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Wie die Hitzewelle vorausgesagt wurde

Nichts interessiert die Menschen so sehr wie das Wetter: Ein Blick in die Welt der Meteorologen.
Pascal Ritter
Meteorologe Roland Mühlebach (rechts) in der Prognose- und Flugwetterzentrale von Meteo Schweiz am Flughafen Zürich. Bild: Severin Bigler (26. Juni 2019)

Meteorologe Roland Mühlebach (rechts) in der Prognose- und Flugwetterzentrale von Meteo Schweiz am Flughafen Zürich. Bild: Severin Bigler (26. Juni 2019)

Wüstenstaub trübt den blauen Himmel am Horizont. Aus dem Abluftschacht der Kantine dringt Frittierölgeruch. Meteorologe Jan Eitel steht im hellgrauen Poloshirt auf dem Dach des Fernsehhochhauses Leutschenbach. Ein Kameramann hält auf ihn. Jetzt live. «Schöne guete Obe, herzlich willkomme bi Meteo, es isch wiider extrem heiss gsi», sagt er auf Baseldeutsch. Aus den Wohnzimmern der Nation verfolgen die Menschen, wie er die Höchsttemperaturen präsentiert: 36,8 Grad in Sitten.

Eine Stunde vorher im Studio von Meteonews, der privaten Konkurrenz von SRF Meteo. Es befindet sich nur 500 Meter entfernt in einem Bürogebäude im dritten Stock. Bildschirme und Kameras funktionieren nun wieder. Am Nachmittag hatte ein Stromausfall sie ausgeknipst. Zu viele Klimaanlagen hingen an der gleichen Sicherung.

Wettermoderatorin Cindy Amherd stellt sich im pinken Sommerkleid vor die grüne Wand. Die roten Nike-Air-Turnschuhe wird man später auf der Aufnahme nicht sehen. Sie drückt auf die Fernbedienung. Die Aufnahme läuft automatisch, einen Kameramann gibt es nicht. In atemberaubendem Tempo sagt sie auf Walliserdeutsch: «Das isch ihre churz, knackig wie au heiss Gruess us de Wetterchuchi» und präsentiert die Höchsttemperaturen. Meteonews hat 37 Grad in Bern-Belpmoos gemessen. Kurz darauf geht das Video, versehen mit etwas Werbung, auf Schweizer Newsportalen live.

Es gibt nichts, was die Menschen so sehr interessiert wie das Wetter. «Meteo» ist die meistgesehene tägliche Sendung des Schweizer Fernsehens. Und in den Zeitungen und Newsportalen interessiert in dieser Woche die Hitzewelle besonders. Während das Land in Büros und auf Baustellen schwitzte, lieferten sich die Wetterdienste einen Kampf um Aufmerksamkeit.

Das war nicht immer so. Ende des 19. Jahrhunderts wehrten sich Meteorologen gegen Wetterberichte in Zeitungen. Sie kritisierten tägliche Prognosen als unwissenschaftlich. Doch die Bauern wollten wissen, wann der Regen kommt. Mehr als 100 Jahre lang blieb die Wetterprognose ein staubtrockenes Geschäft. Und als in den USA bereits Wettermoderatorinnen in aufwendigen Shows die Aussichten präsentierten, las in der Schweiz der Nachrichtensprecher am Ende der «Tagesschau» die Prognose vor. Erst in den 1990er-Jahren wurde bei SRF das Wetter aus der «Tagesschau» ausgegliedert und ein eigenes Format.

Wie konnte die Hitzewelle vorausgesagt werden?

Als Roland Mühlebach in gestreiftem Kurzarmhemd und mit fassungsloser Brille am Mittwoch um 6 Uhr in der ­Prognose- und Flugwetterzentrale von ­Meteo Schweiz seinen Dienst antrat, leuchteten die Temperaturangaben auf der Karte hellgelb. Jetzt färben sie sich orange, rot und pink. Meteo Schweiz alias Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie ist die staatliche Variante der Wetterdienste. In der Zentrale am Flughafen Zürich, wenige Meter von den Start- und Landepisten entfernt, gibt es keine Studios. Mit dem Fernsehen haben die Meteorologinnen und Meteorologen von Meteo Schweiz nichts zu tun, auch wenn immer wieder SRF-Zuschauer anrufen, um sich zu beschweren.

Am vergangenen Sonntag wurde von hier aus eine Hitzewarnung ausgelöst. Stufe drei für die ganze Schweiz. Am Montag wurde für Basel und Wallis, am Dienstag fürs Tessin auf Stufe vier erhöht. Die Warnungen sind noch bis Montagabend gültig.

Wie konnte die Hitzewelle vorausgesagt werden? Meteorologen wie Roland Mühlebach stützen sich auf Modelle. Diese errechnen aus Daten wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Wind Szenarien, wie sich das Wetter weiterentwickeln könnte. Die Rechnungen werden jeweils mehrfach mit leicht abweichenden Daten gerechnet, sodass eine grosse Zahl an möglichen Szenarien entsteht. Vergangene Woche ergab eine Mehrheit der errechneten Szenarien Temperaturen zwischen 30 und 37 Grad.

Dass sich die Meteorologen auf dem Dach im Leutschenbach, im Studios von Meteonews oder vor den Bildschirmen am Flughafen nicht immer einig sind, hat verschiedene Gründe. So stützen sich verschiedene Wetterdienste oft auf unterschiedliche Rechenmodelle. Und diese müssen dann zuerst interpretiert und für jeden Ort justiert werden. In den Zentralen der Wetterdienste wurde diese Woche darum über einzelne Grade gestritten.

Bei Meteo Schweiz am Flughafen versammelt sich nun ein halbes Dutzend Meteorologen vor einer Wand mit Satellitenbildern und Wetterkarten. Mühlebach erklärt seinen Kollegen, wie die Aussichten sind. Quintessenz: Es wird nach der Hitzewoche wieder etwas kühler. Es wird Gewitter geben. Am Montag oder Dienstag. Wann genau sie kommen, kann auch er nicht sicher sagen.

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