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Der Bündner in Teheran

Als Schweizer Botschafter in Iran begleitet der frühere Banker Giulio Haas die wirtschaftliche Öffnung des Landes. Doch auch nach dem Atomabkommen sind die guten Dienste gefragt.
Tobias Gafafer
Der Schweizer Botschafter in Iran, Giulio Haas, war fünf Jahre für eine St. Galler Privatbank tätig. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Der Schweizer Botschafter in Iran, Giulio Haas, war fünf Jahre für eine St. Galler Privatbank tätig. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

BERN. Es waren die wohl intensivsten zwei Tage seines Lebens. Wochenlang hatten Giulio Haas und seine Mitarbeiter alles vorbereitet, damit die 36-stündige Visite von Johann Schneider-Ammann in Teheran reibungslos über die Bühne ging. Für jede Schweizer Botschaft ist der Besuch eines Bundesrats ein Ereignis, Schneider-Ammanns Reise vor einer Woche aber war noch mehr als das. Als Bundespräsident steht er auf der Stufe von Staatschefs – und wurde von der gesamten iranischen Führung empfangen. Im Schlepptau des Bundespräsidenten reisten Verwaltungsräte und Chefs von Schweizer Firmen, die Rang und Namen haben. Nach dem Atomabkommen ist das Interesse in vielen Branchen gross.

Haas nutzt solche Bühnen gerne, weiss sich aber auch im Hintergrund zu halten, wie es sich für einen Diplomaten gehört. Scharfsinnig analysiert er die Stärken und Schwächen des Landes. Spricht von einem «Re-Emerging Market», der nach langer Isolation wieder Anschluss an die Weltwirtschaft finden will. Und lässt zum Apéro bevorzugt gute Tropfen aus der Bündner Herrschaft servieren, deren Winzer der Weinliebhaber kennt.

Der Richtige zur richtigen Zeit

Der Bündner Diplomat hat keinen 08/15-Lebenslauf. Unter Konrad Hummler kam Haas zur Privatbank Wegelin. Er war als Churer Filialleiter für deren Nachfolgerin Notenstein tätig, als ihn der Bundesrat auf Vorschlag des Staatssekretärs Yves Rossier 2013 überraschend zum neuen Botschafter in Iran berief. Das gab zu reden: Bern vertritt auch die Interessen der USA, die Wegelin 2011 wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt hatten. Seine Filiale unterhielt laut Haas indes keine Geschäftsbeziehungen in die USA.

Rossiers Wahl hat sich rückblickend als gut erwiesen. Zwar tritt Haas für einen Diplomaten bisweilen undiplomatisch auf. 2015 etwa geriet er in die Kritik, nachdem er am Ende eines Vortrags in Zürich eine Karikatur mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu gezeigt hatte. Doch er, der Ex-Banker und die frühere Nummer zwei der Schweizer Botschaft in Washington, ist für den Posten in Teheran gut qualifiziert. Nach dem Atom-Abkommen steht die wirtschaftliche Öffnung des Landes im Vordergrund. Die grösste Herausforderung ist der Zugang zum internationalen Finanzsystem. In Iran, wo der Staat auch in der Privatwirtschaft dominiert, sind offizielle Kontakte wichtiger als anderswo. Haas kennt sich in beiden Welten aus. Wirtschaftsvertreter sprechen denn auch vom «richtigen Mann zur richtigen Zeit.» Haas fokussiere sich auf die Wirtschaft statt auf kulturelle Aktivitäten.

Filmreife Szenen am Flughafen

Schneider-Ammanns Besuch war für Haas die vorläufige Krönung einer an Höhepunkten reichen Amtszeit. Im Rahmen des Schutzmachtmandats trug die Schweizer Botschaft nach ihren Möglichkeiten dazu bei, dass es zum Atomvertrag kam. Seit der Revolution 1980 vertritt Bern in Iran auch die Interessen der USA. 35 Jahre danach, Haas war knapp zwei Jahre in Teheran, erzielten der Westen und Iran bei den Atomverhandlungen einen historischen Durchbruch.

Die Zeit der guten Dienste ist damit nicht vorbei, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Teheran und Washington vorderhand kein Thema. Eine zentrale Rolle spielte Haas im Januar bei der Freilassung eines US-Journalisten, der in Iran wegen Spionage-Vorwürfen im Gefängnis sass, und weiterer Amerikaner. Der Bundesratsjet stand in Teheran schon zum Flug nach Genf bereit, als plötzlich die Frau und Mutter des Journalisten verschwunden waren. Auf dem Flughafen spielten sich dramatische Szenen ab, Haas und sein Team waren als Krisenmanager gefragt. Am Schluss kam es zum Happy-End, für die Amerikaner gab es auf dem Rückflug Züri-Geschnetzeltes mit Rösti. US-Medien berichteten ausführlich, während sich Bern zurückhielt. Diskretion ist für die guten Dienste wichtig.

Teheran als Sprungbrett

Im September 2017 wird Haas vier Jahre in Teheran sein. Im Normalfall wechseln Diplomaten danach ihren Posten. Gut möglich, dass der 59-Jährige noch einen Karrieresprung macht. Seine Vorgängerin Livia Leu leitet heute beim Bund die Abteilung bilaterale Wirtschaftsbeziehungen, sein Vorgänger Tim Guldimann wurde später Botschafter Berns in Berlin.

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