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Weiterbildung statt nationaler Streik: Der neue bürgerliche Feminismus

Die FDP- und CVP-Frauen verzichten auf eine Teilnahme am nationalen Frauenstreik vom 14. Juni. Sie organisieren ein alternatives Programm – mit Viola Amherd und Karin Keller-Sutter.
Othmar von Matt
Die Bundesrätinnen Viola Amherd und Karin Keller-Sutter werden sich an diversen Anlässen für Frauen einsetzen. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 5. Dezember 2018))

Die Bundesrätinnen Viola Amherd und Karin Keller-Sutter werden sich an diversen Anlässen für Frauen einsetzen. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 5. Dezember 2018))

Angeführt von Emilie Lieberherr forderten 5000 Frauen am 1. März 1969 die Einführung des Frauenstimmrechts. 22 Jahre später, am 14. Juni 1991, nahmen fast 500'000 Frauen am ersten Frauenstreik teil. Wieder 28 Jahre später – auch am 14. Juni – rufen gewerkschaftlich-feministische Kreise zum zweiten Frauenstreik auf. Der Gewerkschaftsbund stimmte ihm im November zu.

Der Streik findet aber ohne die bürgerlichen Frauen von FDP und CVP statt. «Für die Einführung des Frauenstimmrechts brauchte es einen Streik. Davor habe ich höchsten Respekt», sagt Doris Fiala, Präsidentin der FDP-Frauen. «Doch inzwischen haben wir die ‹göttliche Ordnung› überwunden.» Fiala spielt auf den Film an, der den langen Weg der Schweiz bis zum Frauenstimmrecht aufzeigt. «Heute braucht es noch immer aktive Frauenförderung und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie», sagt Fiala. «Wir identifizieren uns aber nicht mit den Gilets jaunes oder der Gewerkschaft Unia.»

Überparteiliche Podiumsgespräche

Ähnlich sieht es bei den CVP-Frauen aus. «Wir sehen ein, dass es für viele Frauen ein Bedürfnis ist, auf die Strasse zu gehen und zu streiken», sagt Präsidentin Babette Sigg. «Für viele bürgerliche Frauen ist dies aber kein gangbarer Weg, sie leben die Streik- und Demonstrationskultur nicht.» Sigg sagt, sie rate den CVP-Frauen, am Streiktag Sichtbarkeit zu markieren. Auftritte in der Farbe Orange seien eine Möglichkeit dafür. FDP und CVP setzen auf ein Alternativprogramm – mit den Bundesrätinnen Viola Amherd (CVP) und Karin Keller-Sutter (FDP) und mit thematischen Weiterbildungsschwerpunkten, eine Art neuer bürgerlicher Feminismus. Unter dem Motto «Frauen für die Sicherheit, Sicherheit für die Frauen» planen die Frauengruppen beider Parteien im August überparteiliche Podiumsgespräche in Zürich und im Oberwallis mit Verteidigungsministerin Amherd. «Sie braucht mehr Frauen für die Sicherheit der Armee», sagt Fiala. «Und die Frauen brauchen mehr Sicherheit für sich selbst. Dafür ist auch permanente Weiterbildung wichtig. Sie sollen nicht in die Armutsfalle tappen, wenn der Partner stirbt oder wenn es zu einer Trennung kommt.» Sigg betont, die CVP-Frauen arbeiteten gerne punktuell mit den FDP-Frauen zusammen. Vorgesehen ist zudem, dass Justizministerin Karin Keller-Sutter (FDP) im September überparteilich Kandidatinnen aus allen Lagern empfängt.

«Wir wollen mit solchen Weiterbildungen Frauen motivieren und befähigen, Ämter auszuüben», sagt Fiala. «Damit leisten wir heute mehr für die Sache der Frau als mit einem Streik. Oder wenn Jungsozialistinnen Büstenhalter verbrennen.» Es sei Zeit, mit dem Mythos aufzuräumen, «dass alles gleichzeitig zu schaffen ist – Karriere, Familie und Politik», sagt Fiala. «Viele bürgerliche Frauen haben Ohnmachtsgefühle.» Linke Frauen mit Kindern seien öfter Berufspolitikerinnen, gingen keiner Berufstätigkeit nach, was die politische Karriere erleichtere. Bürgerliche Frauen hingegen scheiterten oft am Milizsystem. «Es stösst an Grenzen, das muss thematisiert werden.»

SP-Bundesrätin am Streik?

Sowohl Viola Amherd wie Karin Keller-Sutter planen keine Auftritte am Frauenstreik. Das bestätigen ihre Medienstellen. «Bundesrätin Keller-Sutter ist es aber wichtig, dass Frauenkarrieren gefördert werden», sagt Medienchef Guido Balmer. Und wie sieht es mit SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga aus? «Es ist noch offen, in welcher Form sie am Frauenstreik teilnimmt», sagt Sprecherin Géraldine Eicher, «nachdem sie 1991 bereits dabei war.»

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