DATENSICHERHEIT: Bund warnt Parlamentarier vor Cyberattacken

Parlamentarier seien besonders interessante Ziele für Hacker, sagen Experten des Bundes. Doch die wirklich heiklen Daten werden gar nicht auf Computern gespeichert.

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Phishing-Mails und andere Betrügereien: Bundesparlamentarier sollten einen achtsamen Umgang mit ihren Daten pflegen. Mit einer Informationskarte will die Melde- und Analysestelle Informationssicherheit des Bundes (Melani) dazu animieren. Die Empfehlungen wurden gestern zusammen mit dem Halbjahresbericht 2017 veröffentlicht.

«Die politischen Institutionen und auch Parlamentarierinnen und Parlamentarier geraten zunehmend ins Visier von Cyberangriffen», heisst es auf der Karte. Als Beispiele nennt Melani Angriffe auf den deutschen Bundestag, den Parteivorsitz der US-Demokraten und das britische Parlament. Dort wurden die E-Mail-Konten von rund 90 Parlamentariern gehackt.

Gewarnt wird unter anderem vor Phishing-Mails, die ein Schreiben einer Bank oder sonst einer Institution vorgaukeln und so den Empfänger dazu bringen sollen, vertrauliche Daten preiszugeben. Melani rät darum, verdächtige Mails zu löschen und auf keinen Fall Anhänge von solchen Nachrichten zu öffnen.

«Informationen, die von Interesse sein können»

«Parlamentarier haben Informationen, die für andere von Interesse sein könnten», sagt Max Klaus, stellvertretender Leiter von Melani. Ziel sei es, die Politiker mit der Karte für das Thema zu sensibilisieren. Die Aktion sei mit den Parlamentsdiensten, die eigentlich für die Informatik der Räte zuständig sind, abgesprochen. Zwar hat Klaus keine Kenntnis von konkreten Angriffen in jüngerer Vergangenheit. Doch die Beispiele aus dem Ausland zeigten, dass «alles denkbar» sei. Es müssten nicht unbedingt andere Staaten hinter solchen Angriffen stecken. «Das können auch Kriminelle sein, die so gewonnene Informationen weiterverkaufen wollen», sagt Klaus.

Dokumente werden in Tresoren aufbewahrt

Doch welche Informationen von Parlamentariern könnten für Angreifer interessant sein? Mit heiklen Daten beschäftigt sich die Delegation der Geschäftsprüfungskommissionen (GPDel). Sie überwacht die Bereiche Staatsschutz und Geheimdienste und überprüft staatliches Handeln, das zur Wahrung der Landesin­teressen geheim bleibt.

Ständerat Alex Kuprecht (SVP/SZ) ist Präsident der sechsköpfigen GPDel. Er sagt: «Es werden keine heiklen Daten auf Computern gespeichert.» Die entsprechenden Informationen würden bei den Delegationsmitgliedern in Papierform in Tresoren aufbewahrt, heikle Daten würden per eingeschriebene Post ausgetauscht, erklärt er.

Elektronischen Verkehr gebe es nur mit dem Sekretariat der Delegation. Und diese Kommunikation sei verschlüsselt. «Das ist seit einem Dreivierteljahr vorgeschrieben», sagt Kuprecht. Die Verschlüsselung sei speziell für die GPDel-Mitglieder von den Parlamentsdiensten bereitgestellt worden. Ansonsten sieht Kuprecht keinen Handlungsbedarf, er selber brauche neben seiner GPDel-Tätigkeit auch keine Verschlüsselung. «Der normale Parlamentarier hat in der Regel keine sensiblen Daten», sagt er.

Dominik Weingartner