Der Verbrauch dürfte steigen

129 000 in der Schweiz eingelöste Autos des VW-Konzerns müssen zurück in die Werkstatt.

Maurizio Minetti
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VW-Modelle: Gewaltige Kosten für die Umrüstung. (Bild: ap/Brennan Linsley)

VW-Modelle: Gewaltige Kosten für die Umrüstung. (Bild: ap/Brennan Linsley)

In der Autobranche bereitet man sich seit Tagen auf die bevorstehende Umrüstungsaktion von zahlreichen Volkswagen vor. Vor einer Woche musste der deutsche Autokonzern einräumen, dass in weltweit elf Millionen Dieselautos die Software so manipuliert wurde, dass bei einem Abgastest nicht der reale Schadstoffausstoss angezeigt wird, sondern ein viel tieferer Wert. Laut der amerikanischen Umweltschutzbehörde sollen die betroffenen Autos im Alltagsbetrieb die festgelegten Emissionsgrenzen um das 40-Fache überschreiten. Konzernchef Martin Winterkorn musste im Zuge des Skandals den Hut nehmen. Gegen ihn wird nun in Deutschland ermittelt.

Der Umrüstungsplan steht

In der Schweiz sind laut einer internen Auswertung von Volkswagen 128 802 bereits in Verkehr gesetzte Fahrzeuge betroffen, so Amag. Darin mitgezählt sind die Verkaufszahlen von allen offiziellen Handelsorganisationen, nicht aber den privaten, sogenannt freien Händlern, die zum Beispiel direkt aus dem Ausland parallel importieren. Die Fahrzeuge verschiedener Marken des VW-Konzerns sind ausschliesslich mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet. Volkswagen hat die Manipulation früh zugegeben und betont, man werde die Kosten für die Behebung der Software-Manipulation selbst übernehmen. VW spricht lediglich von «gewaltigen Kosten». Seit Tagen arbeitet der Konzern unter Hochdruck an einer Nachbesserungsaktion für die von den Manipulationen betroffenen Fahrzeuge. Eine Lösung hat man in Wolfsburg zwar noch nicht gefunden, dafür steht ein Plan für eine «grossangelegte Umrüstaktion», wie der Schweiz VW-Importeur Amag gestern mitteilte. Die genaue Art der Massnahme sei vom Hersteller noch nicht bestimmt, betont Amag-Sprecher Livio Piatti.

Astra muss Umrüstung genehmigen

In der Mitteilung von Amag ist von einem «Aktionsplan zur Nachbesserung des Abgasverhaltens von Dieselfahrzeugen» die Rede. Dabei werden zuerst die Kunden offiziell darüber informiert, dass «das Abgasverhalten ihres Fahrzeugs nachgebessert werden muss», wie es Amag formuliert. Volkswagen und die anderen betroffenen Marken des Konzerns wollen noch im Oktober den zuständigen Behörden «die technischen Lösungen und deren Umsetzbarkeit demonstrieren». Diese Massnahmen müssen die jeweiligen Zulassungsbehörden – in der Schweiz das Bundesamt für Strassen (Astra) – aber erst noch genehmigen. Anschliessend folgt eine weitere individuelle Information der Fahrzeughalter, um danach Werkstatt-Termine zu vereinbaren, wie Amag schreibt. Die Fahrzeuge seien weiterhin technisch sicher und fahrbereit. Was der Importeur nicht schreibt: Die Autos dürften nach dem Update weniger effizient sein, das heisst mehr Diesel verbrauchen und weniger Leistung haben.

Für Amag ist es nicht ganz einfach, an die aktuellen Adressen der Fahrzeughalter zu kommen. Diese erheben die kantonalen Strassenverkehrsämter, welche sie regelmässig nach Bern übermitteln. Diese Daten muss Amag nun vom Astra kaufen, wie Kenner der Branche sagen. Beim Astra konnte niemand zum Preis der Datenbeschaffung Auskunft geben. Amag-Sprecher Livio Piatti betonte: «Volkswagen übernimmt die volle Verantwortung und auch die Kosten für notwendige Massnahmen.» Amag selbst könne die Kosten aktuell nicht beziffern, so der Importeur.

Verkaufsstop für Neuwagen

An Lager bei den offiziellen Amag-Händlern hat es nur noch wenige betroffene Fahrzeuge. Amag hat für Neuwagen mit der mittlerweile veralteten Euro-5-Abgasnorm einen sofortigen Verkaufsstop für wenige hundert Neuwagen erlassen, die sich in Schinznach-Bad an Lager befinden. Diese Fahrzeuge sollen nach erfolgten Modifikationen so schnell wie möglich wieder in den Verkauf gelangen.