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Piloten-Problem: Der Kampf der Luftwaffe mit der Generation Z

Militärpilot? Nein danke! Schulabgänger können mit dem Job immer weniger anfangen. Die Luftwaffe räumt Nachwuchsprobleme ein – und will sich ein neues Image verpassen.
Sven Altermatt
Eine F/A-18-Kampfjet der Schweizer Luftwaffe. (Bild: KEY)

Eine F/A-18-Kampfjet der Schweizer Luftwaffe. (Bild: KEY)

Wie schnell sich doch die Dinge ändern können: Nein, beteuerte die Schweizer Luftwaffe bislang, es gebe kein Nachwuchsproblem. Bis jetzt habe man den Bedarf an Nachwuchspiloten für Helikopter und Kampfjets immer decken können, erklärte eine Sprecherin noch Anfang Jahr gegenüber dieser Zeitung und gab sich betont optimistisch. Die Rede war von «sehr konstanten Zahlen».

Dabei geben just die Zahlen eher Anlass zur Sorge. Auffällig ist besonders das rückläufige Interesse an der fliegerischen Vorschulung Sphair; ein Grundkurs für alle, die eine Pilotenausbildung anstreben. Innert sieben Jahren sank die Teilnehmerzahl von 420 auf 329 Personen. Und bekamen 2012 noch 169 Personen eine Empfehlung für die Ausbildung zum Militärpiloten, waren es 2018 nur noch 124.

Aber eben, die Dinge ändern sich. Nun tönt es bei der Luftwaffe plötzlich ganz anders: Es sei anspruchsvoll, «den Nachwuchs der Militärpiloten, Zivilpiloten und Fallschirmaufklärer langfristig sicherzustellen», räumen die Verantwortlichen ein. Die schonungslose Analyse geht aus einer öffentlichen Ausschreibung hervor. Mit dieser sucht die Luftwaffe externe Unterstützung für die Weiterführung von Sphair. Gefragt ist eine Agentur für Marketing und Branding. Konkret will die Luftwaffe ihre Marke weiterentwickeln und mit Werbung «permanent neue, zielgruppenfokussierte Impulse» schaffen.

Die vielen Ansprüche der Jungen

Oberstes Ziel des Auftrags: Menschen zwischen 16 und 24 Jahren für Berufe wie Militärpilot, Fallschirmaufklärer oder auch Zivilpilot gewinnen. Angesprochen werden sollen explizit junge Frauen und junge Männer. Man wolle sie «an den priorisierten Touchpoints professionell abholen», wie es in schönster Marketingsprache heisst. Welche Touchpoints gemeint sind, bleibt offen. Infrage kämen etwa soziale Netzwerke wie Instagram. Denn die Luftwaffe will eine Erklärung dafür haben, warum sich junge Leute weniger für eine Pilotenkarriere begeistern können: Schuld daran sei das «heutige dynamische Umfeld der Generation Z». Generation Z? Gemeint damit sind die Schulabgänger von heute. Wie sie ticken, haben Soziologen und Auguren eingehend untersucht. «Sie sind gut ausgebildete Realisten und wollen die strikte Trennung von Beruf und Arbeit», schreibt das Beratungsunternehmen Mercer in einer Studie zur Generation Z.

Klar geregelte Arbeitszeiten und genügend Freizeit, das ist ihnen wichtig. Eines scheint also klar: Das Lebensmodell der Generation Z lässt sich schwer mit den Ansprüchen von Piloten im Dienst der Luftwaffe vereinbaren. Militärpiloten sind nach ihrer harten Ausbildung dazu verpflichtet, mindestens vier Jahre für die Luftwaffe zu fliegen. Ihre eigenen Bedürfnisse müssen sie zurückstecken können. Ein Militärpilot sei «so genormt wie die Maschine, die er fliegt», schrieb die Autorin Margrit Sprecher im Buch «Unsere Kampf-Piloten», für das sie eine Ausbildungsklasse begleitet hat. Die F/A-18-Kapitäne dürften keine Individualisten sein. So streng mag die Luftwaffe das Ganze naturgemäss nicht sehen. Eine Armee-Sprecherin erklärt auf Anfrage: «Die in Frage kommenden Personen der Generation Z haben viele gute Berufsoptionen.» Manchen sei die Option «Pilot» zu wenig bewusst, ebenso werde die Eignungsabklärung fälschlicherweise als zu schwierig wahrgenommen. Und schliesslich sei die Generation Z nicht mehr mit einfacher Werbung zu erreichen.

Laut der Sprecherin braucht es deshalb ein Marketing, das «individuell auf die verschiedenen Zielgruppen abgestimmt sein muss». Intern fehlten dazu die Ressourcen. Wie viel die Marketingoffensive kosten soll, will man mit Verweis auf die laufende Ausschreibung nicht sagen.

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