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Der Netzwerker aus dem Tessin

Ständerat Filippo Lombardi wird am Montag zum Präsidenten der kleinen Kammer gewählt. Es ist der Höhepunkt einer politischen Karriere, die vor Jahren am Ende schien.
Filippo Lombardi wird am nächsten Montag zum Ständeratspräsidenten gewählt. (Bild: Keystone)

Filippo Lombardi wird am nächsten Montag zum Ständeratspräsidenten gewählt. (Bild: Keystone)

Ständerat Filippo Lombardi wird am Montag zum Präsidenten der kleinen Kammer gewählt. Es ist der Höhepunkt einer politischen Karriere, die vor Jahren am Ende schien.

Die Überraschung war gross, als die Tessiner CVP 1999 Filippo Lombardi als Ständeratskandidaten aus dem Hut zauberte. Denn Lombardi war als Journalist ein politischer Quereinsteiger. Konnte das gutgehen? Inzwischen hat der 56jährige Verwaltungsratsdelegierte des privaten TV-Senders Teleticino und Präsident der Medienholding TImedia bereits drei Legislaturperioden absolviert. Bei den nationalen Wahlen im Herbst 2011 wurde er mit einem historischen Glanzresultat bestätigt. «Pippo», so sein Spitzname, wurde von den Tessiner Medien als Superstar gefeiert.

Populär im Heimatkanton

Tatsächlich ist der Popularitätsgrad von Lombardi in seinem Heimatkanton sehr hoch. Und fraglos ist er momentan der einflussreichste und bekannteste Tessiner Politiker in Bundesbern: eloquent, mehrsprachig, bestens vernetzt, aktiv in etlichen parlamentarischen Kommissionen und omnipräsent an Events und in den Medien. Als sich der Bundesrat Ende Juni für den Bau einer zweiten Röhre des Gotthardstrassentunnels aussprach, waren sich die politischen Beobachter einig, dass dieser Entscheid vor allem auf das gezielte Lobbying von Lombardi zurückging. Ob Italianità, Strassenbau, Alptransit oder Grenzgängerfragen: Lombardi kämpft an allen Fronten für seinen Kanton. Mit der Wahl zum Präsidenten des Ständerats krönt er nun seine politische Karriere. Immerhin 25 Jahre ist es her, seit diese Ehre letztmals mit Franco Masoni (FDP) einem Standesvertreter aus dem Tessin zuteil wurde. Doch nicht immer konnte sich Filippo Lombardi im Erfolg sonnen. Im Jahr 2008 schien seine politische Karriere sogar an ein Ende gekommen zu sein, als er sich vor dem Einzelrichter in Bellinzona wegen wiederholter Verkehrsdelikte wie Trunkenheit am Steuer verantworten musste. Auch ein Skandal um gefälschte Auflagezahlen beim katholischen «Giornale del Popolo», dessen Chefredaktor er war, lastete auf ihm.

Präsident des Eishockeyclubs Ambrì

Er konnte seinen Hals nur in letzter Minute aus der Schlinge ziehen, weil er lediglich eine Geldstrafe erhielt. Der Öffentlichkeit versprach er, sich vorläufig nicht mehr ans Steuer zu setzen. Inzwischen fährt er aber wieder Auto. Der öffentliche Druck auf Lombardi war damals gross, er zog sich für eine Kur sogar ganz zurück. Bei den Wahlen von 2007 musste er um seinen Sitz bangen. Daher bildete sich ein spontanes Komitee für seine Wiederwahl, dem auch Exponenten der Lega und des Freisinns angehörten.

Lombardi sitzt in etlichen Verwaltungsräten und Stiftungen ein, die Liste seiner Interessenbindungen ist lang. Die Mandate reichen von der Elektrizitätsgesellschaft Sopracenerina über die Auslandschweizer-Organisation bis zum Freilichtmuseum Ballenberg. Doch ein Mandat bezeichnet er selbst als besonders wichtig: Seit Anfang 2009 ist er Präsident des legendären Eishockeyclubs Ambrì-Piotta. Für den dauerkriselnden Club konnte er inzwischen den ägyptischen Investor Samih Sawiris als Geldgeber gewinnen. Im Tessin zählt dies wohl mehr als die Präsidentschaft im Ständerat.

Gerhard Lob

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