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Der Wolf im Schafspelz

Mauro Poggia könnte als erster Politiker für das Mouvement Citoyens Genevois (MCG) in die Genfer Regierung einziehen. Am Sonntag ging jede fünfte Wählerstimme an die Populisten vom Genfersee.
Denise Lachat
In Champagnerlaune: Mauro Poggia (rechts) feiert den Wahlerfolg des MCG. (Bild: ky/Salvatore Di Nolfi)

In Champagnerlaune: Mauro Poggia (rechts) feiert den Wahlerfolg des MCG. (Bild: ky/Salvatore Di Nolfi)

BERN. Bei der Genfer Protestbewegung Mouvement Citoyens Genevois (MCG) sind die Rollen verteilt wie einst bei der Tessiner Lega: Danach ist der querulante MCG-Gründer und selbsterklärte «Bad Guy» Eric Stauffer der Genfer Bignasca, während der höfliche und umgängliche Mauro Poggia den Genfer Borradori gibt. Jetzt hat der «Good Guy» die Nase vorn: Der 54jährige Anwalt Poggia landete am Sonntag auf Platz sechs und hat reelle Chancen, Mitte November in die Regierung gewählt zu werden.

Aggressiv, väterlich verbrämt

Poggia fand am Wahlsonntag gleich die passenden Worte, um den Erfolg der Populisten vom Genfersee zu begründen. «Wir handeln wie ein Vater, der zuerst seine Familie ernährt, bevor er Gäste an seinen Tisch einlädt. Damit vermittelt das MCG der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit. Das klingt in der Tat netter als die aggressiven Schlagzeilen, mit denen die MCG-Publikation «Le Citoyen» seit Jahren gegen die Grenzgänger aus Frankreich hetzt. Dass sie als Epidemie bezeichnet wurden, die noch nicht ausgerottet sei, wird dem MCG ein an die Regierung adressiertes Protestschreiben der Genfer Liga gegen Rassismus und vielleicht sogar eine Strafklage eintragen. Poggia räumt im Gespräch ein, dass er den Ausdruck so nicht gebraucht hätte. Doch das MCG sei eine Oppositionspartei. «Wir nehmen kein Blatt vor den Mund.»

Sohn von Italienern

Von den schrillen Tönen, mit denen das MCG öffentlich den Frust der Genfer bündelt, ist Poggia im Gespräch plötzlich weit entfernt. Selbstverständlich könne das Genfer Gesundheitswesen ohne die Grenzgänger nicht funktionieren, sagt er. Doch dies sei kein Grund, in allen Branchen dermassen viele Grenzgänger anzustellen, wenn die einheimische Bevölkerung auf Stellensuche sei. Der Staat müsse mit gutem Beispiel vorangehen und zunächst Genfer Arbeitslose beschäftigen, bilaterale Verträge hin oder her. Genau diese Präferenz lässt die Regierung unter dem missbilligenden Blick der EU allerdings bereits zu. Poggia widerspricht nicht, verbucht dies aber als MCG-Erfolg. «Ohne unseren Druck hätte die Regierung noch lange nicht gehandelt.» Poggia, dessen Eltern einst aus dem Piemont in die Schweiz einwanderten, versichert gerne, dass die Politik des MCG nicht ausländerfeindlich sei – und er weist auch auf die Unterschiede zur SVP hin. «Wir verlangen keine Quoten für Ausländer, sondern einen Vorrang für die ansässige Bevölkerung.»

Nicht immer kompromissbereit

Poggia kam im bernischen Moutier zur Welt und wuchs in Genf auf. In der Schule fiel er durch gute Leistungen auf, zur Politik kam er erst spät. Zunächst versuchte er sein Glück bei der CVP, die ihm allerdings keinen aussichtsreichen Listenplatz bot, worauf er zum MCG wechselte und 2009 prompt in den Kantonsrat gewählt wurde, später auch in den Nationalrat. In Bundesbern politisiert Poggia allein auf weiter Flur und hat keinen Zugang zu den Kommissionen, in Genf hingegen präsidiert er die Gesundheitskommission. Wie andere MCG-Mitglieder gehört Poggia auch zum linken Komitee, das für die Einheitskasse kämpft. Damit zementiert das MCG sein Motto «weder links, noch rechts». «Wir sind in der Sozialpolitik links, in Wirtschafts- und Sicherheitsfragen rechts.» Die Kriminalität ist denn auch das zweite grosse Thema des MCG. Poggia sagt, jeden Tag erlebe Genf zwei oder drei bewaffnete Überfälle, es brauche dringend massiv mehr Polizeipräsenz. Dafür müsse Personal in der Verwaltung freigestellt und auf die Strasse geschickt werden.

Zum Islam konvertiert

Ob Poggia seine Ideen bald im Siebnergremium vorbringen wird, entscheidet sich am 10. November beim zweiten Wahlgang. Mit ihm könne man diskutieren und Kompromisse finden, verspricht er. Geht es um seine persönlichen Interessen, ist Poggia in Genf allerdings nicht für Kompromisse bekannt. So soll er jene Mieter, die nicht in der Lage waren, die happige Mietzinserhöhung im Haus seiner Partnerin zu bezahlen, unsanft vor die Türe gesetzt haben. Flexibel zeigte sich Poggia in einem anderen Bereich. Für seine Partnerin, eine in der Schweiz aufgewachsene Nordafrikanerin, konvertierte der dreifache Vater, der zwei Kinder aus erster Ehe hat, vom Christentum zum Islam.

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