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Dem Wolf zuliebe: Deshalb wollen Tierschützer das neue Jagdgesetz verhindern

Heute wurde das Referendum gegen das neue Jagdgesetz lanciert, mit dem unter anderem der Abschuss des Wolfes erleichtert werden soll. Das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Dominic Wirth

Bird Life, Pro Natura, WWF und die Gruppe Wolf Schweiz haben heute das Referendum gegen das neue Jagdgesetz lanciert. Was ändert sich mit diesem Gesetz überhaupt?

Im Kern geht es um den Umgang mit geschützten Arten, und insbesondere um den Wolf. Hier will die Schweiz künftig neue Wege beschreiten. Einerseits gilt das für die Zuständigkeit, die vom Bund an die Kantone geht. Andererseits werden auch die Hürden für den Abschuss von Wölfen gesenkt. Heute muss ein gewisser Schaden vorliegen – zum Beispiel 15 gerissene Nutztiere innerhalb von vier Monaten im Streifgebiet eines Rudels – damit ein Kanton beim Bund um eine Abschusserlaubnis ersuchen kann. Künftig es reicht es schon, wenn ein Schaden droht. Zudem muss der Bund einem Abschuss nicht mehr zustimmen, sondern nur noch vom Kanton angehört werden. Das Ziel ist eine aktivere Regulierung durch die Kantone.

Weshalb haben Tier- und Umweltschützer das Referendum ergriffen?

Sie haben den Ton schon während der Debatte im Bundeshaus gesetzt und sprechen von einem «Abschussgesetz», welches das Parlament aus der bundesrätlichen Vorlage gebaut habe. «Es hat die bundesrätliche Vorlage massiv verschlechtert», sagt David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz. Er kritisiert etwa, dass bei der Schadensdefinition das Wörtchen «gross» aus dem Gesetz gestrichen wurde. Konkret heisst es dort nun nur noch, dass für eine Regulierung «die Verhütung von Schaden» eine Voraussetzung sei. Gerke befürchtet, dass Wölfe künftig «auf Vorrat abgeschossen werden» - auch, weil das Parlament den Passus, dass zuerst «zumutbare Schutzmassnahmen» für Herdentiere wie Schafe getroffen werden müssten, ebenfalls eliminiert hat.

Für Unmut sorgt daneben, dass Wölfe künftig auch in Schutzgebieten geschossen werden dürfen. Und schliesslich fürchtet Gerke, dass es mit den Wölfen anfängt - aber nicht aufhört. «Der Bundesrat kann auf dem Verordnungsweg auch andere geschützte Arten wie den Biber oder den Luchs zum Abschuss freigeben», sagt er.

Was sagt das zuständige Bundesamt?

Reinhard Schnidrig leitet beim Bundesamt für Umwelt die Sektion Wildtiere. Er widerspricht der Darstellung, dass das neue Gesetz die Wildtiere zum Abschuss freigebe. Schnidrig verweist etwa darauf, dass die Kantone vor einem Abschuss zwar den Bund nicht mehr um Erlaubnis bitten müssten - dass sie aber weiterhin zuvor dessen Meinung einholen müssten und dem Bund der Beschwerdeweg offen bleibe, wenn er mit dem Entscheid eines Kantons nicht einverstanden sei. «Auch Umweltorganisationen haben weiterhin die Möglichkeit, Beschwerde einzureichen und den Rechtsweg zu beschreiten», sagt Schnidrig.

Er zerstreut zudem die Ängste der Umweltschützer, dass der Bund plötzlich auch andere geschützte Arten auf dem Verordnungsweg zum Abschuss freigibt. «Das Parlament hat entschieden, dass Biber und Luchs nicht explizit genannt werden. Die Ausgangslage müsste sich stark verändern, bevor der Bund von sich aus tätig wird», sagt er.

Die Referendumsführer beginnen heute mit der Sammlung. Wie stehen ihre Chancen?

Es ist davon auszugehen, dass das Referendum zustande kommt, denn die federführenden Organisationen verfügen über einige Schlagkraft. Zudem weckt das Thema Wildtiere viele Emotionen. Den Referendumsführern wird daneben entgegenkommen, dass Umwelt-Themen derzeit Konjunktur haben.

Wie verlaufen die Fronten im Abstimmungskampf?

Im Parlament stellten sich in der Schlussabstimmung im Nationalrat die Grünen, die GLP und die SP gegen das revidierte Jagdgesetz; in der FDP-Fraktion sagte ein Fünftel Nein, ein weiterer Fünftel enthielt sich. Die anderen bürgerlichen Parteien sprachen sich klar für das neue Gesetz aus. Die Diskussion im Bundeshaus bot einen Vorgeschmack auf das, was uns erwartet, wenn das Referendum zustande kommt: ein emotionaler Abstimmungskampf, in dem sich ein Stadt-Land-Graben auftut.

Wie viele Wölfe leben derzeit eigentlich in der Schweiz?

Laut der Fachstelle Kora, die im Auftrag des Bundes ein Wildtier-Monitoring betreibt, wurden zwischen 2017 und 2019 schweizweit 53 Wölfe genetisch individuell identifiziert. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es über 24 Monate noch lediglich 11 gewesen. Die meisten Wölfe gibt es in Graubünden; die kantonalen Behörden gehen davon aus, dass dort derzeit 30 Tiere leben. Allein in diesem Jahr sind mindestens 17 Jungwölfe geworfen worden. Kürzlich wurde bekannt, dass vier von ihnen bis Ende März 2020 geschossen werden sollen. Dies, nachdem die gesetzlich vorgegebene Schadenszahl erreicht worden war und das Bafu einem Bündner Antrag zugestimmt hatte.

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