Der Nasenkönig stösst seine Villa ab

Schönheitschirurg Der deutsche Promiarzt Werner Mang will seine Schweizer Klinik in Rorschacherberg anscheinend aufgeben. Das Villengrundstück mit Garten und Bootshaus ist zum Verkauf ausgeschrieben. Vorläufig ungeklärt bleibt die Frage des Seeuferwegs.

Marcel Elsener
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Den Preis erfahren nur ernsthafte Kaufinteressenten: Werner Mangs Anwesen in Rorschacherberg. (Bild: Ralph Ribi)

Den Preis erfahren nur ernsthafte Kaufinteressenten: Werner Mangs Anwesen in Rorschacherberg. (Bild: Ralph Ribi)

«High Society willkommen» heisst es in der Anzeige der internationalen Immobilienfirma Engel & Völkers. Die angepriesene 14-Zimmer-Villa in der «Rorschacher Bodenseeregion» mit «top» Zustand und Lage kommt fürs gemeine Volk nicht in Frage: Allein die Wohnfläche beträgt 720 Quadratmeter, das gesamte Grundstück 6400 Quadratmeter. Zur Ausstattung gehören laut Angaben edle Materialien und Besonderheiten wie Whirlpool, Sauna, Fitnessraum, aber auch Aufzug, Alarmanlage, Jagdzimmer mit Weinkeller, fünf Garagen- sowie neun Autoabstellplätze und ein Heli­kopterlandeplatz. Die Jugendstilvilla sei 2008 aufwendig kernsaniert worden; als Highlights erwähnt werden das «250 Meter lange Seeufer» und der «grandiose Ausblick über den Bodensee».

Mang sondiert seit Jahren und nährt Spekulationen

Der Besitzer des «einmaligen Villen-Ensembles mit Gartenpark», das in einem virtuellen Foto-Rundgang zu bestaunen ist, wird in der Anzeige freilich nicht genannt. Doch gilt sie dem Grundstück des prominenten Schönheitschirurgen Werner Mang, der 2008 auf dem Neuseeland genannten Seeuferabschnitt zwischen Rorschach und Staad seine «Mangklinik Swiss» eröffnete.

Dies verdeutlicht ein erklärender Text: «Es handelt sich um eine exklusive Jugendstilvilla, ein zweites Wohnhaus, welches als Privatklinik genutzt wurde, und ein sehr grosses Seeufergrundstück am Schweizer Bodenseeufer mit malerischem Ambiente. Die moderne Gartenanlage wurde vom Designarchitekten Enea geplant und mit über 1000 Pflanzen bestückt. Das aufwendig restaurierte Bootshaus, der private Badesteg bzw. die Schiffsanlegestelle und der eigene Naturstrand laden zum Baden und zu Wassersportaktivitäten ein.»

Die Ausstattungsdetails verweisen auf die kostspieligen Hobbies des schillernden Starchirurgen, der als «König der Nasen» oder «Faltenterminator» («Der Spiegel») berühmt und reich geworden ist – Hobbies wie Rennboote, Oldtimerautos oder Helikopterfliegen. Beim Ortstermin der «Schweizer Illustrierten» 2009 standen in Mangs Garage Boliden wie ein Rolls Royce Corniche, Porsche 356 B, Aston Martin, Lamborghini Gallardo sowie diverse Ferraris.

Preis der Villa nicht bekannt

Wie viele Millionen Franken für das Ensemble aufzuwerfen sind, bleibt Spekulation: Genauere Informationen und Preisvorstellungen bedingen ernsthaftes Kaufinteresse und einen Termin beim Makler. Die Ausschreibung bestätigt, was in der Region seit längerem gemunkelt wird: Schon 2015 sondierte Mang mögliche Käufer für sein Rorschacherberger Grundstück, damals diskret via den Bregenzer Ludwig Nemeth (König Immobilienmakler). Offiziell mochte das niemand bestätigen, Anfragen beim Professor in seiner Bodenseeklinik in Lindau wurden unwirsch zurückgewiesen.

Unsere Fragen zur aktuellen Ausschreibung durch Engel & Völkers, veröffentlicht auf Online-Portalen oder in Medienbeilagen wie jüngst im Liechtensteiner «Vaterland», sind seitens von Mangs Pressestelle bislang ebenfalls unbeantwortet geblieben. So lässt sich nur vermuten, ob der inzwischen 68-jährige Mang seine Schweizer Klinik aus Altersgründen aufgibt und wie ernsthaft die Verkaufsabsichten sind. So sehr der «Nasenkönig» und seine Gattin Sybille das Grundstück schätzen, so sehr ärgern sie sich bekanntlich über die Pläne für einen Seeuferweg, für den derzeit neue Varianten erarbeitet werden (siehe Zweittext).

Mang stieg in der Schweiz via Appenzell ein: Ab 1994 war er am dortigen Spital tätig, bis heute hat er dort seinen ersten Schweizer Wohnsitz und ist auch eingebürgert worden.

Rorschacherberg verliert sehr guten Steuerzahler

Als Mang sich 2004 für eine eigene Schweizer Klinik entschied, fiel die Wahl schnell auf Rorschacherberg. Bei der Klinikeröffnung 2009 schwärmte er von «einem der schönsten Flecken der Erde» und verdankte die «unbürokratische» Unterstützung der Behörden.

Seither verschönerte er dort tageweise Nasen, Busen oder andere Körperpartien für Schweizer, aber auch ausländische Patientinnen und Patienten (etwa aus Spanien, Saudi-Arabien, Russland) und bot zur Erholung das frühere Parkhotel Wald­au an (inzwischen ein Mehrfamilienhaus im Besitz der Mang-Gruppe).

Über die Gründe der Verkaufsbemühungen und die Strategie des prominenten Grundstückbesitzers kann Gemeindepräsident Beat Hirs nur mutmassen. «Vieles ist möglich», sagt Hirs. Der Zeitpunkt für einen Verkauf sei aufgrund des «Seeuferwegrisikos» respektive der ungeklärten Uferwegfrage «nicht ideal».

Falls Mang seine Klinik aufgibt, verliert Rorschacherberg einen sehr guten Steuerzahler: Zwar nicht sein Vermögen, aber das Einkommen seiner Schweizer Klinik versteuert der Schönheitschirurg im Kanton St.Gallen. Wie gut das Geschäft zuletzt lief, ist allerdings unklar: Zwischen St.Gallen und Appenzell Innerrhoden sind noch Verhandlungen über die Aufteilung von Mangs Steuern der letzten drei Jahre im Gang.