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Der Showdown um Bundesanwalt und Fifa-Boss – das sind die Akteure

Die Affäre um Bundesanwalt Lauber wird immer verzwickter. Das sind einige der wichtigen Akteure im Fall. Ein Überblick.
Henry Habegger

Die Affäre um die ominösen, nicht protokollierten Treffen des Bundesanwalts Michael Lauber mit Fifa-Boss Gianni Infantino spitzt sich zu. Immer mehr Akteure tauchen auf. Jetzt kamen auch noch ein Staranwalt und ein Ständerat ins Spiel. Ein Überblick über wichtige Darsteller im Stück.

  • Michael Lauber, 53, Bundesanwalt. Er ist seit fast acht Jahren im Amt und will sich im September vom Bundesparlament wieder wählen lassen. Obwohl er einst sagte, nach acht Jahren werde er aufhören. Der bankennahe Lauber hatte lange einen guten Ruf bei den meisten Politiken. Aber dann kamen Laubers nicht protokollierte Treffen mit Fifa-Chef Gianni Infantino aus. Zwei der Treffen räumte Lauber gegenüber der AB-BA ein. Aber dann kam ein drittes Treffen ans Licht, an das sich keiner der Beteiligten mehr zu erinnern vermag, obwohl es im Hotel Schweizerhof stattfand und die Bundesanwaltschaft Spesenbelege dazu hat.
  • Michael Lauber. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

    Michael Lauber. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

  • Hanspeter Uster, 61, Präsident der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft AB-BA. Der ehemalige Zuger Regierungsrat der Grünen ist mittlerweile der grosse Gegenspieler Laubers. Für Lauber-nahe Kreise ist Uster ein rotes Tuch, es ist buchstäblich Hass spürbar. Uster hat in der AB-BA durchgesetzt, aufgrund der ominösen Infantino-Treffen ein Disziplinarverfahren gegen den Bundesanwalt zu führen. Das nimmt ihm Lauber sehr übel. Mit Usters Vorgänger Niklaus Oberholzer (SP) verstand sich Lauber bestens.
  • Hanspeter Uster. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

    Hanspeter Uster. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

  • Giorgio Bomio, Bundesstrafrichter, 60, SP. Der Präsident der Beschwerdekammer war Vorsitzender des Spruchkörpers, der zwei Entscheide fällte, die Lauber hart trafen. Gemäss den Entscheiden ist Lauber seit seinem ersten Treffen mit Fifa-Boss Infantino, also seit Frühling 2016, befangen. Seine Handlungsweise habe die Strafprozessordnung verletzt. Lauber schiesst aber jetzt scharf zurück gegen Bomio: Die Bundesanwaltschaft hat ein Ausstandsgesuch gegen den Bundesstrafrichter eingereicht. Lauber will die für ihn fatalen Aussstandsbescheide revidiert haben. Er wirft Bomio Befangenheit vor. Denn angeblich sagte Bomio einige Tage vor dem Urteil zu SP-Ständerat Claude Janiak (BL), Lauber sei nicht wiederwählbar. Jankiak schrieb darauf ein E-Mail an Lauber und berichtete ihm dies.
  • Claude Janiak, 70, Ständerat SP (BL). Hat sich in die Affäre eingeschaltet, indem er Lauber eine angeblich unangemessene Aussage des Richters Bomio zur Kenntnis brachte. Aufgrund dieser Mitteilung wirft Lauber dem Richter nun vor, er sei befangen. Janiak gibt an, er kenne Lauber von der Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) des Parlaments her, die er derzeit präsidiert. Janiak hatte aber früher schon einen Vorstoss eingereicht, der ein Anliegen Laubers aufnahm – die Kronzeugenregelung in der Terrorbekämpfung.
Claude Janiak. (Bild: KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Claude Janiak. (Bild: KEYSTONE/Alessandro della Valle)

  • Lorenz Erni, 68, Strafverteidiger. Er gilt als einer der besten Strafverteidiger im Land. Er verteidigte Leute wie Bankier Oskar Holenweger, den Russen-Oligarchen Viktor Vekselberg, den Regisseur Roman Polanski oder Raiffeisen-Boss Pierin Vinzenz. Jetzt hat laut Tages-Anzeiger auch Lauber den Mann engagiert. Pikant ist, dass Erni auch der Strafverteidiger von Josef Blatter ist, dem Infantino-Vorgänger, gegen die BA ermittelt. Erni und Lauber kennen sich gut, Erni soll einer der Anwälte sein, die direkten Zugang zum Bundesanwalt haben. «Helfe dem Bundesanwalt, und der Bundesanwalt hilft dir», sagt ein Strafverteidiger. Er bemerkt: Indem Lauber jetzt Erni engagiere, «kann er sich in aller Ruhe mit dem Verteidiger Blatters unterhalten.» Ob Lauber den Anwalt Erni selbst zahlt oder die Bundesanwaltschaft, wollte Laubers Mediendienst auf Anfrage nicht sagen.
Lorenz Erni. (Bild: Reuters)

Lorenz Erni. (Bild: Reuters)

  • Peter Hänni, Professor. Der pensionierte Staats- und Verwaltungsrechtler aus Murten führt zusammen mit zwei Anwälten die Disziplinaruntersuchung gegen Michael Lauber. Der Auftrag, den die Aufsichtsbehörde AB-BA unter Hanspeter Uster erteilte: «Mit der Disziplinaruntersuchung sollen das Aussageverhalten des Bundesanwalts gegenüber der AB-BA sowie seine Handlungen innerhalb des FIFA-Verfahrenskomplexes disziplinarrechtlich geklärt werden. » Wie lange Hännis Untersuchung dauert, ist offen. Die AB-BA wird nach Abschluss entscheiden, ob sie Disziplinarmassnahmen gegen Lauber verfügt.
Peter Hänni. (Bildquelle: Freiburger Nachrichten)

Peter Hänni. (Bildquelle: Freiburger Nachrichten)

  • Gianni Infantino, 49, Fifa-Chef. Auch seine Rolle ist unklar. Die Fifa ist Privatklägerin in Verfahren, die die Bundesanwaltschaft gegen ehemalige Fifa-Funktionäre führt. Zwar behauptet die Bundesanwaltschaft, dass es bei den ominösen Treffen mit Infantino um Koordinationsfragen ging. Aber warum fanden sie dann ausserhalb der Büros der Beteiligten im Berner Nobelhotel Schweizerhof und anderen Restaurants statt? Das Interesse Infantinos an den Treffen mit Lauber ist unklar. Einige sagen, er habe den Kontakt zum Bundesanwalt gesucht, um sich mit ihm gut zu stellen und über Verfahren auf dem Laufenden zu sein. Infantino musste lange befürchten, dass er auch ins Visier der Justiz kam: Er war früher lange Uefa-Spitzenmann, und die Bundesanwaltschaft ermittelte auch im Uefa-Zusammenhang. Umgekehrt sagen Insider, dass Infantino Lauber in der Hand habe: Er könne jederzeit sagen: «Lauber lügt», da er ja wisse, was an den ominösen Treffen wirklich besprochen worden war. Das mache Lauber erpressbar.
Gianni Infantino, hier mit Donald Trump. (Bild: EPA/MICHAEL REYNOLDS)

Gianni Infantino, hier mit Donald Trump. (Bild: EPA/MICHAEL REYNOLDS)

  • Sepp Blatter, 83, ehemaliger Fifa-Chef. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen ihn seit Jahren unter anderem wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsführung. Was die Sache nicht verständlicher macht: Gleichzeitig hat Blatters Strafverteidiger Lorenz Erni ein sehr gutes Verhältnis zu Bundesanwalt Lauber. Erni ist jetzt sogar Laubers Anwalt.
Sepp Blatter. (Bild: AP Photo/Christophe Ena)

Sepp Blatter. (Bild: AP Photo/Christophe Ena)

  • Rinaldo Arnold, Walliser Oberstaatsanwalt. Arnold ist ein Schulfreund von Infantino, über ihn soll der erste Kontakt zwischen Lauber und dem Fifa-Boss zustande gekommen sein. Auch spätere Treffen liefen über ihn. Was Arnold genau bei den Treffen zu suchen hatte, ist unklar. Er war angeblich als Freund von Infantino dort. Sicher ist, dass Arnold vom Fifa-Boss Geschenke im Wert von etwa 20‘000 Franken erhielt. Das hatte eine Untersuchung ergeben, die der Kanton Wallis gegen Arnold durchführte. Strafbar war das aber angeblich nicht.
Rinaldo Arnold (stehend), hier mit Gianni Infantino. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Rinaldo Arnold (stehend), hier mit Gianni Infantino. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

  • André Marty, 53, Informationschef von Lauber. Der ehemalige TV-Mann gilt innerhalb der Bundesanwaltschaft als der engste Vertraute von Lauber. Er war an zwei der drei ominösen Treffen von Lauber mit Infantino dabei. An das dritte Treffen kann aber auch er sich angeblich nicht mehr erinnern. Wie sein Chef Lauber. Das Problem für das Duo: Das glaubt den beiden keiner. Zuletzt ist Marty von der Bildfläche verschwunden.
André Marty. (Bild: KEYSTONE/Peter Schneider)

André Marty. (Bild: KEYSTONE/Peter Schneider)

  • Jean-Paul Gschwind, 66, Präsident der Gerichtskommission des Parlaments. Der CVP-Nationalrat aus dem Kanton Jura leitet die Kommission, die die allfällige Wiederwahl von Lauber vorbereitet. Sie soll im September stattfinden, und die Kommission muss entscheiden, ob sie Lauber nochmals zur Wahl vorschlägt oder nicht. Die Aufgabe der Geschwind-Kommission ist schwierig, da die jetzt anlaufende Disziplinaruntersuchung im September kaum abgeschlossen sein wird. Was also macht die Kommission: Verschiebt sie die Wahl auf die Wintersession oder zieht sie durch, auch wenn nicht alle Fakten auf dem Tisch liegen? Sicher ist, dass Laubers Amtszeit Ende Jahr abläuft. Und sicher ist auch, dass sich der Bundesanwalt mit den öffentlich vorgetragenen Angriffen auf die Institutionen, zuletzt auf das Bundesstrafgericht, keine neuen Freunde schafft. Und viele hat er nicht mehr im Bundeshaus.
Jean-Paul Gschwind. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Jean-Paul Gschwind. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

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