Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Ueli Maurer, der Seelendoktor der kriselnden SVP

Es ist Wahljahr und die grösste Partei steckt in der Krise. Ueli Maurer, als Parteipräsident einst siegesgewohnt, soll helfen.
Henry Habegger
Sein Gewicht in der SVP hat zugenommen: Bundespräsident Ueli Maurer. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Sein Gewicht in der SVP hat zugenommen: Bundespräsident Ueli Maurer. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

SVP-Präsident Albert Rösti war da, Fraktionschef Thomas Aeschi auch. Aber der unbestrittene Mittelpunkt und Patron war ein anderer: Ueli Maurer, Bundespräsident und Finanzminister. Der ehemalige Parteichef nahm am Mittwoch vom Anfang bis zum Schluss teil am Ausflug der SVP-Bundeshausfraktion – in Lenzburg, auf dem Hallwiler-See, am Abend in der Altstadt von Zofingen.

Bestenfalls eine Fussnote in der Geschichte dieses Tages war der Aargauer Nationalrat Andreas Glarner, der mit seinem Facebook-Pranger gegen eine junge Zürcher Lehrerin tagelang die Medien beherrscht hatte. Darüber sprach keiner gern an diesem Tag. «Peanuts» waren das bloss für den Solothurner Nationalrat Walter Wobmann. Es gehe im Wahljahr um die «grossen Sachen». Themen wie Rahmenabkommen, Zuwanderung, Islamisierung.

Eine andere «grosse Sache» sind die Klimastreiks. Die grüne Welle gibt in der SVP zu denken, sie hängt wie eine schwarze Wolke über der Sünneli-Partei und verdunkelt die Gemüter. Die Aussichten sind nicht rosig. Obwohl viele der Ansicht sind, dass die SVP viel für Umwelt- und Klimaschutz tue, dies aber von Medien und Öffentlichkeit ignoriert werde. «Wenn einer grün ist, dann ich», lacht irgendwann Parteipräsident Albert Rösti. Nur als Scherz ist das nicht gemeint: Der Berner ist Ingenieur-Agronom, er präsidiert den Wasserwirtschaftsverband, er setzt sich auch für Wasserstofftechnologie ein.

Einer, der ob der Prognosen nervös sein müsste, ist Adrian Amstutz, Wahlkampfleiter der SVP. Aber der Politveteran hat eine simple Gewissheit, auf die er sich stützen kann: «Wir werden diese Wahlen gewinnen.» Die SVP werde auch im kommenden Herbst die wählerstärkste Partei sein, so Amstutz, also werde sie die Wahlsiegerin sein. So einfach ist das.

«Es geht um die Schweiz»

Auf dem Schiff hielt Ueli Maurer eine kurze Rede aus dem Stegreif, seine simple Botschaft klang wie eine Durchhalteparole. «Es geht immer um die Schweiz. Die Schweiz ist unser Erbe, das wir erhalten und weitergeben wollen.» Es gebe verschiedene Bilder von dieser Schweiz, «aber das Bild, das wir haben», das bodenständige Bild, werde von vielen geteilt. «Sehr viele Leute wollen einfach in Frieden und Wohlstand leben», mit dieser Botschaft habe die Partei seit 100 Jahren Erfolg. «Die Leute wollen nicht etwas ganz Verrücktes, sie wollen Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit.»

Maurer, der Seelendoktor der SVP. Er war da an diesem Tag, wie auch sein Bundesratskollege Guy Parmelin, nur länger. Es fehlten dagegen die «Millionarios», wie sie von einigen genannt werden: Magdalena Martullo-Blocher, die stattdessen ihren Assistenten schickte, Roger Köppel und Banker und Parteifinancier Thomas Matter. Manchem Parteigänger fiel das auf, gut kommt das nicht an, aber einer sagte: Das sei man sich ja mittlerweile gewohnt. Einige der aktuellen Parteigrössen begäben sich, im Gegensatz etwa zu Christoph Blocher früher, nicht gern in derartige Niederungen. Da loben sie sich Maurer. Der kommt immer, wenn es irgendwie möglich ist, unkompliziert und ohne Allüren, man kann ihn um Rat fragen, das rechnet man ihm hoch an. Was machte man ohne ihn?

Maurer will noch nicht gehen

Auf die Frage, ob er Ende Jahr als Bundesrat aufhöre, beteuert Maurer im Gespräch: Er denke nicht daran, und wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkomme, möchte er noch einmal vier Jahre, eine ganze Legislatur als Bundesrat anhängen. Und er sagt auf die Frage, ob er denn nicht der Unternehmerin Martullo-Blocher Platz machen wolle: Sie wolle gar nicht Bundesrätin werden. Und auf die Frage, ob er denn nicht seiner etwas angeschlagenen Partei den Gefallen machen wolle, im Wahlherbst medienwirksam den Rücktritt zu erklären, sagte der Bundespräsident: Es gebe im Gegenteil viele Leute, die ihn ermunterten, zu bleiben. Man glaubt ihm das. Der Finanzminister weiss um seine Bedeutung in der SVP, gerade jetzt, wo die Aussichten weniger rosig sind. Und wo andere verschwinden, wenn es brenzlig wird.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.