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Der «Hornkuh-Rebell» kämpft weiter

Die Stimmberechtigten lehnen die Hornkuh-Initiative ab. Trotzdem will sich Armin Capaul, Bergbauer aus dem Berner Jura und Kopf hinter dem Volksbegehren, noch nicht geschlagen geben.
Michel Burtscher
Lancierte praktisch im Alleingang eine Initative: Hornkuh-Initiant Armin Capaul. (Bild: KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Lancierte praktisch im Alleingang eine Initative: Hornkuh-Initiant Armin Capaul. (Bild: KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Auch als die Abstimmungsergebnisse aus den ersten Gemeinden bereits veröffentlicht worden sind und nichts Gutes verheissen für seine Hornkuh-Initiative, ist Armin Capaul noch guten Mutes. «Alles ist möglich, es kann auf beide Seiten kippen», sagt er und lächelt. Capaul steht vor dem Restaurant de la Gare beim Bahnhof Moutier, es ist kurz vor zwölf Uhr, bald werden die Urnen im ganzen Land geschlossen.

Immer mehr Unterstützer der Initiative finden sich beim Restaurant ein und begrüssen den Bergbauern aus dem Berner Jura, der wie immer Wollpulli und Zipfelmütze trägt. «Wir wollen den Kühen und Ziegen ihre Hörner und ihre Würde zurückgeben», steht auf einem Plakat. Capaul betont: «Es geht nicht um mich, es geht um die Tiere.» Trotzdem ist es auch an diesem Nachmittag wieder er, der im Mittelpunkt des Interesses steht.

Ein langer Kampf für das Wohl der Tiere

Gesucht habe er diese Aufmerksamkeit nicht, sagt Capaul, es sei ein «Mittel zum Zweck». Er will erreichen, dass in der Schweiz weniger Tiere enthornt werden. Dafür kämpft der «Hornkuh-Rebell», wie ihn die Medien getauft haben, nun schon seit acht Jahren. Zuerst schrieb er mehrere Briefe an den Bund und forderte einen Hörnerbeitrag, dann versuchte er sein Anliegen über das Parlament zu verwirklichen – ohne Erfolg. Darum reichte er im März 2016 seine Volksinitiative ein, fast im Alleingang hatte er die dafür nötigen Stimmen gesammelt. Das Ziel: In der Verfassung soll verankert werden, dass Landwirte Geld erhalten, wenn sie ihre Kühe, Stiere, Ziegen und Ziegenböcke nicht enthornen.

Im kleinen Saal des Restaurants in Moutier haben mittlerweile mehrere Dutzend Be- fürworter Platz genommen und verfolgen den Verlauf der Abstimmung auf der Leinwand. Sie brechen immer dann in Jubel aus, wenn aus einzelnen Kantonen positive Nachrichten verkündet werden. Oft passiert das jedoch nicht. Capaul selbst steht in dieser Zeit meist draussen vor dem Restaurant, spricht mit Unterstützern, raucht Zigaretten. Er sei nicht nervös, sagt Capaul. «Drinnen im Saal ist es mir einfach zu laut.» Je länger der Nachmittag dauert, desto mehr Kantone auf der Karte färben sich rot. Bald ist klar, dass die Hornkuh-Initiative das Ständemehr verfehlt hat, am Ende lehnen die Stimmberechtigen das Volksbegehren mit 54,7 Prozent Nein-Stimmen ab.

Capaul fordert Lösung auf Gesetzesebene

Trotzdem ist Capaul gut gelaunt, er lächelt noch immer. Enttäuscht über den Ausgang der Abstimmung sei er nicht, sagt er. Er habe seinen Beitrag geleistet – und sein Einsatz habe sich gelohnt, findet Capaul: «Wir haben etwas bewegt mit der Initiative, haben die Kühe und ihre Hörner ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt.» Doch so ein Abstimmungskampf ist anstrengend, vor allem wenn man wie Capaul und seine Mitstreiter keine grossen Parteien oder Verbände im Rücken hat. Ein bisschen müde sei er schon, sagt der Bergbauer denn auch.

Für sein Engagement erhält Capaul sogar Anerkennung von seinem grössten politischen Gegner im Kampf um die Hörner, von Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. «Armin Capaul hat uns gezeigt, dass man praktisch im Alleingang eine Initiative lancieren und zur Abstimmung bringen kann. Châpeau!», sagt der abtretende Bundesrat später vor den Medien. Capauls Verdienst sei es, dass sich die Bevölkerung zu den Hörnern habe äussern können.

Das klingt nach einem Schlussstrich, ist es aber nicht – jedenfalls nicht, wenn es nach Capaul geht. Dieser denkt nicht daran, sich nun zurückzulehnen. «Mir tun die Kühe einfach leid», sagt Capaul. «Die Enthornung des Schweizer Nationaltiers geht weiter.» Und das will er nicht akzeptieren. Anfang Dezember wird sich das Initiativkomitee treffen und die weiteren Schritte besprechen. «Das Ergebnis der Abstimmung zeigt, dass viele Menschen unser Anliegen teilen», sagt Capaul. Den Ausschlag für das Nein habe wohl vor allem das Argument der Gegner gegeben, dass ein Hörnerbeitrag nicht in die Verfassung gehöre. Capaul erwartet von Bundesrat und Parlament darum, dass sie nun auf Gesetzesebene aktiv werden. «Wir kämpfen weiter dafür, dass in der Schweiz weniger Kühe enthornt werden», sagt er.

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