Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Der Streit um den Dreckstrom

Was füllt die Stromlücke, die bei einem Ja zum schnellen AKW-Ende entsteht? Die Meinungen sind geteilt.
Dominic Wirth
Bild: Dominic Wirth

Bild: Dominic Wirth

Minus drei Atomkraftwerke, und das auf einen Schlag, im nächsten Jahr schon: Mit diesem Szenario müsste die Schweiz zurechtkommen, wenn das Volk am 27. November Ja sagt zur Atomausstiegs-Initiative der Grünen. Die sieht vor, die Laufzeit der hiesigen AKW auf 45 Jahre zu beschränken. Das wiederum hätte für die Reaktoren von Mühleberg, Beznau I und Beznau II unmittelbare Folgen. Sie alle müssten bereits 2017 vom Netz. 2029, nach der Abschaltung von Leibstadt, dem jüngsten und leistungsstärksten Schweizer AKW, wäre der Atomausstieg dann Tatsache. Der ist zwar auch in der Energiestrategie 2050 des Bundesrates vorgesehen. Aber nicht so schnell. Fixe Abschaltzeiten gibt es keine. Die AKW sollen so lange laufen, wie sie die Atomaufsicht für sicher befindet.

Für die Stromproduktion im Land hätte ein Ja zum raschen Atomausstieg massive Auswirkungen, weil ein wichtiger Pfeiler der Versorgung wegbrechen würde. Nach der Wasserkraft ist die Atomenergie der mit Abstand wichtigste Stromlieferant in der Schweiz. 2015 kamen 33,5 Prozent des hierzulande produzierten Stromes von AKW; im Durchschnitt seit 2006 waren es mit 38 Prozent noch deutlich mehr. Rund ein Drittel des Atomstroms stammt im langjährigen Vergleich aus jenen drei Reaktoren, die bereits 2017 abschalten müssten.

Gegner befürchten einen Mix aus Grau- und Atomstrom

Über die Frage, wie sich diese Lücke in der Stromproduktion füllen lässt, wird im Abstimmungskampf derzeit leidenschaftlich gestritten. Die Gegner der Atomausstiegs-Initiative setzen dabei auf das Dreckstrom-Argument. Christian Wasserfallen, Berner FDP-Nationalrat, verweist auf den 17. August 2015, um die kurzfristige Schweizer Stromzukunft ohne Atomstrom zu skizzieren. «Damals sind alle fünf AKW stillgestanden. Neben der einheimischen Wasserkraft bestand der Strommix an jenem Tag vor allem aus französischem Atom- und deutschem Graustrom», sagt Wasserfallen. In seinen Augen ist die Atomausstiegs-Initiative eine «Stromimport-Initiative», weil es im Inland schlicht an Alternativen fehle. Auch Stefan Müller-Altermatt, Energiepolitiker der CVP, warnt davor, dass der wegfallende Atomstrom keineswegs durch erneuerbaren – also sauberen – Strom ersetzt wür- de. «Viele Schweizer Firmen sind heute schon gezwungen, sich am Preis zu orientieren. Wenn wir den günstigen Atomstrom verlieren, dann passiert auf dem freien Markt vor allem eines: Es kommt noch mehr Dreckstrom ins Land.»

Stromeffizienz für Befürworter ein zentrales Mittel

Jürg Grossen von den Grünliberalen sieht das ganz anders. Der Berner Nationalrat gehört zu einem Wirtschaftskomitee, das sich für den raschen Atomausstieg stark macht. Er sagt, dass es genug erneuerbare Energie gebe, um den durch die Abschaltung von Beznau I und II sowie Mühleberg 2017 wegfallenden Atomstrom zu ersetzen. «Wir müssen gar nichts machen», sagt Grossen, «denn die Investitionen von Schweizer Firmen in Wind- oder Photovoltaikanlagen im In- und Ausland wiegen mehr als auf, was uns an AKW-Strom entgehen würde.» Gegner wie Altermatt-Müller und Wasserfallen wehren sich gegen diese Rechnung und verweisen darauf, dass dieser Strom – etwa aus Windparks in der Nordsee – es physikalisch gar nicht bis in die Schweiz schaffe.

Längerfristig will Grossen neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien auch auf Massnahmen bei der Stromeffizienz und eine Dreckstrom-Abgabe setzen, um den Import von schmutzigem Strom zu begrenzen. «Wer eine Abgabe bezahlen muss, der schaut automatisch, dass er den Strom effizienter nutzt», sagt Grossen, der ein Elektroplanungsbüro führt und im Bereich Stromeffizienz «riesiges Potenzial» ortet.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.