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Der Mann mit dem Sinn fürs Publikum

Der 32jährige St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann ist ein Meister des Politmarketings. Das soll auch auf die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) abfärben. Der erste Coup des neuen Auns-Chefs: Er holt Ukip-Leader Nigel Farage in die Schweiz.
Denise Lachat
Lukas Reimann spricht als neugewählter Präsident der Auns vor vollen Reihen. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Lukas Reimann spricht als neugewählter Präsident der Auns vor vollen Reihen. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

BERN. «Und, was schreiben Sie jetzt?», fragt Lukas Reimann nach zwei Stunden Porträtgespräch. Er fragt mit einem Lachen, aber ein wenig Misstrauen schwingt mit, seit ihn die «NZZ am Sonntag» als Verschwörungstheoretiker bezeichnet hat. Reimann wehrt sich: Er verlange bloss mehr Transparenz über die Bilderberger-Konferenz, dieses geheime Treffen der Reichen und Mächtigen. «Wenn unsere Bundesräte daran teilnehmen, dann sind sie uns Rechenschaft schuldig.» Allerdings beliess es Reimann nicht bei der Rechenschaftsforderung, sondern trat mit anderen SVP-Exponenten an einer Gegenveranstaltung zum Bilderberger-Treffen vom Juni 2011 in St. Moritz auf. Organisiert hatte es der Österreicher Manfred Petritsch, ein bekannter Meinungsführer jener, die den Anschlag vom 11. September auf die Twin Towers für ein Komplott der US-Regierung halten. Reimann referierte in St. Moritz über die Unabhängigkeit der Schweiz. Auf weitere Fragen ist er nicht erpicht: «Mehr sage ich zu dem Thema nicht.»

Früh über die EU genervt

Zweifellos wäre ihm am liebsten ein Porträt, wie es das Magazin des «Sonntags-Blicks» gebracht hat. Reimann schickt am Abend «mit freundlichen Grüssen» den Link zur «Blick»-Geschichte per Mail nach. Unter dem Titel «Jass und Jazz» wird der «Jungstar aus der Ostschweiz» vorgestellt: Ja, Reimann jasst, wie es sich für einen bodenständigen SVPler gehört, doch er zieht den Jazz der Volksmusik vor. Zweifellos lässt sich auch sagen, dass der 31-Jährige zu den Hoffnungsträgern seiner Partei zählt. Reimann ist in der Öffentlichkeit omnipräsent, politisch engagiert ist er schon sein halbes Leben lang. Sein Onkel Maximilian Reimann, der für den Aargau in den Ständerat zog, verstärkte sein Interesse für Politik. Doch der Kern war bereits vorhanden, wie Reimann sagt. Schon als Dreizehnjähriger habe er regelmässig Zeitungen gelesen, schon damals habe er sich über die EU genervt. Damals habe er auch den Entschluss gefasst, einmal selbst Politiker zu sein. Nach dem Umzug der Familie vom Fricktal nach Wil wurden die Pläne rasch konkret. Der 15-Jährige trat der SVP-Ortspartei bei, gründete bald darauf mit Gleichgesinnten die Junge SVP des Kantons St. Gallen, war acht Jahre lang deren Präsident und wurde mit 21 Jahren in das St. Galler Kantonsparlament gewählt. Erfolge aus jener Zeit? Reimann sagt, es sei der Jungen SVP zu verdanken, dass der Kanton St. Gallen eines der strengsten Bürgerrechtsgesetze der Schweiz habe. Was genau verschärft wurde, hat er vergessen, denn schliesslich hat Reimann seither manchen Abstimmungskampf geführt, kleinere und grössere, häufig provokativ. Als Kernthema hat sich Reimann «die Freiheit und die Unabhängigkeit der Schweiz» auf die Fahne geschrieben. Noch bevor er selbst abstimmen durfte, gründete er ein Jugendkomitee gegen die Einführung der Personenfreizügigkeit mit der EU. Jetzt, 15 Jahre später, verspürt er «grosse Genugtuung, weil uns das Volk mit dem Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative doch noch recht gegeben hat».

E-Mails auf dem Laufband

Reimann zögerte nicht lange, als die überraschende Anfrage für das Auns-Präsidium kam. Die Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz entspreche voll und ganz seinen Idealen, und er werde seinen ganzen «Power» hineingeben, verspricht er. Es ist gleichzeitig ein Versprechen an den SVP-Strategen Christoph Blocher, denn Reimann betont, dass die Auns «ein wichtiger Teil von Blochers EU-Nein-Komitee ist». Christoph Blocher? «Ohne sein Engagement wären wir heute Mitglied der EU, und das wäre eine Katastrophe für die direkte Demokratie!», ruft Reimann mit Verve. Er, der stets höflich und freundlich antwortet, klingt plötzlich erhitzt. Ob es am momentanen Stress liegt? Einmal mehr ist Reimann, der neben seinen politischen Engagements auch noch sein Rechtsstudium mit dem Master abschliesst, in der Nacht über seinen Büchern eingeschlafen, es ist Session, erst am 24. Juni sind die Prüfungen vorbei. Am 25. belohnt sich Reimann mit einer Reise an die Pokerweltmeisterschaft in Las Vegas. Bis dahin hält er sich mit Grüntee und mit Snus, der eleganteren Version des Kautabaks, auf Trab. Wenn er nicht gleich die Politik mit dem Sport kombiniert: Bei einer Geschwindigkeit von 5 km/h beantwortet er seine Mails auf dem Laufband, nicht selten vier Stunden lang täglich, wie er sagt. «Ich bin nicht Burn-out-gefährdet, es macht mir Spass», versichert er.

Kein «Knochenarbeiter»

Es ist kurz vor Mittag im Bundeshaus. Reimann wird unruhig, springt vom Stuhl und fragt oben im Nationalratssaal an, ob denn seine Fracking-Motion bald an der Reihe sei. Fracking, Snus, Pokerspiel: drei Beispiele von nicht weniger als 150 Vorstössen, die er in seinen sieben Jahren als Nationalrat eingereicht hat. Reimann hat den Riecher für populäre Themen, und er verbreitet sie gekonnt über die sozialen Medien wie Facebook und Twitter. Manch einem Parlamentarier geht dies gegen den Strich. Reimann habe zwar Sinn fürs Publikum, doch die Knochenarbeit liege ihm nicht, heisst es aus der Rechtskommission, wo Reimann Mitglied ist.

Der wirblige Politiker wird auch dafür sorgen, dass die Auns im Gespräch bleibt. Die erste ausserordentliche Versammlung im Herbst soll zum Ereignis werden: Reimann hat den scharfzüngigen Chef der britischen EU-Gegner, Nigel Farage, eingeladen. Reimann kennt den Ukip-Chef seit Jahren von der Arbeit im «Team Europe», ein Gremium der EU-Kritiker. Der neue Auns-Präsident ist zuversichtlich, dass Farage einer der acht Terminvorschläge passt.

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