Baselworld 2017

Der schöne Glanz erleidet Schaden: Messestart mit 200 Ausstellern weniger

Heute Donnerstag öffnet in Basel die Uhren- und Schmuckmesse ihre Pforten. Sie beginnt unter schlechten Vorzeichen: Der Rückgang der Schweizer Uhrenexporte hat sich verschärft.

Stefan Schuppli
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Die angespannte Lage der Uhren- und Schmuckbranche geht auch an der Baselworld nicht spurlos vorbei, die Messe zählt in diesem Jahr 200 Aussteller weniger.

Die angespannte Lage der Uhren- und Schmuckbranche geht auch an der Baselworld nicht spurlos vorbei, die Messe zählt in diesem Jahr 200 Aussteller weniger.

Kenneth Nars

Acht Tage Glitzer und Glamour in Basel. Elegante Menschen, meist in Dunkelblau oder Schwarz gekleidet, bevölkern die Innenstadt – die Baselworld beginnt. Doch die wichtigste Messe der Welt für Uhren- und Schmuck-Profis wird den Dämpfer in der Branche ohne Zweifel spüren.

Neue Hiobsbotschaft

Am Dienstag kam die jüngste Hiobsbotschaft: Die Schweizer Uhrenexporte sind im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10 Prozent eingebrochen – es ist dies der 20. Monat in Folge mit einem Rückgang.

Besonders betroffen ist der zweitgrösste Exportmarkt, die USA, mit einem Taucher von 26,2 Prozent im Vergleich zum Februar, wie die Zahlen des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) zeigen. Auch der Schmuckbereich ist unter Druck.

René Kamm, Chef der Messebetreiberin MCH Group, sagte an der Medienkonferenz, dass die beiden vergangenen Jahre tatsächlich schwierig waren. «Aber die Branche zeigt hohe Leidenschaft und Widerstandskraft.»

François Thiébaud, Präsident der Schweizer Aussteller, relativierte den Rückgang, weil sich die Branche heute auf dem Niveau des Jahres 2011 befindet. «Und das war ein ausgesprochen starkes Jahr», sagte er.

Andere Industriefachleute wollen bereits Anzeichen der Erholung ausmachen. Die Exporte nach China, der drittwichtigste Markt der Branche, haben um 6,7 Prozent zugenommen. Diese konnten das Minus nur teilweise eindämmen. Im Januar hatte sich die Einbusse noch auf 6,2 Prozent beschränkt.

Interessant: Vor exakt einem Jahr, als die Branche ins Negative drehte, wurde ganz ähnlich argumentiert: Es geht bald wieder aufwärts. Doch es ging abwärts – im dreifachen Tempo.

Die angespannte Lage der Uhren- und Schmuckbranche geht auch an der Baselworld, die in diesem Jahr anstatt 1500 nur 1300 Aussteller zählt, nicht spurlos vorbei. Der Rückgang sei allerdings auch eine Folge der Schliessung eines Teils der Messe, der Halle 4.U, sagt Messeleiterin Sylvie Ritter im Interview.

Dort hatten Kleinstfirmen im Schmuckbereich ausgestellt, die ein «Einstiegsangebot» erhielten. Das dortige Konzept habe sich nicht bewährt, da es nicht zur Baselworld gepasst habe, sagt Ritter. «Vor rund 15 Jahren hatten wir noch 2500 Aussteller. Wir waren seitdem bestrebt, die Zahl zu reduzieren. Wir wollten die Besten und wichtigsten in jedem Sektor.»

Intransparente Standvergabe

«Die Messe musste immer wieder neu erfunden werden, sagt Ritter. Aber genau das war unser Erfolgsrezept. Und da werden wir auch weitermachen.» Einige Firmen sind vom Markt verschwunden und sind nicht mehr an der Baselworld erschienen. Einige potenzielle Aussteller seien auch abgewiesen worden. Welches die Kriterien für eine Aufnahme oder eine Ablehnung sind, wollte die Messeleitung nicht preisgeben.

Die Frage, ob die Messe mit ihren exorbitant hohen Standpreisen übertrieben habe, wurde nicht direkt beantwortet. Nur ein Beispiel: an der Newcomer-Messe Design Lab für innovatives Design muss der Mieter, oft ein Goldschmied, für einen kleinen Tisch für acht Tage ganze 10'000 Franken hinblättern.

Ein grosses Thema sind die «connected watches», Uhren mit Internetfunktionen. Immer mehr Schweizer Hersteller bemühen sich um diesen Markt. Weil sie aber niemals ein so grosses Verkaufs- und Marketingnetz haben wie etwa Apple, sind sie diesbezüglich im Nachteil.
Heute wird die Messe offiziell eröffnet.