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Der Herausforderer

Heute ist der Tag der Entscheidung: Die Ärztekammer, das Parlament des Dachverbandes FMH, schreitet in Biel zur Wahl des Zentralvorstandes.
Urs Stoffel: Der Zürcher Chirurg wird heute möglicherweise zum neuen FMH-Präsidenten gewählt. (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))

Urs Stoffel: Der Zürcher Chirurg wird heute möglicherweise zum neuen FMH-Präsidenten gewählt. (Bild: PETER SCHNEIDER (KEYSTONE))

Heute ist der Tag der Entscheidung: Die Ärztekammer, das Parlament des Dachverbandes FMH, schreitet in Biel zur Wahl des Zentralvorstandes. Einer der Kandidaten ist der 59jährige Zürcher Urs Stoffel, Chirurg mit eigener Praxis, tätig zudem als Belegarzt an verschiedenen Kliniken. Standespolitisch ist Stoffel Vorstandsmitglied der Gesellschaft der Chirurgen des Kantons Zürich und Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons mit rund 5000 Mitgliedern.

Das Besondere an diesem Geschäft: Je nach Ergebnis kann Urs Stoffel daraus Ermutigung lesen – oder eben nicht. Ermutigung nämlich, auch noch bei der Wahl fürs FMH-Präsidium anzutreten. Dies dann als Herausforderer des bisherigen Präsidenten Jacques de Haller, eines Hausarzts. Mit de Haller nämlich sind nicht alle 30 000 Schweizer Ärztinnen und Ärzte zufrieden, die der FMH angehören. Dem bisherigen Präsidenten wird nachgesagt, er führe den Verband zu eigenmächtig, zu zentralistisch auch.

«Atypischer Chirurg»

Stoffel steht für das Gegenteil: Sollte er de Haller ablösen, will er den Verband umbauen, ihm dezentrale Strukturen verpassen. Der Zürcher spricht von einer «Holdingstruktur» und einer nach dem Kollegialprinzip handelnden Führung.

Es erstaunt dies nicht, denn Stoffel steht im Ruf, ein Teamplayer zu sein, einer, der integriert, statt auf Konfrontation zu gehen. Und er sei ein «atypischer Chirurg», wie jene versichern, die ihn kennen. Chirurgen wird ja nachgesagt, sie hätten in der Tendenz eher zu viel als zu wenig Selbstbewusstsein, sie verstünden sich auch heute noch als «Halbgötter in Weiss», schauten als Grossverdiener erst einmal für sich selber. Diesem Klischee entspricht Stoffel nicht. Zwar durchaus selbstbewusst, fehle dem Mann jedoch der Zwang, sich dauernd in der Vordergrund rücken zu müssen. Ihm gehe zudem das Prahlerische ab. Stattdessen könne er gut delegieren.

Der Standespolitiker

Auch politisch unterscheidet sich Stoffel vom Sozialdemokraten de Haller: Der Zürcher ist Mitglied der FDP – allerdings ambitionsloses Basismitglied in der Gemeinde Kilchberg, wo er wohnt. Zwar sei er stets auch politisch hervorragend auf dem laufenden, heisst es, aber sein tatkräftiges Engagement gelte der Standespolitik, für die er inzwischen über die Hälfte seiner Arbeitszeit einsetze.

Anliegen ist dem 59-Jährigen etwa die ärztliche Versorgung. Die Schweiz müsse mehr Ärzte ausbilden. Stoffel spricht sich auch dafür aus, die Hausarztmedizin zu stärken – auf dass dieser Beruf auch wieder mehr ergriffen werde.

Trotz dieses Lobs von vielen Seiten ist der Ausgang der heutigen Wahl ungewiss; niemand wagt eine Vorhersage. Denn auch de Haller hat seine Supporter.

Sollte Urs Stoffel indes den Sprung auf den Präsidentenstuhl nicht schaffen, würde das nicht nur die Supporter von de Haller freuen, sondern durchaus auch viele Zürcher Ärzte. Der Tenor dort: «Stoffel ist ein guter Präsident unserer kantonalen Ärztegesellschaft. So einen gibt man nicht gern ab – auch nicht nach oben.»

Richard Clavadetscher

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