln, um gegen die harte und aggressive US-Konkurrenz längerfristig zu bestehen.

Airbus rechnet sich gute Chancen aus

Braucht die Schweiz, falls sie den Eurofighter (oder den Rafale) kauft, also bereits ab 2040 neue Kampfjets, weil die Herstellerländer die Flugzeuge ausmustern? «Nein, das heisst nicht, dass der Eurofighter in Deutschland dann nicht mehr fliegt», sagt Airbus-Sprecher Taitsch. «Wir gehen im Moment davon aus, dass beide Systeme bis 2050/60 parallel betrieben werden.» Airbus rechnet sich auch darum gute Chancen aus, weil sich erstmals die deutsche Regierung für den Kampfjet-Verkauf starkmacht. Bei früheren Deals machte sie das im Unterschied zu den Amerikanern oder den Franzosen nicht. «Die Bundesregierung unterstützt unsere Bemühungen in der Schweiz sehr aktiv», sagt Airbus-Sprecher Taitsch.

Das wird ganz im Sinn von Parmelin sein. Er will die neuen Jets nicht direkt beim Hersteller, sondern über die Regierung des Herstellerlandes kaufen. Nicht nur Airbus-Mann Taitsch deutet dies so, dass die Schweiz mit dem Kampfjet-Lieferland eine engere und längerfristige Partnerschaft und Zusammenarbeit bei der Luftraumsicherung sucht. Auch darum rechnen sich die Europäer gute Chancen aus.

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