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«De Filippo» und die rot-grüne Ohrfeige

Filippo Leutenegger, einst Fernsehstar, heute Zürcher Stadtrat, muss sein Departement abgeben – und reagiert so, wie man ihn kennt.
Dominic Wirth
Stadtrat Filippo Leutenegger an einer Medienkonferenz. (Bild: Patrick Hürlimann/Keystone, Zürich, 19. April 2018)

Stadtrat Filippo Leutenegger an einer Medienkonferenz. (Bild: Patrick Hürlimann/Keystone, Zürich, 19. April 2018)

Der Eklat ist die Ausnahme in der Schweizer Politik; man trägt die Konflikte hierzulande nicht gerne an die Öffentlichkeit. Lieber bespricht man sie in den Hinterzimmern der Macht. Doch am Mittwoch war das anders. Die Zürcher Stadtregierung hatte eben ihre Ämter neu verteilt, und als sie sich nun den Medien stellte, holte einer zur grossen Abrechnung aus: Filippo Leutenegger, FDP-Stadtrat – und soeben zwangsversetzt von der rot-grünen Mehrheit, die bei der Departementsverteilung ihren Wahlsieg in vollen Zügen auskostete.

Und so kam es, dass Leuten­egger künftig nicht mehr dem Tiefbau-, sondern dem Schuldepartement vorstehen wird. Und das, daraus machte er vor laufenden Kameras keinen Hehl, passt ihm kein bisschen. Der 65-Jährige sprach zwar mit ruhiger Stimme, doch das nahm seinen Aussagen nichts von ihrer Schärfe. Gegen seinen Willen sei er versetzt, ihm sein Departement «weggenommen worden», und dieser «massive Schritt», motiviert von politisch-ideologischen Gründen, sei «sehr gefährlich, schwierig und bedauerlich».

Elf Jahre im Nationalrat

Neben ihm sass Corine Mauch, die Stadtpräsidentin, und versuchte, Leutenegger mit Blicken zu bändigen. Doch der liess sich nicht beirren, würdigte Mauch keines Blickes, obwohl jeder Satz an sie gerichtet war. Leutenegger ist bekannt für seine zugängliche Art. Aber eben auch für sein Temperament. Am Mittwoch gab es für alle den verletzten Leutenegger zu sehen.

Es war ein Auftritt, der in Erinnerung bleiben wird. Und auftreten, das kann «de Filippo», wie sie Leutenegger in Zürich nur nennen, wie wenig andere. Filippo Franz Saverio Leutenegger, geboren in Rom, aufgewachsen als Diplomatensohn, heute fünffacher Vater, wurde als Moderator der Politsendung «Arena» landesweit bekannt. Später war er Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, ehe er 2003 zum Sprung ins Bundeshaus ansetzte. Elf Jahre sass er im Nationalrat. Doch der Mann, der sich stets als Macher gibt, hinterliess eher in der Medienbranche seine Spuren. Er machte sich nun nicht mehr als Journalist, sondern als Manager einen Namen.

Seit 2014 sitzt Leutenegger nun im Zürcher Stadtrat, und er hat im rot-grün dominierten Gremium als FDPler, dem während seiner Politlaufbahn immer auch eine gewisse Nähe zur SVP nachgesagt wurde, einen schweren Stand. Die Gegner aus dem linken Lager nennen ihn auch mal «Failippo, den Luftikus», und sie nähren damit ein Bild, das sie von Leutenegger seit langem zeichnen: jenes des Showmans, der viele Ideen hat und viel ankündigt, am Schluss aber wenig zu Stande bringt. Insbesondere in Sachen Veloförderung ging den Linken unter ihm zu wenig. Bei den Stadtratswahlen vom April schaffte Leutenegger die Wiederwahl zwar problemlos, doch im Kampf um das Stadtpräsidium hatte er keine Chance gegen Corine Mauch von der SP.

Leutenegger hat schon viel gemacht, und er unterstreicht gerne, dass für ihn vor allem eines nicht geht: nichts machen. In Zürich ist er der älteste Stadtrat, die Zeitungen nennen ihn deshalb und wegen seiner langen Politerfahrung auch mal ein «Schlachtross». Nun, sagte Leuten­egger am Mittwoch, gehe es für ihn darum, wieder Vertrauen zu fassen in seine Regierungskollegen. Es könnten lange vier Jahre werden im Zürcher Rathaus.

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