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Demos alleine genügen nicht mehr: Die Klimajugend will den Druck mit zivilem Ungehorsam erhöhen

Am Wochenende trifft sich die Schweizer Klimajugend in Bern zum vierten nationalen Klimagipfel. Die nationalen Wahlen und die strategische Ausrichtung für 2020 sind dabei zwei zentrale Themen. Zur Diskussion stehen für 2020 Aktionen zivilen Ungehorsams an neuralgischen Punkten. Die Ungeduld der Bewegung Klimastreik wächst.
Othmar von Matt
Die Klimajugend plant, den Druck auf die Politik mit Aktionen zivilen Ungehorsams zu erhöhen. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Die Klimajugend plant, den Druck auf die Politik mit Aktionen zivilen Ungehorsams zu erhöhen. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone)

Das Szenario ist düster, das der deutsche Journalist und Buchautor Raphael Thelen zeichnet. «Zecken breiten sich aus, Wälder brennen, Zehntausende Menschen sterben jährlich an der Hitze – die Klimakrise wird Deutschland verwüsten. Und das nicht erst 2100», schreibt er in seinem Essay «Verdammt, die Welt geht wirklich unter». Der Text zeigt eine hohe Dringlichkeit auf. Paare sprechen darüber, ob es sich überhaupt noch lohnt, Kinder zu haben.

Damit spricht Thelen der Bewegung Klimastreik Schweiz aus dem Herzen. «Lange können und wollen wir nicht mehr zusehen!», schreibt sie auf Twitter im Zusammenhang mit Thelens Essay.

Die Ungeduld in der Klimabewegung wächst. «Wir haben mit unseren Streiks und Demos einiges erreicht», sagt Klima-Aktivistin und Studentin Claire Descombes (23). «Aber es geht nicht schnell genug.» Klima-Aktivist Jonas Kampus (18) formuliert es deutlicher: «Die Zeit rennt uns davon, wir werden langsam ungeduldig.» Jeder Tag, an dem sich nichts tue, sei «ein verlorener Tag», betont er – und sagt: «Die Politik nimmt uns absolut nicht ernst, das ist sehr besorgniserregend.»

«Wir müssen den Druck sehr stark erhöhen»

Die Bewegung erwägt deshalb, die Gangart zu erhöhen und neue Aktionsformen zivilen Ungehorsams einzusetzen. «Wir müssen den Druck sehr stark erhöhen», sagt Klima-Aktivist Kampus. Seit Ende Juni verwendet Klimastreik einen Hashtag, der diese Strategie verdeutlicht: #By2020weEscalate – «Wir eskalieren 2020». 2020 gilt als Jahr, in dem die Treibhausgas-Emmissionen sinken müssen, will man Netto Null bis 2030 erreichen.

Wie solche Aktionen zivilen Ungehorsams aussehen sollen, ist Thema des vierten nationalen Klimagipfels der Bewegung. Er findet am Wochenende im Kirchgemeindehaus Johannes in Bern statt. 150 Klima-Aktivisten werden erwartet. Sie sollen über die Strategie entscheiden, welche eine Arbeitsgruppe erarbeitet hat.

Denkbar ist, neuralgische Punkte lahmzulegen

Denkbar ist zum Beispiel, dass 2020 zunehmend neuralgische Punkte lahmgelegt werden. Als Beispiel dafür gilt der Fall London: Klimaschützer um die Gruppe «Extinction Rebellion» brachten Teile des Verkehrs Londons zum Stillstand.

Auch in der Schweiz gab es Aktionen. Mitte Juli nahmen 150 Klimaaktivisten an einem «Die-in» teil: Menschen fallen plötzlich in sich zusammen, bleiben regungslos liegen. Ein Aufruf, 2020 auf Flüge zu verzichten. Die Aktivisten von Collective Climate Justice blockierten in Zürich und Basel Bankeneingänge von UBS und Credit Suisse. Und «Extinction Rebellion» fiel beim Bundeshaus mit Kunstblut auf.

Polizisten verhaften in Bern Demonstranten der Bewegung «Extinction Rebellion», die in einer Aktion zivilen Ungehorsams Kunstblut auf den Boden leerte. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Polizisten verhaften in Bern Demonstranten der Bewegung «Extinction Rebellion», die in einer Aktion zivilen Ungehorsams Kunstblut auf den Boden leerte. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

«Diese radikaleren Aktionen sind allerdings in der Bewegung sehr umstritten», sagt Sven Würgler (18), der zu Klimastreik Schweiz gehört. «Es fragt sich: Was bringen sie? Und sollen wir sie anderen Gruppierungen wie Collective Climate Justice überlassen?» Es habe sich aber gezeigt, dass sich politischer Wandel eher über zivilen Ungehorsam als über Demos erreichen lasse. Deshalb stehe sein Umfeld «solchen Aktionen wohlwollend» gegenüber. «Sie müssen aber gewaltfrei sein.»

Eine Empfehlung, wählen zu gehen

Der Klimagipfel vom Wochenende beschäftigt sich auch mit den nationalen Wahlen vom 20. Oktober. «Die Bewegung wird den Menschen empfehlen wählen zu gehen – und zwar umweltfreundlich», sagt Descombes. «Aber wir werde uns für keine Parteien aussprechen.» Denkbar ist es, dass Klimastreik Schweiz ein eigenes Öko-Rating für alle Parlamentarier erstellt. «Wenn wir genug Kompetenz und Zeit dafür haben», wie Würgler sagt.

Klima-Aktionen folgen bis zum Wahlsonntag vom 20. Oktober Schlag auf Schlag. Vom 5. bis zum 9. August treffen sich 430 Klima-Aktivisten aus 37 europäischen Ländern in Lausanne zum Klimagipfel «Smile for Future» - mit der schwedischen Klima-Aktivistin Greta Thunberg (16).

Bald gibt es auch Demos auf dem Land

Am 31. August sind Klima-Demos auf dem Land geplant, so in Münsingen (BE). Klima-Aktivisten aus den Städten sollen die Bevölkerung vor Ort unterstützen. Zwischen 20. und 27. September findet in Bern eine Klima-Aktionswoche statt. Geplant ist etwa, Autoparkplätze kreativ zu besetzen, mit Theateraktionen oder Picknick. Am 20. und 27. September sollen Streiks in Städten stattfinden, bevor am 28. September die grosse nationale Demo auf dem Bundesplatz steigt.

Um den Klimagipfel vom Wochenende vorzubereiten, trafen sich 25 Personen bereits am Mittwoch zu einem Workshop in einem Haus an der Berner Hallerstrasse. Thema des Tages: der Entscheidfindungs-Prozess. «Es ist nicht einfach, Entscheide mit einer grossen Gruppe von 150 Leuten im Konsens zu fällen», sagt Claire Descombes. Das übte die Gruppe. Zwei Experten von Collective Climate Justice und von Greenpeace halfen dabei.

Die Entscheidfindung sei am vierten nationalen Gipfel besonders wichtig, sagt Sven Würgler. «Wir wollen vorwärtskommen mit der strategischen Ausrichtung der Bewegung.»

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