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Dem Schwan geht es an den Kragen

Der Schutz der Schwäne wird gelockert. Das hat der Ständerat gestern entschieden. Vogelschützer haben dafür kein Verständnis: Schwäne seien harmlos und würden nun zu einem Feindbild hochstilisiert.
Kari Kälin
Thomas Minder Ständerat (parteilos/SH) (Bild: ky)

Thomas Minder Ständerat (parteilos/SH) (Bild: ky)

BERN. Sie gleiten elegant übers Wasser, plustern sich gerne mal auf und sind eine Touristenattraktion. Heute bevölkern rund 5000 bis 6000 Höckerschwäne Schweizer Gewässer und deren Umgebung. Die Politik ist ob dieser Vermehrung allerdings nicht begeistert. Gestern hat der Ständerat den Schwanenschutz mit 23 zu 14 Stimmen bei einer Enthaltung gelockert. Damit kann der Bestand der Tiere neu auch dann dezimiert werden, wenn diese noch gar keine Schäden angerichtet haben. Die kleine Kammer, die dem Schwan ursprünglich sogar das ganze Jahr über an den Kragen wollte, schloss sich der Version des Nationalrats an. Denkbar ist eine Regelung wie bei den Steinböcken, die in einem bestimmten Zeitfenster gejagt werden dürfen. Eine Bewilligung durch das Bundesamt für Umwelt (Bafu) brauchen die Kantone auf jeden Fall.

Eierstechen anstatt «Abknallen»

Der parteilose Schaffhauser Ständerat Thomas Minder setzte sich vergebens für die Schwäne ein. «Wir haben in der Schweiz kein Schwanenproblem», sagte der ehemalige lizenzierte Beringer der Vogelwarte Sempach. Es sei falsch, den hintersten und letzten Schwanenkot nach Bern zu tragen. Minder machte damit eine Anspielung auf Paul Niederberger, den Urheber des Vorstosses. Der ehemalige Nidwaldner CVP-Ständerat kritisierte, die Schwäne richteten auf Wiesen wegen des Kots erheblichen Schaden an. Minder warnte seine Ratskollegen, sie müssten in ihren Kantonen schon bald Protestbriefe beantworten. «Über eine Schlagzeile <Ständerat erlaubt das Abknallen von Schwänen> wäre ich jedenfalls nicht überrascht», sagte er. Zu solch rabiaten Methoden dürften die zuständigen Ämter indes kaum greifen. Vielmehr setzen etwa die Kantone Ob- und Nidwalden, die bereits heute über eine Bewilligung zur Regulierung der Schwanenpopulation verfügen, auf das Eierstechen.

«Bekämpfung auf Vorrat»

Vogelschützer zeigen sich besorgt über den Entscheid des Ständerats. «Die Politik schiesst mit Kanonen auf Schwäne, die so harmlos sind wie Kühe und nun plötzlich zu einem Feindbild hochstilisiert werden», sagt Matthias Kestenholz, Biologe und Sprecher der Vogelwarte Sempach. Dass Schwäne auf Uferparzellen Gras fressen und Kot hinterliessen, komme vor. Man müsse aber ein gesundes Augenmass wahren, denn Uferparzellen seien Teil ihres Lebensraums. Kestenholz stört sich daran, dass nach dem gestrigen Entscheid der Schwanenbestand dezimiert werden kann, ohne dass dafür Schäden nachgewiesen werden müssen. «Versicherungen würden das nicht akzeptieren.» Mit der Bekämpfung auf Vorrat ohne Schäden werde ein längst überholt geglaubter verhängnisvoller Umgang mit Wildtieren wieder eingeführt. Ein bisschen anders sieht dies Doris Leuthard: «Wir erachten die abgeänderte Motion des Nationalrates als praktikablen Weg, mit den Kantonen eine Lösung zu finden», sagte die Bundesrätin.

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