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Deutschland bildet jetzt Flüchtlinge zu Lokführern aus – die Schweiz hat den Personalmangel zusätzlich angeheizt

Auf deutschen Schienen sind die Engpässe noch akuter als hierzulande. In Baden-Württemberg werden jetzt sogar Flüchtlinge zu Lokführern geschult.
Sven Altermatt
Neues Projekt gestartet: Im Südwesten Deutschlands werden Flüchtlinge zu Lokführern ausgebildet. (Bild: Keystone)

Neues Projekt gestartet: Im Südwesten Deutschlands werden Flüchtlinge zu Lokführern ausgebildet. (Bild: Keystone)

Sie locken mit den «schönsten Bahnstrecken der Schweiz» und höheren Löhnen: Weil Lokführer hierzulande rar sind, suchen die SBB auch in Süddeutschland nach Bewerbern. Anfang dieses Jahres lancierten sie im Grenzbundesland Baden-Württemberg eine Kampagne, um Deutschen eine Lokführerausbildung in der Schweiz schmackhaft zu machen. Gleichzeitig versprach die deutsche SBB-Cargo-Tochter Neuangestellten eine Sonderzulage von 500 Euro pro Monat.

Zum Vergleich: Hierzulande können Lokführer nach der Ausbildung mit einem Monatslohn von 6000 Franken rechnen. In Deutschland verdienen sie umgerechnet zwischen 3400 und 4100 Franken im Monat.

Wie viele Interessenten aus Deutschland sich gemeldet haben, geben die Bundesbahnen nicht bekannt. Eine Sprecherin betont aber: «Die attraktiven Arbeitsbedingungen bei den SBB stossen im Raum Baden-Württemberg auf ein erfreuliches Echo.»

Bei Bahngesellschaften im grenznahen Raum kam die Werbung aus dem kleinen Nachbarland dagegen überhaupt nicht gut an. Sie leiden noch stärker als die Schweizer Unternehmen unter Personalengpässen. «Das Abwerben von Lokführern wird deutschlandweit als Problem angesehen, da dadurch insbesondere die Motivation der Unternehmen abnimmt, Lokführer auszubilden», erklärt ein Sprecher des baden-württembergischen Verkehrsministeriums der «Schweiz am Wochenende».

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) packt das Problem beherzt an. Die Bahnunternehmen sollten an einem Strang ziehen, findet er. Soeben hat der Politiker eine entsprechende Verpflichtungserklärung initiiert. Darin sichern sich die Betriebe im Bundesland zu, keine Lokführer abzuwerben oder sonst die Ausbildungskosten zurückzuerstatten.

Zum Kreis der Unterzeichner zählt pikanterweise auch die SBB Deutschland GmbH. Diese Tochtergesellschaft der Bundesbahnen betreibt vornehmlich Linien, die von der Schweiz aus nach Deutschland führen. Formell betrachtet gilt die Verpflichtungserklärung nur für sie. Doch für das baden-württembergische Verkehrsministerium ist klar: «Im Sinne des Gedankens der Fairness gehen wir davon aus, dass auch die SBB den Grundgedanken dieser Vereinbarung beherzigen.»

Auf die Frage, ob man die Erklärung bei Lokführerstellen in der Schweiz ebenfalls berücksichtige, geben sich die SBB wortkarg. «Ob es eine solche Erklärung gibt, ist uns nicht bekannt», teilt die Bahnsprecherin mit.

Minister lässt Flüchtlinge zu Lokführern schulen

Allein im Südwesten Deutschlands müssen in den nächsten Jahren mehr als 1000 Lokführerstellen besetzt werden – genauso viele sind es in der Schweiz. Baden-Württembergs Verkehrsminister Hermann verfolgt unkonventionelle Ideen, um den Fachkräftemangel zu beheben: Er will die Lücken mit Migranten schliessen. Flüchtlinge sollen im Rahmen eines speziellen Programms zu Lokführern ausgebildet werden.

Ein erster Kurs mit 15 Teilnehmern ist diesen Monat angelaufen. Die Behörden beteiligen sich an den Kosten. Voraussetzungen sind unter anderem eine technische Vorbildung, ein anerkannter Schulabschluss, ein psychologischer Test und ein geklärter Aufenthaltsstatus.

Nicht zu bestätigen scheinen sich erste Befürchtungen, wonach das Programm wegen mangelnder Deutschkenntnisse der Teilnehmer scheitern könnte. «Die Sprachkenntnisse sind gut und unserer Einschätzung nach ausreichend für die doch sehr anspruchsvolle Ausbildung zum Lokführer», heisst es etwa bei der Eisenbahnverkehrsgesellschaft MEV, einem der beteiligten Unternehmen. Das Interesse am Programm ist gross: Weit über 200 Bewerbungen sind gemäss offiziellen Angaben eingegangen.

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