Der Alpinist ist auf dem Gipfel

Sogar in seiner eigenen Partei war an seinen Chancen gezweifelt worden, gestern hat er alle überrascht: Der Lausanner Nationalrat Olivier Français bringt die FDP auf Kosten der Grünen nach acht Jahren wieder in den Ständerat zurück.

Denise Lachat
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Olivier Français hat für die FDP Waadt einen Ständeratssitz zurückerobert. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Olivier Français hat für die FDP Waadt einen Ständeratssitz zurückerobert. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

LAUSANNE. Wenige hatten an seinen Erfolg geglaubt, er selber hatte sich ein halbes Jahr lang unermüdlich eingesetzt: Vielleicht war das mit ein Grund, warum Olivier Français am frühen Nachmittag vor laufender Kamera des Regionalfernsehens von seinen Gefühlen übermannt wurde. Da war sein Wahlsieg über den Grünen Luc Recordon absehbar, da war die linke Stadt Lausanne ausgezählt und Français lag unverändert an zweiter Stelle. «Alle haben mir eine Niederlage vorausgesagt. Jetzt habe ich die Mission der Partei erfüllt», sagte Français ein wenig später im Gespräch mit unserer Zeitung, wieder gefasst.

«Falsches Etikett»

Tatsächlich war Français nicht der Wunschkandidat seiner FDP, die sich zur Rückeroberung des seit acht Jahren vom Grünen Luc Recordon besetzten Ständeratssitzes die Strahlkraft eines ihrer beiden Regierungsräte gewünscht hatte. Und als Français im April in die Bresche sprang, zweifelten auch die Medien an seinem Gewicht. Zu monothematisch sei der ETH-Ingenieur, der sich auch als Mitglied der Stadtregierung von Lausanne vor allem mit Bauvorhaben einen Namen gemacht hat. So ist Français der Vater der Lausanner Metro, die den See mit dem Norden der Stadt verbindet. Français, der Unterschätzte, redete sich gestern denn auch ein wenig seinen Frust von der Seele und listete im Gespräch seine Meriten auf. Man habe ihm völlig zu Unrecht dieses einseitige, etwas blasse Etikett verpasst. Seine Unternehmerqualitäten habe er als Filialgründer von Zschokke gezeigt, «und in weniger als drei Jahren einen Umsatz von 28 Millionen aus dem Boden gestampft». Im Umkreis des Stadtrats heisst es, er führe sein Departement mit Entschiedenheit, und der Chef der Vereinigung der Waadtländer Unternehmer gab zu Protokoll, noch nie habe sich die Vereinigung so stark für einen Kandidaten engagiert. Ein Betonkopf? Die wenigsten brächten ihn wohl mit Kultur in Verbindung, dabei sei er Präsident des Alpinen Filmfestivals von Les Diablerets, sagt Français.

Einsatz und Schwäche der SVP

Überhaupt, die Berge: Français ist begeisterter Bergsteiger und nahm auch am Härtetest der Patrouille des Glaciers teil. Die Leidenschaft für den Sport hat er seinen drei Kindern vererbt; sie waren Skispringer, Skifahrer und Taucher und haben Eliteniveau erreicht. Français hat sich in dieser Zeit stark in der Vereinstätigkeit engagiert, und diese Vernetzung kam ihm jetzt auch bei den Wahlen zugute; im ländlichen Kantonsteil legten viele für den Freisinnigen ein. Seinen Freizeitlook mit Karohemd ohne Krawatte hatte er für den Wahlsonntag absichtlich gewählt. Seine Botschaft: Français bleibt Français, pragmatisch, bescheiden, zupackend.

Zum politischen Erfolg hat aber auch die Schwäche des politischen Konkurrenten beigetragen. Anders als in der übrigen Schweiz hatte die SVP in der Waadt bei den Nationalratswahlen nicht zugelegt und zog schliesslich ihren Kandidaten zurück. Entscheidend sei aber Français' enormer persönlicher Einsatz gewesen, analysierte gestern sein Parteikollege, Nationalrat Olivier Feller. «Français war bei den Leuten, und das monatelang.» Français wird mit Géraldine Savary von der SP die Waadt in der kleinen Kammer vertreten. «Die Wirtschaft erhält wieder eine Stimme», antwortet Français auf die Frage, was damit ändern wird.

Der Grüne Luc Recordon erklärte gestern seinen Rückzug aus der Bundespolitik, obwohl er in den Nationalrat gewählt worden ist. Er überlässt seinen Sitz Adèle Thorens, der Co-Präsidentin der Grünen Schweiz, die ihre Wiederwahl verpasst hatte.