Der seltsame Autoren-Vertrag von Bundesanwalt Michael Lauber

Bundesanwalt Michael Lauber lässt ein Buch schreiben - über die Bundesanwaltschaft. Jetzt zeigen Recherchen: Der Autor erhält angeblich kein Honorar. Dafür einen Dienstwagen.

Henry Habegger
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Bundesanwalt Michael Lauber 2018 nach einer Pressekonferenz in Bern.

Bundesanwalt Michael Lauber 2018 nach einer Pressekonferenz in Bern. 

Peter Schneider, KEYSTONE

Seit etwa vier Jahren ist die Bundesanwaltschaft unter ihrem umstrittenen Chef Michael Lauber an einem Buchprojekt. Im Juni 2016 bestätigte die Behörde auf Anfrage noch Ein ehemaliger Mitarbeiter sei beauftragt worden, «ein Buch über die BA zu schreiben, welches der geschichtlichen Entwicklung gewidmet sein wird sowie die Mechanismen der BA von den Anfängen bis heute darlegen wird.»

Seither ist offiziell nichts mehr über das Buch zu erfahren. Eigentlich hätte es im Sommer 2019 veröffentlicht werden sollen. Aber das geschah nicht. Laubers Pressestelle erklärt einzig, das Buch sei «weiterhin in Bearbeitung». Weiter gehende Auskünfte verweigert sie. Selbst den Namen des Autors will sie nicht preisgeben.

So musste CH Media die Bürokratie bemühen, genauer gesagt das Öffentlichkeitsgesetz. Dieses verpflichtet Behörden wie die Bundesanwaltschaft, der Öffentlichkeit Zugang zu Informationen und Dokumenten der Verwaltung zu gewähren. Der Rechtsdienst der Bundesanwaltschaft förderte einen «Dienstleistungsvertrag» zutage, der zwischen Bundesanwalt Lauber und dem Autor des geplanten Buches, Jürg Blaser, abgeschlossen wurde.

Blaser arbeitete bis zu seiner Pensionierung vor einigen Jahren jahrzehntelang für die Bundesanwaltschaft. Unter anderem als Chefjurist.

Der Vertrag enthält einige Überraschungen. So datiert er vom Februar 2018 und trat rückwirkend auf Anfang 2017 in Kraft. Er entstand also erst etwa zwei Jahre, nachdem das Buchprojekt in Angriff genommen wurde. Es sieht so aus, als wäre der Vertrag nur entstanden, weil ein Journalist Fragen stellte.

Angeblich kein Honorar, aber einen Dienstwagen

Autor Blaser arbeitet gemäss diesem seltsamen Vertrag gratis. Oder fast, denn in der Vereinbarung steht: «Der Auftragnehmer erbringt die vertraglichen Leistungen zum Pauschalbetrag von CHF 1.—(exkl. MWSt).» Dafür kann der Autor die Einrichtungen der Bundesanwaltschaft nutzen: «Die Infrastruktur, inklusive Dienstwagen, der Bundesanwaltschaft kann vom Auftragnehmer genutzt werden. Die Auftraggeberin stellt dem Auftragnehmer einen Arbeitsplatz zur Verfügung.»

Gegen Nachweis kann Blaser auch Spesen verrechnen. Was bisher laut Rechtsdienst der Bundesanwaltschaft nicht geschah.

Verstösst der Autor gegen Auflagen, beispielsweise Geheimhaltungspflichten, «so schuldet er eine Konventionalstrafe», steht im Vertrag, mit Verweis auf die entsprechenden Regelungen des Bundes. Demnach «beträgt diese Strafe je Verletzungsfall 10 % der gesamten Vergütung». Das wären dann maximal 10 Rappen.

Gratis-Autor hat Mandat der BA

Wie Bundesanwaltschaft auf Anfrage bestätigt, ist Blaser, neben der Arbeit am Buch, auch im Mandat für Lauber tätig. Wie diese Arbeit bezahlt ist und wie die Abgrenzung der zwei Tätigkeiten erfolgt, wollte die BA nicht sagen. Sie hielt einzig fest: Die Leistungserbringung ist auf der Basis rechtskonformer Verträge geregelt. Weitere Angaben macht die BA zurzeit nicht.»

Ob und wann das Buch erscheinen soll, ist unklar. Die Bundesanwaltschaft will sich zu derlei Fragen nicht äussern.