Deutschland: Rentenalter ist Wahlkampfthema

Christoph Reichmuth, Berlin
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Drei-Säulen-Prinzip Wie auch in der Schweiz basiert das deutsche Rentensystem auf einem Drei-Säulen-Prinzip. Es gibt die gesetzliche Rentenversicherung, die betriebliche Altersvorsorge sowie eine rein private Vorsorge. Die gesetzliche Rentenversicherung ist Pflicht und beruht auf einem Umlageverfahren. Der Versicherungsbetrag ist zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu tragen und ist abhängig von der Höhe des Einkommens. Der Betrag wird direkt vom Bruttogehalt abgezogen und fliesst in die deutsche Rentenversicherungskasse.

Der Beitragssatz in die gesetzliche Rente beträgt 18,7 Prozent, der je zur Hälfte vom Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer bezahlt wird. Das Rentenniveau beträgt derzeit rund 48 Prozent. In Zahlen: 2016 verdienten die Deutschen durchschnittlich 30000 Euro pro Jahr, die durchschnittliche Rente lag bei 14300 Euro jährlich.

Pension mit freiwilligen Beiträgen aufbessern

Die Rentenleistung können Erwerbstätige auch durch Einzahlung in die betriebliche Altersvorsorge verbessern, allerdings bieten dieses freiwillige Modell nicht alle Firmen an. Je nach Einkommen und einem mit dem Arbeitgeber vereinbarten Vertrag wird vom Gehalt eine bestimmte Summe abgezogen, die ebenfalls in die Rentenversicherung fliesst.

Der Staat leistet zudem Anreize, damit Versicherer freiwillig auf privater Basis in eine dritte Säule einbezahlen. Unter anderem kann die Höhe des einbezahlten Betrags teilweise von der Steuer abgezogen werden. Das Renteneintrittsalter in Deutschland liegt bei 65 Jahren. Die Durchschnittsrente in den alten Bundesländern war (Stand 2015) 1230 Euro, in den neuen Bundesländern im Osten 1217 Euro. Allerdings erreicht diese Rentenhöhe nur jemand, der mindestens 45 Jahre lang die Mindesthöhe in die Rentenversicherung einbezahlt hat. Daher liegt der Rentensatz für viele Versicherte effektiv rund 200 Euro pro Monat tiefer. Seit 2014 besteht zudem die Möglichkeit, dass Arbeitgeber nach 45 Beitragsjahren im Alter von 63 Jahren abschlagsfrei in die Pension gehen können.

Bundesbank will Eintrittsalter auf 69 Jahre erhöhen

Bedingt durch den demografischen Wandel wird das Renteneintrittsalter in Deutschland von heute 65 schrittweise bis ins Jahr 2029 auf 67 erhöht. Die Bundesbank hat wegen der höheren Lebenserwartung nun vorgeschlagen, das Eintrittsalter ab 2030 schrittweise auf 69 Jahre zu erhöhen.

Vor allem die SPD geht im anstehenden Bundestagswahlkampf gegen eine Erhöhung des Eintrittsalters vor. Die Sozialdemokraten fordern zudem, dass der Beitragssatz in die gesetzliche Rente bis 2030 auf 22 Prozent des Gehaltes begrenzt wird. Zudem will die SPD das Rentenniveau von mindestens 48 Prozent weiterhin garantieren. Nach heutigem Recht darf das Rentenniveau bis 2030 auf 43 Prozent sinken. Das heisst, dass der Anspruch aus der gesetzlichen Rente sinken dürfte.

Christoph Reichmuth, Berlin