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Vor Gericht: Das sagt Bundesanwalt Lauber zu seinem ehemaligen Mitarbeiter, der mit Russen auf Bärenjagd ging

Die Bundesanwaltschaft klagt einen ehemaligen Russland-Experten der eigenen Behörde wegen Vorteilsannahme an. Dieser macht Bundesanwalt Michael Lauber vor Gericht schwere Vorwürfe.
Gerhard Lob, Bellinzona
Bundesanwalt Michael Lauber steht seit geraumer Zeit unter Druck. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Bundesanwalt Michael Lauber steht seit geraumer Zeit unter Druck. (Bild: Anthony Anex/Keystone)

So eine Konstellation hat es noch nie gegeben: Zum Auftakt des Prozesses gegen einen ehemaligen Russland-Experten der Bundeskriminalpolizei trafen sich gestern mehrere Vertreter der Bundesanwaltschaft in unterschiedlichen Rollen vor dem Bundesstrafgericht: Bundesstaatsanwalt Carlo Bulletti als Ankläger, Bundesanwalt Michael Lauber als Zeuge, genauso wie Bundesstaatsanwalt Patrick Lamon. Der Beschuldigte hiess Viktor K. Er arbeitete viele Jahre für die Bundesanwaltschaft, obwohl er de facto von der Bundeskriminalpolizei (BKP) angestellt war. Er war als Berater und Koordinator für Strafsachen mit Russland-Bezug zuständig, wie die Zeugen einvernehmlich bestätigten.

Der Fall ist mehr als kurios. Beschuldigt wird dieser Russland-Experte von der BA der mehrfachen Vorteilsannahme. Demnach sollen die russischen Behörden dem inzwischen 59-Jährigen zwischen 2014 und 2017 wiederholt Hotelkosten sowie eine einwöchige Bärenjagd auf Kamtschatka bezahlt haben. Er habe diese Leistungen «unberechtigterweise im Zusammenhang mit seiner Anstellung bei der BKP von den russischen Behörden angenommen», heisst es in der Anklageschrift.

Beschuldigter will nicht als Straftäter gelten

Viktor K. wurde per Strafbefehl verurteilt, zwar nur zu einer bedingten Geldstrafe von 110 Ta­gessätzen zu 190 Franken und einer Busse von 2500 Franken, doch gleichwohl legte er Beschwerde ein. Denn er will nicht als Straftäter gelten, wie er in einem Gespräch mit dieser Zeitung sagte (vgl. Artikel vom 18. Mai). Ganz im Gegenteil: Seiner Meinung nach gab es ein Einverständnis für seine «Justizdiplomatie». Doch die Bundesanwaltschaft und namentlich Bundesanwalt Michael Lauber hätten ihn fallen lassen. Auch gestern sagte er am Rande des Prozesses: «Man hat mein Leben zerstört.»

In seiner Zeugenaussage attestierte Lauber dem Beschuldigten indes «Kompetenz und Enthusiasmus», «fast schon ein Sendungsbewusstsein». Seine interkulturellen, intellektuellen und sprachlichen Kenntnisse seien für die Russland-Verfahren der Bundesanwaltschaft sehr hilfreich gewesen. Zudem habe er als Dolmetscher gewirkt. Von den verschiedenen Reisen, die von russischen Behörden bezahlt wurden, habe er nichts gewusst und erst aus dem Strafbefehl erfahren. Generell gelte bei Dienstreisen, dass die Kosten für Hotels von der BA übernommen würden. Bei Geschenken und Einladungen sei höchste Vorsicht und eine Interessensabwägung mit den Gebräuchen der jeweiligen Länder geboten.

Während Lauber klar und deutlich argumentierte, verhedderte sich Bundesstaatsanwalt Patrick Lamon während seiner mehr als zweistündigen Einvernahme in vermeintliche Widersprüche und mehrfache Ungenauigkeiten, was den vorsitzenden Bundesstrafrichter Emanuel Hochstrasser in Rage brachte. Lauber und Lamon hatten übrigens just vom Bundesstrafgericht in Zusammenhang mit der «Justizdiplomatie» vor kurzem einen Rüffel erhalten. Wegen einer nicht dokumentierten Reise nach Usbekistan in der Korruptionsaffäre um die Tochter des früheren usbekischen Präsidenten musste Lamon als Verfahrensleiter daher in den Ausstand treten. Gestern erklärte er, dass er von den Jagdreisen des Beschuldigten erst im Nachhinein erfahren habe. Die Teilnahme sei nicht im Sinne der BA gewesen und schon gar nicht mit Einverständnis erfolgt. Der Beschuldigte Viktor K. wird seine Sicht der Dinge erst am nächsten Dienstag darlegen können, wenn der Prozess fortgeführt wird. Die Zeugenaussagen wurden aus Termingründen kurzfristig vorgezogen, was für eine Hauptverhandlung vor Bundesstrafgericht unüblich ist. Das mündliche Urteil wird voraussichtlich bereits am Dienstagabend eröffnet.

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