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Der Tag nach dem Feuerdrama in Solothurn: eine Zigarette, sechs Tote, zahlreiche Verletzte und eine Verhaftung

Kleine Ursache, tödliche Folgen: «Unsachgemässer Umgang mit Raucherwaren» löste einen Brand mit starker Rauchentwicklung in einem Solothurner Mehrfamilienhaus aus. Sechs Tote, darunter Kinder, und vier Schwerverletzte forderte der Brand. Eine Person sitzt in U-Haft.
Wolfgang Wagmann
Nach derzeitigen Erkenntnissen der Polizei verursachte ein unsachgemässer Umgang mit Raucherwaren den Brand. (Bild: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)
Die Spuren des Brandes mit sechs Toten in Solothurn: Das Feuer zerstörte das Erdgeschoss komplett. (Bild: KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)
Beim Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Nähe der Altstadt von Solothurn entstand starker Rauch. Sechs Personen starben, mehrere Personen befinden sich im Spital. (Bild: Handout Kantonspolizei Solothurn)
Das Brandunglück mit sechs Toten ereignete sich im Mehrfamilienhaus (rechts) in Solothurn. Die Brandursache ist noch unklar. (Bild: KEYSTONE/STEFAN LANZ)
Sechs Menschen starben beim Brand des Mehrfamilienhauses in Solothurn. (Bild: Kapo SolothurnSolot)
Der Brand sei auch für Rettungskräfte physisch und psychisch sehr belastend, sagte Polizeisprecher Bruno Gribi. (Bild: Handout Kantonspolizei Solothurn)
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Tragödie in Solothurn: Sechs Menschen sterben bei Brand

Es müssen sich dramatische Szenen kurz nach zwei Uhr nachts am Montag an der Wengistrasse 40 abgespielt haben: Verzweifelte Menschen schreien an Fenstern um Hilfe, eingehüllt in dicken Rauch, der aus dem brennenden Erdgeschoss aufsteigt. Gegenüber «Tele M1» wird ein Mann berichten, er sei aus dem Fenster gesprungen, ein anderer, der es von höher oben versucht hatte, sei dabei zu Tode gestürzt. Auch ein Baby sei in der Verzweiflung hinuntergeworfen worden, heisst es.

Daneben kämpfen die Rettungsdienste um das Leben von Evakuierten. In einigen Fällen vergeblich: Auf sechs Tote, darunter Kinder, wächst die traurige Bilanz. Zuletzt bestätigt die Kantonspolizei: Noch seien vier Personen mit schweren Verletzungen im Spital. Und eine Person wurde am Montagnachmittag vorläufig festgenommen.

Sechs Todesopfer nach Grossbrand in Solothurn In der Wengistrasse in Solothurn spielte sich heute Nacht eine Tragödie ab. Unter den sechs Opfern befinden sich auch Kinder. © telem1

Überall war Rauch

Boris Anderegg, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Solothurn, schilderte seinen ersten Eindruck an der Brandstätte: «Überall war Rauch.» Um 2.10 Uhr sei man alarmiert worden, «ich habe dann das ganze Korps aufgeboten.» Die 60 Feuerwehrleute hätten sich sofort auf die Rettung der Hausbewohner konzentriert, die aus den Fenstern in den Obergeschossen um Hilfe gerufen hätten. «Wir setzten auch den Atemschutzzug ein. Es kam zu sehr vielen Rettungen auch über Leitern.» Genau kann er die Zahl noch nicht nennen, «aber es waren wohl zwischen 10 und 20 Bergungen.»

Solothurn: So reagierten die Bewohner auf den Grossbrand Im und um das Haus spielten sich dramatische Szenen ab. Eine Bewohnerin warf sogar aus Verzweiflung ihr Kind aus dem Fenster. © telem1

Der Kommandant bestätigt, dass der Brandherd im Parterre gewesen sei. Vor Ort seien auch sehr viele Ambulanzen, sogar aus dem Nachbarkanton Bern aufgefahren, bestätigt Anderegg ebenfalls. Die Rettungskräfte versuchten die leider teilweise ergebnislosen Reanimationen von Opfern, die laut Augenzeugen offenbar bis zu einer halben Stunde gedauert hätten.

Verzweifelt: Mutter wirft Baby aus Fenster - offenbar direkt in den Tod Das tragische Feuer in einem Mehrfamilienhaus in der Nacht auf Montag fordert sechs Tote. Darunter sind auch Kinder. Gemäss einem Augenzeuge hat eine Mutter ihr Kind in der Verzweiflung aus dem Fenster geworfen. Der Mann konnte das Kind aber angeblich nicht auffangen. © CH Media Video Unit

Feuerwehrleute betreut

Die Feuerwehrleute waren in der Nacht mit sehr belastenden Szenen konfrontiert. «Ja es war einschneidend», muss auch der Kommandant einräumen. Die Solothurner Feuerwehr hatte zuletzt 2012 bei einem Wohnungsbrand in der Greibengasse ein Todesopfer bergen müssen. Bei einem ähnlichen Fall an der Hans-Huberstrasse mit einem toten Bewohner gab es gestandene Feuerwehrmänner, die in Tränen aufgelöst waren. «Unsere Leute wurden deshalb nach Ende des Einsatzes um 6 Uhr gleich vom Care Team des Kantons betreut», so Boris Anderegg.

Feuerwehrkommandant: "Es war ein sehr einschneidender Einsatz" Beim Brand in einem Wohnhaus in Solothurn sind in der Nacht auf Montag sechs Menschen ums Leben gekommen. Darunter sind auch Kinder. Es war ein dramatischer Einsatz, auch für die Solothurner Feuerwehr, wie deren Kommandant gegenüber dem Videodienst von Keystone-sda ausführt. © sda-Video

Elf Patienten in Spitalpflege

Belastend war die Situation auch für die Rettungsdienste. Beat Walser, Betriebsleiter der Rettungsdienste Solothurner Spitäler, bestätigte gegenüber «Tele M1», dass insgesamt zehn Rettungswagen im Einsatz gestanden hätten, darunter die Hälfte eingetroffen aus Grenchen und der bernischen Nachbarschaft. «Insgesamt wurden elf Patienten aufgenommen.» Wobei eine Person das Spital noch gleichentags hatte verlassen können.

"Wir wurden mit harten Bildern konfrontiert" Sechs Menschen starben in der Nacht auf Montag bei einem Brand eines Mehrfamilienhauses in Solothurn. Ein harter Einsatz für die Rettungskräfte. © CH Media Video Unit

«Schwarzer Tag für Solothurn»

Morgens um 5 Uhr war Stadtpräsident Kurt Fluri von Feuerwehrkommandant Boris Anderegg über das tragische Drama an der Wengistrasse 40 informiert worden und an die Brandstätte geeilt. «Das ist ein schwarzer Tag für Solothurn», hatte er vor Ort geäussert. Und später: «Das Feuer war ja nicht das Schlimmste, es war ja nur ein Zimmerbrand.» Fatal sei die enorme Rauchentwicklung gewesen. «Es ist unvorstellbar», so der Stadtpräsident, «meines Wissens hat es bei uns in der Region noch nie eine solche Brandkatastrophe gegeben.»

Kanton mietete Wohnungen

Als Fluri am Brandort eintraf, war die Lösch- und Rettungsaktion bereits beendet, die Leichname in einem Zelt auf dem City-Parkplatz aufgebahrt. In der Liegenschaft Nummer 40 habe der Kanton zwei Stockwerke für die Unterbringung von Asylsuchende angemietet, «einige Kinder gingen bei uns in den Kindergarten». Allerdings seien nur neun Personen an der Wengistrasse 40 angemeldet gewesen – tatsächlich hielten sich aber zur Brandzeit um die 20 Personen in den Wohnungen auf. «Die Evakuierten wurden vorläufig in der Zivilschutzanlage Schöngrün untergebracht», bestätigte Fluri weiter.

Claudia Hänzi, Chefin des kantonales Amtes für Soziale Sicherheit, wollte zum Status der Bewohnerschaft keine Angaben machen. Sie bestätigte lediglich: «Ja wir haben Wohnraum in der Liegenschaft angemietet.»

Stadt erwägt Gedenkfeier

Ebenfalls schon Gedanken hat sich Kurt Fluri zu einer Gedenkfeier für die Verstorbenen gemacht. «Wir müssen jedoch zuerst wissen, ob und welchen Glaubensgemeinschaften die Opfer angehört haben.» Danach werde man sich mit einer ökumenischen Gedenkfeier im Detail befassen können.

Die Stadt Solothurn ist schon oft von folgenschweren Bränden heimgesucht worden. Doch nie gab es mehrere Todesopfer zu beklagen.

Noch immer in den Köpfen der älteren Solothurner Bevölkerung ist der Brand des Landhauses am 5. April 1955, als Abends das ganze Gebäude ausbrannte und nur knapp ein grösserer Altstadtbrand vermieden werden konnte. Ein Brand betraf auch die 1977 die ehemalige Vogt-Schild-AG an der Berthastrasse, und 1988 wurde auch die Papeterie Beutler an der Gurzelngasse ein Raub der Flammen. Besonders spektakulär, aber ohne Opfer, verlief der Brand der ehemaligen Handelsbank am Storchenplatz am 10. Juni 2004 – das zerstörte Gebäude musste total neu aufgebaut werden.

Brandstiftung war im Spiel, als am 13. Juni 2005 der Güterschuppen östlich des Hauptbahnhofes abbrannte. Speziell in Erinnerung sind auch die Brände des Spielplatzes Güggi 2006 und des Stapo-Polizeibootes 2007 unter der Rötibrücke. Und 2008 musste am 16. März gar ein Todesopfer beklagt werden: An der Hans-Huber-Strasse bezahlte ein Mann einen Wohnungsbrand mit dem Leben.

Das fatale Jahr 2011

Viel zu tun hatte die Feuerwehr in Solothurn 2011: Der Brandanschlag zu St. Ursen am 4. Januar konnte zwar rasch erstickt werden, doch der Sachschaden war immens und die Kathedrale musste lange geschlossen bleiben. Am 29. März erstreckte sich nachmittags ein Dachstock über fünf Liegenschaften an der Hauptgasse, Schlimmeres konnte zum Glück vermieden werden und es gab auch keine Opfer. Am 1. August brannte das Clubhaus des SC Blustavia wegen Feuerwerk ab, und später im Jahr traf es eine Tiefgarage an der Zuchwilerstrasse sowie erneut das Aare-Rettungsboot der Stadtpolizei.

Am 13, November 2012 kam eine Frau beim Brand ihres Wohnhauses in der Greibengasse um. Die Aufzählung ist keineswegs lückenlos, doch spektakulär war auch der Brand des Von-Roll-Hauses vormittags im Januar 2015. (ww)

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