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Der Vater des Vaterschaftsurlaubs ist im Parlament angekommen

Adrian Wüthrich sitzt seit Dienstag für die SP im Nationalrat. Für den Gewerkschafter ist es der beste Zeitpunkt für den Amtsantritt.
Andrea Tedeschi
Adrian Wüthrich während seines ersten Sessionstages in Bern. (Peter Klaunzer/Keystone)

Adrian Wüthrich während seines ersten Sessionstages in Bern. (Peter Klaunzer/Keystone)

Er habe immer Glück, sagt Adrian Wüthrich selbst. Er hat am Dienstag im Nationalrat seine Vereidigung hinter sich gebracht, gönnt sich nun einen Café crème, bevor er an seine erste Abstimmung eilen wird. Der Berner hat viele Anliegen, für die er streiten, taktieren und lobbyieren will: die Lohngleichheit, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Pflege im Alter. Sein grösstes ist jedoch der Vaterschaftsurlaub. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen, 5 und 7 Jahre. Wüthrich will eine Mehrheit finden, weil der richtige Zeitpunkt gekommen sei. «Nächsten Freitag wird die Botschaft dem Bundesrat übergeben, leider mit einem Nein-Vorschlag», sagt er. Doch er gibt sich optimistisch.

Der 38-Jährige ist für SP-Nationalrat Alexander Tschäppät nachgerückt, der erst vor wenigen Wochen verstorben ist. Wüthrich hätte sich den Einzug ins Bundeshaus unter anderen Umständen gewünscht: «Eine politische Karriere kann man nicht planen.» Seine begann schon im Kindesalter. Mit 12 Jahren studierte er im Staatskunde­unterricht die Schwerpunkte der Parteien und entschied sich für die SP. Sie war gegen die Beschaffung der F/A-18-Kampfflugzeuge, wie er, und für die Chancengleichheit. Mit 18 Jahren fiel er der Juso auf, als er im Gymnasium für ein Stimmrecht ab 16 Jahren kämpfte. Er trat der Partei bei, gründete darauf ein Jugendparlament in Walterswil, einem Dorf von SVP-Wählern. Das kam nicht gut an. «Meine Familie hat stark darunter gelitten», sagt er. Sogar seine Grossmutter versuchte ihn davon abzubringen: Die Dorfbewohner mieden sie, er bekam zu hören, er solle zuerst die Rekrutenschule machen und mit den Händen schaffen lernen. Wüthrich brachte es bis zum Hauptmann, studierte als Erster seiner Familie an der Universität, Betriebs- und Politikwissenschaften. Sein Vater, ein Verkäufer, hatte es ihm erlaubt, Wüthrich musste es aber selbst finanzieren. Sonntags arbeitete er als Kochhilfe, sass über vier Jahre an der Migros-Kasse.

Als parlamentarischer Assistent von SP-Ständerat Ernst Leuenberger kam er erstmals nach Bern: über die Eisenbahngewerkschaft zum Amt als Präsident der Gewerkschaft Travail Suisse. Sitzt er beim Feierabendbier mit Arbeitern zusammen, hört er oft, wie unzufrieden sie mit seiner Partei seien. «Sie wollen lieber weniger Wirtschaftsleistung als Ausländer im Land», sagt Wüthrich. Das gebe ihm schon zu denken. Doch zuerst steht der Vaterschaftsurlaub an. Denn wie so oft in seinem Leben gibt es auch jetzt eine glückliche Fügung. «Seit Montag ist klar, dass die Vaterschaftsinitiative in der nationalrätlichen Bildungskommission ist», sagt er. Es ist die Kommission, in der auch er sitzen und mitentscheiden wird.

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