Corona-Virus

Das Tessin macht dicht im Kampf gegen das Coronavirus

Der Tessiner Staatsrat verfügt weitere Massnahmen gegen das Coronavirus: Restaurants, Bars und Geschäfte müssen ab Samstagmitternacht schliessen.

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Die Haare der Tessiner werden länger - jedenfalls schneidet sie nicht mehr der Coiffeur.

Die Haare der Tessiner werden länger - jedenfalls schneidet sie nicht mehr der Coiffeur.

KEYSTONE/TI-PRESS/Alessandro Crinari

Demnach müssen alle öffentlichen Lokale - Restaurants, Pubs, Hotels, Tankstellensnacks - geschlossen werden. Ebenfalls schliessen müssen alle Geschäfte - auch Coiffeur- und Schönheitssalons. Die Verwaltung wird ab Montag auf ein Minimum heruntergefahren. Lebensmittelläden, Apotheken und Tankstellen dürfen geöffnet bleiben. Auch Post- und Bankschalter werden nicht geschlossen. Mensen in Altersheimen können ebenfalls weiterhin Mahlzeiten austeilen.

Mit diesen Massnahmen gleicht sich die Situation im Tessin immer weiter derjenigen von Italien an. Auf ein allgemeines Ausgehverbot wurde bisher verzichtet.

Das Massnahmenpaket wurde vom Staatsrat in corpore unter Leitung von Regierungspräsident Christian Vitta am Samstagabend in Bellinzona präsentiert. Es ergänzt Massnahmen, die bereits während dieser Woche getroffen wurden.

Keine Kirchenmessen mehr - Keine Bautätigkeit

Generell gilt die Devise, dass alle Geschäftsaktivitäten auf ein Minimum beschränkt werden sollen. Messen in den Kirchen sind untersagt, aber die Kirchen können geöffnet bleiben, wenn sie sich an die hygienischen Vorschriften halten.

Am Samstagvormittag gab es auch ein Treffen mit den Tessiner Wirtschaftsverbänden. Die Bautätigkeit soll ab Montag eingestellt werden. "Einen allgemeinen Produktionsstopp ziehen wir aber nicht in Erwägung", so Vitta vor den Medien. Er präsentierte auch eine Reihe von wirtschaftlichen Massnahmen, um den vielen Betrieben, die zusehends in Schwierigkeiten geraten, unter die Arme zu greifen. Mehr als 800 Betriebe im Tessin haben schon Kurzarbeit beantragt.

Kantonsarzt Giorgio Merlani präsentierte die neuesten Entwicklungen aus sanitärer Sicht: Insgesamt gab es im Tessin bisher 265 Fälle, 64 Erkrankte mussten ins Spital eingewiesen werden. 13 befinden sich auf der Intensivstation, fünf sind verstorben. Zur Anzahl der definitiv Genesenen konnte er mit Verweis auf die kurzen Fristen keine konkreten Angaben machen.

Alle Patienten im Kantonsspital Locarno

Das Kantonsspital La Carità in Locarno wurde mittlerweile zum Referenzspital für Covid-19-Patienten. Dorthin werden nun alle Patienten gebracht. So soll garantiert werden, dass die anderen Spitäler normal weiter arbeiten können. Sanitäter aus der Rekrutenschule in Airolo kommen den Spitälern zu Hilfe.

Der Staatsrat appellierte erneut an die Vernunft und Disziplin der Bevölkerung, die getroffenen Massnahmen einzuhalten. Erwogen wird nun auch eine Verschiebung der Gemeindewahlen vom 4. April. Ein Entscheid ist allerdings noch nicht gefällt. "Es ist schwierig, weil die Wahlunterlagen schon versandt wurden", sagte Justizdirektor Norman Gobbi.

Bereits am Samstag war das öffentliche Leben im Tessin stark eingeschränkt. Insbesondere im Mendrisiotto, in Grenznähe zu Italien, waren die Strassen weitgehend menschenleer.