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Der Fussball-Kaiser wird geschont: Gericht bestätigt, dass Strafverfahren ohne Franz Beckenbauer durchgeführt werden kann

Das Bundesstrafgericht hat entschieden: Der Fifa-Prozess kann ohne Franz Beckenbauer stattfinden. Jetzt werden seine Krankenakten überprüft.
Andreas Maurer
Franz Beckenbauer, 74, als Zuschauer in einem Fussballstadion. Den Auftritt in einem Gerichtssaal hingegen meidet er. (Bild: Getty Images, München, 4. Mai 2019)

Franz Beckenbauer, 74, als Zuschauer in einem Fussballstadion. Den Auftritt in einem Gerichtssaal hingegen meidet er. (Bild: Getty Images, München, 4. Mai 2019)

Mit dem Alter wechselt Franz Beckenbauer die Taktik. Auf dem Fussballfeld spielte er offensiv, obwohl er auf defensiven Positionen eingesetzt wurde. Damit hatte er Erfolg.

Im Gerichtssaal wäre für Beckenbauer nun wieder eine defensive Position vorgesehen. Er ist der Hauptbeschuldigte in einem Strafverfahren um eine dubiose Zahlung von zehn Millionen Franken nach Katar, die er als Präsident des Organisationskomitees der WM 2006 zu verantworten hat. Doch diesmal will der «Fussball-Kaiser» gar nicht erst antreten. Deshalb spielt er auf Zeit. Auch damit hat er Erfolg.

Das Bundesstrafgericht bestätigt in einem noch nicht veröffentlichten Entscheid, der dieser Zeitung vorliegt, dass das Hauptverfahren ohne den eigentlichen Hauptbeschuldigten stattfinden kann. Beckenbauer hatte sich bei der Bundesanwaltschaft krank gemeldet. Weil den Strafverfolgern die Zeit davon läuft – im April 2020 verjährt der Fall – trennten sie die Verfahren auf und erhoben nur gegen seine Gehilfen Anklage: die ehemaligen deutschen Sportfunktionäre Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst Schmidt sowie den früheren Fifa-Generalsekretär Urs Linsi. Diese legten gegen den Verfahrensschritt Beschwerde ein und haben nun verloren. Vergeblich hatten sie sich erhofft, dass ihr Verfahren ebenfalls aufgeschoben wird und verjähren könnte.

Sind die Arztzeugnisse glaubhaft?

Aus taktischen Gründen griffen Beckenbauers Kollegen seine eingereichten Arztberichte mit ungewöhnlich scharfen Worten an. Es handle sich um «reine Gefälligkeitszeugnisse». Er sei schliesslich auch in der Lage, Reden zu halten und an öffentlichen Anlässen teilzunehmen. So trat er im Juli am «Kaisercup» auf, einem Golfturnier, und sagte in einer Ansprache, er habe «a bisserl Probleme» mit der Gesundheit.

Die «bisserl Probleme» klingen in seinen Arztzeugnissen allerdings ganz anders. Demnach leidet der 74-Jährige an einer «schweren Herzerkrankung». Stress und Belastungen jeglicher Art hätten «gravierende bis lebensgefährliche Gesundheitsrisiken». Zudem seien sein Urteilsvermögen und Langzeitgedächtnis «stark eingeschränkt». Er werde deshalb nie mehr in der Lage sein, einer Befragung in einem Strafverfahren zu folgen.

Dass Beckenbauer aber in der Lage ist, an einem Golfturnier aufzutreten, sah die Bundesanwaltschaft nicht als Widerspruch. Die Anforderungen eines Strafverfahrens seien in keiner Art und Weise vergleichbar. Das Bundesstrafgericht bestätigt diese Einschätzung nun und fügt an, Beckenbauer sei schliesslich «publikumsgewohnt».

Die Richter messen dem Wort der Ärzte zudem viel Gewicht bei. Zwar würden Vertrauensärzte eher zugunsten ihrer Patienten aussagen, doch es bestünden keine Anhaltspunkte für «reine Gefälligkeitszeugnisse».

Die Arztberichte sollen aber überprüft werden. Die Bundesanwaltschaft hat in Österreich, wo Beckenbauer wohnt, ein Rechtshilfegesuch eingereicht. Die Behörden haben darauf ein medizinisches Gutachten zur Gesundheit des Altstars in Auftrag gegeben, das frühestens im Dezember vorliegen soll.

Theo Zwanziger: «Schaun mer mal»

Theo Zwanziger, Angeklagter und Ex-Präsident des Deutschen Fussball-Bundes, äussert sich auf Anfrage: «Ich wünsche Franz Beckenbauer, ganz ohne jede Ironie, gute Genesung. Unabhängig von all dem Ärger ist und bleibt er für mich eine grosse Sport-Persönlichkeit.» Zwanzigers aktueller Kommentar zum Strafverfahren lautet: «Es ist schon erstaunlich festzustellen, zu welchen Kraftakten die Schweizer Bundesanwaltschaft sich verpflichtet fühlt, um angebliches Unrecht in Deutschland zu ahnden. Und zugleich setzt sie alles daran, wichtige Fifa-Verantwortliche zu schonen. Grossartig!» Zudem gibt er ein legendäres Beckenbauer-Zitat zum Besten: «Schaun mer mal.»

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