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«Das wäre ein Schuss ins Knie»

Die 1:12-Initiative hat alt Nationalrat und Unternehmer Peter Spuhler zurück aufs politische Parkett geholt. Dem Chef der Stadler Rail macht aber nicht nur die Initiative der Jungsozialisten schwer zu schaffen.
Marina Winder
«Wenn ich den Faktor 1:12 einhalten müsste, könnte ich meine Vermögenssteuern nicht mehr bezahlen»: Peter Spuhler. (Bild: Reto Martin)

«Wenn ich den Faktor 1:12 einhalten müsste, könnte ich meine Vermögenssteuern nicht mehr bezahlen»: Peter Spuhler. (Bild: Reto Martin)

Der Gewerbeverband wollte mit 1000 Unternehmern gegen die 1:12-Initiative antreten. Noch ist es ihm nicht gelungen, so viele Firmenchefs hinter sich zu scharen. Haben die Unternehmer Angst, sich als 1:12-Gegner zu outen, weil sie dann als Abzocker dastehen könnten?

Peter Spuhler: Ich kann nur für mich reden. Ich stehe gerne hin, um die Initiative zu bekämpfen.

Sie haben nach Ihrem Rücktritt als Nationalrat einen sauberen Strich gezogen und sich aus der öffentlichen Debatte herausgehalten. 1:12 hat Sie zurück aufs politische Parkett gebracht. Weshalb?

Spuhler: Ich halte das für eine wirtschaftsfeindliche Nonsens-Initiative, die volkswirtschaftlich gravierende Auswirkungen hat. Das Resultat wären grosse Mindereinnahmen bei den Steuern und bei der AHV. Das heisst, jeder Bürger müsste höhere Steuern und AHV-Beiträge bezahlen.

Welche Auswirkungen hätte sie auf Sie und Ihr Unternehmen?

Spuhler: Wenn ich in meinem Fall 1:12 einhalten müsste, dann könnte ich meine Vermögenssteuer nicht mehr zahlen. Wenn ich das über die Dividende kompensiere, habe ich da mit der Gewinnsteuer eine Steuerstufe mehr. Das bedeutet, dass ich dem Unternehmen gerade in schwierigen Zeiten unnötig viel Substanz entziehe. Das wäre ein Schuss ins Knie.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hatte in seinem Unternehmen den Faktor 1:12 eingehalten und konnte die Vermögenssteuer trotzdem bezahlen.

Spuhler: Wir haben in unserem Unternehmen einen Mindestlohn von 4000 Franken monatlich. Bei 1:12 würde mein jährlicher Lohn irgendwo über 500 000 Franken liegen. Ich zahle aber jährlich ein Mehrfaches an Steuern.

Weil Ihr Lohn so hoch ist?

Spuhler: Weil mein ganzes Vermögen in die Firma investiert ist, das liegt nicht irgendwo cash auf einer Bank. Auf den geschätzten Wert meines Unternehmens zahle ich jedes Jahr eine Vermögenssteuer. Dafür muss ich erst Einkommen generieren, auf das ich notabene die volle Einkommenssteuer zahle.

Studien haben gezeigt, dass – je nach Reaktion der Unternehmen auf die Initiative – auch Mehreinnahmen bei Steuern und AHV möglich sind.

Spuhler: Diese Argumentationen sind sehr abenteuerlich. 2 Prozent der Bevölkerung zahlen durch die Progression knapp 50 Prozent der Steuern: Die Rechnung geht doch nicht auf, wenn man das auf der einen Seite so stehen lässt und auf der anderen Seite einen Lohndeckel einführt.

Wären in Ihrem Unternehmen die Arbeitsplätze durch 1:12 gefährdet?

Spuhler: Wir haben in der Schweiz traditionell die höchsten Lohnkosten in Europa. Und die Währungsverwerfungen haben unsere Exportprodukte zusätzlich verteuert, auch wenn sich das jetzt ein bisschen entspannt hat. Und jetzt sollen wir einen zusätzlichen Kostenschock verkraften, weil man die Löhne oben deckeln und dadurch unten anheben will? Das gefährdet die Arbeitsplätze in hohem Masse.

Die Initianten wollen verhindern, dass die Lohnschere noch weiter auseinanderklafft. Haben Sie Verständnis für dieses Anliegen?

Spuhler: Damit zielt man vielleicht auf 20 Manager, trifft aber die Unternehmer dieses Landes. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die Initianten das wollten.

Schon die Minder-Initiative hat gezeigt, dass in der Bevölkerung Unmut herrscht über das Gebaren dieser Manager. Kann man das einfach ignorieren?

Spuhler: Mit der Minder-Initiative hat man ja gewisse Korrekturen vorgenommen. Von mir aus gesehen könnte man dort punktuell weitere Verschärfungen reinbringen. Das darf aber nicht über ein staatliches Lohndiktat passieren, sondern über die Stärkung der Eigentümer. Diese sollen an der GV entscheiden, was ihnen das Management wert ist – sicher nicht der Staat.

Wie erklären Sie sich die momentane Häufung von wirtschaftsfeindlichen Vorlagen? Erst Minder und 1:12 – und jetzt stimmen wir nächstes Jahr voraussichtlich auch noch über die Mindestlohn- und die Erbschaftssteuer-Initiative ab.

Spuhler: Die Forderungen sind ja nicht neu, ich kenne sie als Nationalrat seit 1999. Früher hat es einfach keine Mehrheiten gegeben. Die Linken versuchen nun im Fahrwasser der Minder-Initiative ihre wirtschaftsfeindlichen Forderungen durchzubringen.

Neben der 1:12- dürfte Ihnen vor allem die Erbschaftssteuer-Initiative Sorgen bereiten.

Spuhler: Das ist so. Ich zahle als Unternehmer jedes Jahr eine Vermögenssteuer, das ist eine Substanzbesteuerung. Damit kann ich leben. Aber dass nach meinem Tod meine direkten Nachkommen nochmals auf die Substanz besteuert werden, das geht nicht. Da werden einige Unternehmer ihre Firma verkaufen müssen, um die Erbschaftssteuer bezahlen zu können.

Werden Sie das Land verlassen, wenn sich die Erbschaftssteuer-Initiative durchsetzt?

Spuhler: Nein, aus heutiger Sicht nicht. Ich gehe davon aus, dass wir die Abstimmung gewinnen können. Wir wären eines der ganz wenigen Länder, die sowohl Vermögens- als auch Erbschaftssteuern hätten. Österreich hat weder noch.

Verleiden Ihnen solche Initiativen die Freude am Unternehmertum?

Spuhler: Diese Initiativen beschäftigen mich zwar sehr, aber sie stehen natürlich nicht im Hauptfokus eines Unternehmers. Das ist wie im Sport: Man hat Phasen, in denen es gut läuft, und solche, in denen es weniger gut läuft und man mehr kämpfen muss. Im Moment ist es sehr hart, aus der Schweiz heraus unser Niveau im Export zu halten. Wegen der Verschuldungskrise in Europa sind die Ausschreibungen zurückgegangen. Da entsteht halt schon eine gewisse Anspannung, dass man die Arbeitsplätze, die man über die letzten Jahre aufgebaut hat, halten kann. Umso weniger können wir uns Experimente leisten, die einen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten können.

Hat sich der Druck in den 25 Jahren, in denen Sie Unternehmer sind, zugespitzt?

Spuhler: Das würde ich nicht so sagen. Es sind wiederkehrende Phasen. Natürlich ist es aber etwas anderes, wenn man für die Löhne von bald 6000 Mitarbeitern verantwortlich ist, als wie vor 20 Jahren, als es noch 100 Mitarbeiter waren.

Können Sie persönlich mit diesem Druck gut umgehen?

Spuhler: Ja, es braucht schon viel, bis es mich zusammenlegt.

Ist das schon einmal passiert?

Spuhler: Nein, das hatte ich noch nie. Ich mache zum Ausgleich mehr Sport, gehe im Winter Ski fahren. Jetzt war ich eine Woche tauchen. Dabei kann man mal wieder richtig durchatmen.

Der zunehmende Druck hat Sie aber immerhin dazu veranlasst, das Nationalratsmandat an den Nagel zu hängen. Ärgert Sie das?

Spuhler: Dieser Schritt war nötig. Er ist mir sicher nicht leicht gefallen, da ich immer sehr gerne Politik gemacht habe. Aber das Wohl meiner Mitarbeiter liegt mir mehr am Herzen als meine politischen Ambitionen.

Was ist gut daran, nicht mehr Politiker zu sein?

Spuhler: Ich schätze es schon, dass ich im Moment unter dem Presseradar fliegen kann und nicht jeder Hennenschiss von mir kommentiert wird.

Sie reden häufig davon, dass Sie sich in ein paar Jahren in den Verwaltungsrat der Stadler Rail zurückziehen. Haben Sie Ideen, was Sie nachher machen wollen?

Spuhler: Als Unternehmer muss ich mir früh genug im Klaren sein, dass es einmal ohne mich weitergeht. Aber wir haben jetzt im Moment eine Situation, in der ich Mühe hätte zu sagen, ich mache jetzt noch ein bisschen Verwaltungsratspräsident und übergebe die operative Verantwortung meinem Nachfolger.

Weil Sie die kommenden schwierigen Jahre selber meistern möchten?

Spuhler: Es wird zwei, drei Jahre dauern, bis wir wieder zu alter Stärke zurückgefunden haben. Das muss ich schon noch durchziehen. Wir haben jetzt auch neue Produkte entwickelt wie Metro- und Intercity-Züge. Bei der Ausschreibung in Berlin haben wir uns damit bereits durchgesetzt.

Und Sie versuchen in neuen Ländern Fuss zu fassen. Ein Part, den Sie auch persönlich übernehmen.

Spuhler: Genau. Die Erschliessung von neuen Märkten passiert auch nicht von heute auf morgen. Wir haben in Moskau die Ausschreibung für die Doppelstock-S-Bahn-Züge gewonnen. Wir sind in weiteren GUS-Staaten drin, in Kasachstan und Aserbaidschan sind wir dran.

Gibt es auch Länder, in die Sie nicht liefern möchten, weil Sie deren totalitären Regimes ablehnen?

Spuhler: Solange die Schweiz und die EU volle diplomatische Beziehungen mit einem Land unterhalten und wir keine Sanktionen und Embargos verletzen, müssen wir uns als Unternehmen nicht zurücknehmen.

Mit einem Handelsembargo wäre diesen Ländern wohl auch nicht geholfen.

Spuhler: Im Gegenteil. Ich behaupte, dass ein Technologietransfer hilft, solche Länder ins internationale Netzwerk zu integrieren. Das ist die Zielsetzung, die man als Unternehmer haben kann.

Allerdings scheinen Sie mit dem weissrussischen Präsidenten Aleksander Lukaschenko beinahe schon eine Freundschaft geschlossen zu haben. Er hat Sie in einer Ansprache in den höchsten Tönen gelobt.

Spuhler: Ich habe ihn zwei, drei Mal an Anlässen getroffen, mehr nicht. Ich respektiere ihn als Staatschef, das war's. Es liegt nicht an uns zu beurteilen, wie er das Land regiert. Wir haben dort für die Bevölkerung einen sehr guten Job gemacht. Unsere Züge sind sehr beliebt.

Noch einmal die Frage, was Sie nach Stadler machen wollen. Gibt es Pläne?

Spuhler: Das sehen wir dann. Ich bin noch in diversen Verwaltungsräten von Unternehmen, in die ich investiert habe. Und ich werde Stadler sicher nicht verlassen, sondern höchstens mal einen jüngeren CEO nachnehmen.

Sie besitzen in St. Moritz-Champfèr ein Restaurant. Gibt es bald auch ein Spuhler-Restaurant im Thurgau?

Spuhler: Nein, nein. Mein Vater war lange Zeit Küchenchef im Dolder Grandhotel in Zürich. Er hat dort selber viele Köche ausgebildet. Der frühere Eigentümer des «Talvo» war einer seiner Lieblingsköche. Als dieser das Restaurant verkaufen wollte und keinen Nachfolger fand, bin ich halt wie die Jungfrau zum Kinde gekommen und besitze nun zusammen mit Michael Pieper ein Restaurant im Engadin.

Sie verlangen für ein Schoggimousse 30 Franken. Das lässt den einen oder anderen vielleicht leer schlucken. Aber in St. Moritz-Champfèr würden die Gäste wohl auch das Dreifache zahlen.

Spuhler: Es war unser Ziel, mit den Preisen runterzugehen und die Verankerung im Dorf sicherzustellen. Das ist uns gelungen.

Eine Rückkehr in die Politik schliessen Sie aus? In der SVP ist es ziemlich ruhig geworden, seit Sie nicht mehr da sind.

Spuhler: Das ist mir auch aufgefallen. Es rumpelt nicht mehr (lacht). Die Chance, dass ich in die Politik zurückkehre, ist aber sehr, sehr klein.

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