Kommentar

Ignazio Cassis und der verlegte Ehering: Ein braver Kirchengänger plaudert über seine Sünden

Bundesrat Ignazio Cassis war ein fleissiger Kirchgänger, ging sonntags regelmässig zur Messe. Nur plaudert er öffentlich über seine Sünden und über eine persönliche Suche.

Kari Kälin
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Kari Kälin

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Ignazio Cassis, katholisch-freisinniger Bundesrat aus dem Tessin, offenbart dem Onlineportal kath.ch seine grösste Sünde: Als Ministrant hat er heimlich Messwein probiert. Und wenn er das Weihrauchfass schwang, wollte er möglichst viel Rauch produzieren. Ob er seine Sünden im Beichtstuhl offenbart hat, verriet Cassis nicht. Fest steht nur: Der Arzt war ein fleissiger Kirchgänger. Jeden Sonntag besuchte er mit seinen drei Schwestern und der Mutter die Messe.

Von der politischen Heiligsprechung bleibt der Aussenminister weit entfernt. Ex SP-Chef Christian Levrat kanzelte Cassis einst als «Praktikanten» ab. Für das linke Spektrum gibt der Tessiner das perfekte Feindbild ab, weil er die Entwicklungshilfe stärker an die Schweizer Wirtschaftsinteressen koppeln will – und auch schon mal medienwirksam das global agierende Rohstoffunternehmen Glencore lobte. Zudem kommt das EU-Dossier mit dem dornenvollen Rahmenvertrag auch unter Cassis nicht vom Fleck. Die spektakulärste neueste Entwicklung ist eine Personalrochade. Livia Leu ersetzt Roberto Balzaretti als Staatssekretär. Es ist nicht der erste Wechsel auf diesem Posten. Manchmal gleicht das Aussendepartement dem FC Sion.

Gegenüber kath.ch plaudert Cassis derweil aus dem Nähkästchen: Seinen Ehering hat er irgendwo verlegt. Lasset uns also beten, dass die Suche nach diesem erfolgreicher verläuft als jene nach dem Resetknopf für das Rahmenabkommen.