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Das Sterbehilfe-Urteil und seine Folgen: Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten

Das Baselbieter Strafgericht hat einen wegweisenden Entscheid gefällt und Sterbehelferin Erika Preisig teilweise schuldig gesprochen. Der Fall löst eine Debatte aus: Braucht es neue Regeln? Was man dazu wissen sollte.
Andreas Maurer
Die tödliche Dosis, aufgenommen im Sterbezimmer von Erika Preisig. (Bild: Juri Junkov)

Die tödliche Dosis, aufgenommen im Sterbezimmer von Erika Preisig. (Bild: Juri Junkov)

1. Was hat Ärztin Erika Preisig falsch gemacht?

Sie hat eine psychisch kranke Frau in den Tod begleitet, ohne die Urteilsfähigkeit von einem Spezialisten abklären zu lassen. Das wäre wichtig, um sicher zu sein, dass die Patientin die Folgen beurteilen kann. Mehrere Psychiater waren aber aus ethischen Gründen nicht mehr bereit, für Preisig zu arbeiten. Dieses Problem ist nun gelöst. Zwei Psychiater sind durch den Fall auf den Engpass aufmerksam geworden und bieten für künftige Fälle ihre Expertise an.

2. Ist das Urteil nun mild oder hart?

Vergleicht man es mit der Anklage, ist es mild. Die Staatsanwältin warf Preisig vorsätzliche Tötung vor, was mindestens fünf Jahre Gefängnis bedeutet. Von diesem Vorwurf wurde Preisig freigesprochen. Verurteilt wurde sie wegen Verstössen gegen das Heilmittelgesetz, weil sie als Ärztin das Sterbemittel verschrieb, ohne den Gesundheitszustand der Patientin zu kennen. Dafür erhielt sie eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten und ein Verbot, das Sterbemittel für psychisch Kranke zu verschreiben. Aus Preisigs Sicht ist das ein zu hartes Urteil.

3. In Basel wurde 2007 der Sterbehelfer Peter Baumann in einem ähnlichen Fall zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Weshalb muss Preisig nicht hinter Gitter?

Im Fall Baumann fragte der Patient seinen Sterbehelfer, ob dieser ihn nach dem Tod zurückholen könne. Die Frage zeigte, dass dem Patienten die Endgültigkeit des Todes nicht bewusst war. Im Fall Preisig war die Patientin hingegen trotz psychischer Probleme in der Lage, die Bedeutung des Todes zu erfassen. Das Gericht teilte die Schlussfolgerung eines Gutachtens nicht, wonach die Patientin in Bezug auf ihren Sterbewunsch urteilsunfähig gewesen sein soll.

4. Hat das Urteil politische Folgen?

Der «Tages-Anzeiger» titelte nach der Urteilsverkündung: «Neuer Ruf nach Regeln für Sterbehilfe». Kronzeuginnen dafür sind die Nationalrätinnen Ida Glanzmann (CVP/LU) und Sylvia Flückiger (SVP/AG). Sie fordern eine strengere Regulierung. Neu ist ihr Ruf allerdings nicht. Sie lancieren die gleichen Forderungen, die immer wieder kommen. Bisher waren ähnliche Vorstösse wirkungslos.

5. Ist das ein Problem?

Nein. Der Fall zeigt, dass die Justiz bei Grenzüberschreitungen aktiv wird und die dafür nötigen Sanktionen zur Verfügung hat. Das Urteil hat die bestehende Praxis bestätigt und präzisiert.

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