Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Gesichter des Frauenstreiks: zehn Protestierende und ihre Geschichte

Seit dem Morgen sind Frauen und Männer in verschiedenen Gruppen und mit unterschiedlichen Motivationen unterwegs, um ihre Forderungen zu platzieren. Wir haben sie in Bern getroffen. So bunt und verschieden sind die streikenden Frauen.
Anna Wanner

Um 11 Uhr treffen sich die Frauen auf dem Bundesplatz. Viele von ihnen sind seit mehreren Stunden unterwegs. Mit Büchsen, Trillerpfeifen, Besen und Kinderwagen machen sie auf sich aufmerksam. Ihre Anliegen unterscheiden sich je nach Gruppierung. Was sie eint: Die Streikfarbe lila. Erste Eindrücke vor Ort.

#1 Susanne Ducommun

Susanne Ducommun protestiert gegen die deutlich tieferen Renten von Frauen.

Susanne Ducommun protestiert gegen die deutlich tieferen Renten von Frauen.

Susanne Ducommun gehört zur Gruppe «Wischmop», war ab 7.30 Uhr im Bahnhof Bern unterwegs, um zu putzen und die Menschen unterwegs zu stören. Nach dem Motto: «Uns stört es auch, dass Frauen 40 Prozent weniger Rente erhalten.»

Susanne Ducommun will, dass unbezahlte Arbeit auf allen Schultern verteilt wird - auch auf jenen der Männer.

Susanne Ducommun will, dass unbezahlte Arbeit auf allen Schultern verteilt wird - auch auf jenen der Männer.

Susanne Ducommun: «Viele Frauen krampfen ihr ganzes Leben und haben im Alter dann kaum eine Rente. Von unbezahlter und unterbezahlter Arbeit sind vor allem Frauen betroffen, was direkt auf tiefere Renten auswirkt. Ich fordere, dass Care-Arbeit besser zwischen den Geschlechtern aufgeteilt wird und dass Männer auch die Möglichkeit erhalten, Teilzeit zu arbeiten.»

Mit Besen, Wäschezeinen und Teppichklopfer protestierten die Frauen am Berner Bahnhof gegen unbezahlte und unterbezahlte Arbeit.

Mit Besen, Wäschezeinen und Teppichklopfer protestierten die Frauen am Berner Bahnhof gegen unbezahlte und unterbezahlte Arbeit.

#2 Lilo Spahr

Lilo Spahr hat ihren Wunsch formuliert. Alle wünsche zusammen sollen ein Kunstwerk ergeben.

Lilo Spahr hat ihren Wunsch formuliert. Alle wünsche zusammen sollen ein Kunstwerk ergeben.

Lilo Spahr ist Teil des Frauenchors der Reitschule Bern, auf dem Bundesplatz verfasst sie ihren Wunsch für den Streiktag: «Alle Menschen sind gleich viel wert.» Ab 16.30 Uhr singt sie mit dem Frauenstreikchor vor dem Bundeshaus «sebbene siamo donne, paura non abbiamo». Link zum Liederbüchlein.

Vor dem Bundeshaus entsteht ein Kunstwerk mit gesammelten Forderungen der Frauen.

Vor dem Bundeshaus entsteht ein Kunstwerk mit gesammelten Forderungen der Frauen.

Lilo Spahr: «Ich wünsche mir die bessere Anerkennung der Gleichwertigkeit der Menschen. Die Welt soll menschlicher werden. Und dazu tragen gerade die Frauen bei. Gemäss meiner Erfahrung sind Frauen mitfühlender, ein wichtiges Mittel gegen den Hass. Deshalb sollen die Qualitäten der Frauen nicht mehr abgewertet werden. Wenn eine Frau eine höhere Position erreichen will, soll sie sich nicht den Männern angleichen müssen. Viele Kaderstellen setzen menschliche Härte voraus. Das müssen wir ändern.»

#3 Alessandra von Aesch

Alessandra von Aesch setzt sich für mehr Gleichberechtigung im Kulturbetrieb ein

Alessandra von Aesch setzt sich für mehr Gleichberechtigung im Kulturbetrieb ein

Alessandra von Aesch, Kulturschaffende, zieht seit halb neun durch Bern, sie nimmt am Sternmarsch der Berner Kulturschaffenden teil.

Der Sternmarsch der Berner Kulturschaffenden hatte machte einen Zwischenstopp auf der kleinen Schanze.

Der Sternmarsch der Berner Kulturschaffenden hatte machte einen Zwischenstopp auf der kleinen Schanze.

Alessandra von Aesch: «Der Kulturbetrieb gibt sich gerne fortschrittlich, was Gleichstellung anbelangt. Er nimmt im Vergleich zu anderen Bereichen auch klar eine Vorreiterrolle ein. Aber: Gerade bei grossen Kulturinstitutionen liegt die Verantwortung auch heute noch allzu häufig bei Männern. Mit unserem Protest solidarisieren wir uns auch mit anderen, weniger privilegierten Bereichen, wo die Männer die Oberhand haben.»

#4 Silja Lüthi

Silja Lüthi kämpft für günstigere Hygieneartikel für Frauen.

Silja Lüthi kämpft für günstigere Hygieneartikel für Frauen.

Silja Lüthi, Campaignerin, hat um 9.30 Uhr bei der Bundeskanzlei eine Petition eingereicht «Bloody unfair: Runter mit der Tampon-Steuer!»

Silja Lüthi fordert zusammen mit Nationalrat Jacques-André Maire (SP/NE): «Runter mit der Tamponsteuer!»

Silja Lüthi fordert zusammen mit Nationalrat Jacques-André Maire (SP/NE): «Runter mit der Tamponsteuer!»

Silja Lüthi: «Die Frauen können sich nicht aussuchen, ob sie menstruieren. Die Mehrwertsteuer soll wie bei Viagra oder Katzenspreu und anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs gesenkt werden. Der Nationalrat hat dem Begehren bereits zugestimmt. Die Petition ist an die Ständeräte gerichtet, um dem Anliegen zum Durchbruch zu verhelfen.»

«Bloody unfair!» so lautet der Protest gegen die Tamponsteuer

«Bloody unfair!» so lautet der Protest gegen die Tamponsteuer

#5 Vreni Wüthrich

Vreni Wüthrich (links) mit Plakat und einer Freundin auf dem Bundesplatz. Sie streiken für die Rechte der nächsten Generation.

Vreni Wüthrich (links) mit Plakat und einer Freundin auf dem Bundesplatz. Sie streiken für die Rechte der nächsten Generation.

Vreni Wüthrich ist Bäuerin und kämpft auf dem Bundesplatz um die Anerkennung der Arbeit und den sozialen Schutz von Frauen, die mit ihren Männern auf dem Hof arbeiten.

Vreni Wüthrich mit anderen Streikerinnen vor dem Bundeshaus.

Vreni Wüthrich mit anderen Streikerinnen vor dem Bundeshaus.

Vreni Wüthrich: «Bäuerinnen erhalten weder einen Lohn noch haben sie einen Arbeitsvertrag. Das bedeutet, dass sie nicht geschützt sind, wenn sie arbeitslos werden oder wenn sie sich scheiden lassen. Sie erhalten keine Mutterschaftsversicherung und keine AHV-Rente - auch wenn sie ihr ganzes Leben viel gearbeitet haben. Für mich kommt die Anerkennung dieser Arbeit zu spät. Aber ich will, dass es die nächsten Generationen von Bäuerinnen besser haben.»

Vreni Wüthrich im Gespräch mit SP-Nationalrat und Gewerkschafter Adrian Wüthrich (BE).

Vreni Wüthrich im Gespräch mit SP-Nationalrat und Gewerkschafter Adrian Wüthrich (BE).

#6 Fabia Schläpfer
#7 Sophie Wettstein
#8 Eladia Hager

Fabia Schläpfer, Sophie Wettstein und Eladia Hager kamen an den Frauenstreik, um mehr Respekt einzufordern.

Fabia Schläpfer, Sophie Wettstein und Eladia Hager kamen an den Frauenstreik, um mehr Respekt einzufordern.

Fabia Schläpfer, Sophie Wettstein und Eladia Hager waren alle drei schon mit Sexismus konfrontiert. Sie streiken für mehr Respekt.

Sophie Wettstein: «Wir haben alle mehrere Male sexistische Erfahrungen machen müssen. Frauen erfahren nicht den Respekt, den sie verdienen. Wir setzen uns für Gleichberechtigung ein.»

Eladia Hager: «Wir wollen uns kleiden können, wie wir wollen, ohne deswegen gleich beurteilt oder verurteilt zu werden.»

Fabia Schläpfer: «Wenn Frauen etwas knappes anziehen, werden sich gleich als ‹Bitch› abgestempelt. Das geht nicht. Wir wollen mehr Respekt.»

#9 Stefanie Schmid

Stefanie Schmid (rechts) und eine Freundin haben am Kinderwagen-Streik teilgenommen.

Stefanie Schmid (rechts) und eine Freundin haben am Kinderwagen-Streik teilgenommen.

Stefanie Schmid wehrt sich gegen die Ungleichheit, die bei Frauen allzu oft nach der Geburt eintritt. Sie nahm mit Freundinnen am Kinderwagen-Streik, der am Morgen beim Bärengraben startete und sich durch die Altstadt bis auf den Bundesplatz zog.

Stefanie Schmid (rechts) mit Freundinnen, Kinderwagen und Bébé.

Stefanie Schmid (rechts) mit Freundinnen, Kinderwagen und Bébé.

Stefanie Schmid: «Ich wehre mich gegen die grosse Ungleichheit, die bei vielen Frauen nach der Mutterschaft auftritt. Ich fordere deshalb endlich eine Elternzeit, die den Namen auch verdient, mehr Teilzeitarbeit für Männer, mehr Wertschätzung der Carearbeit und Lohngleichheit. Wichtig ist mir dabei: Die Anliegen sind nicht gegen die Männer gerichtet. Denn wir können sie nur gemeinsam mit ihnen erreichen. Nur so können wir dem Anspruch vieler Eltern gerecht werden, die Sorge um das Kind so wie die finanzielle Absicherung der Familie untereinander aufzuteilen.»

Tausende Frauen schoben ihre Kinderwagen durch die Berner Alstadt und blockierten so den Verkehr. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone)

Tausende Frauen schoben ihre Kinderwagen durch die Berner Alstadt und blockierten so den Verkehr. (Bild: Alessandro della Valle/Keystone)

#10 Iris Käser

Iris Käser (rechts) im Gespräch mit einer Frau, die am Weltentuch näht.

Iris Käser (rechts) im Gespräch mit einer Frau, die am Weltentuch näht.

Iris Käser organisiert das Weltentuch, für das zahlreiche Frauen einen «Blätz »Stoff zusammennähen. Ziel ist, das Verbindende zu fördern und die Frauen zusammenzubringen.

Iris Käser (Mitte) bespricht das weitere Vorgehen. Die Arbeit am Weltentuch ist so weit fortgeschritten, das der Platz auf dem Bundesplatz bald knapp wird.

Iris Käser (Mitte) bespricht das weitere Vorgehen. Die Arbeit am Weltentuch ist so weit fortgeschritten, das der Platz auf dem Bundesplatz bald knapp wird.

Iris Käser: «Das Hauptanliegen des Weltentuchs ist es Frauen zusammenzubringen. Das Verbindende steht im Zentrum. Denn wir müssen uns eingestehen, dass wir alleine nicht mehr weiterkommen. Nicht nur bei Gleichstellungsfragen, auch was die Natur, die Umwelt, das Leben insgesamt betrifft. Dabei macht es keinen Unterschied, welcher Religion jemand angehört, welche Erfahrung und welchen politischen Hintergrund jemand mitbringt. Entscheidend ist, dass wir untereinander solidarisch sind und am gleichen Strick ziehen. Denn durch das Netzwerk, das Zusammensein entsteht Wundersames. Dafür steht das Weltentuch.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.