«Das Risikoempfinden ist sehr individuell»

Zwar handelt es sich im aktuellen Fall um die erste Entführung von Schweizern in Pakistan, doch so überraschend ist der Vorfall nicht: In der Provinz Belutschistan, in der sich aus Afghanistan geflohene Taliban verstecken, soll es immer wieder zu Verschleppungen kommen.

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Zwar handelt es sich im aktuellen Fall um die erste Entführung von Schweizern in Pakistan, doch so überraschend ist der Vorfall nicht: In der Provinz Belutschistan, in der sich aus Afghanistan geflohene Taliban verstecken, soll es immer wieder zu Verschleppungen kommen. Und so rät das Eidgenössische Departement des Äussern (EDA) seit 2008 von «touristischen und anderen nicht nötigen Reisen nach Pakistan ab», wie es in einer Medienmitteilung heisst. Falls sich das Vorhaben nicht aufschieben lasse, seien bei der schweizerischen Botschaft in der Hauptstadt Islamabad Personalien, Reiseplan und Kontaktadressen zu hinterlegen. Ein Ratschlag, der die brenzlige Situation in der Region verdeutlicht.

Doch nicht nur in Pakistan, auch in der Sahara schätzt das EDA das Entführungsrisiko als hoch ein. Das Departement warnt vor Banden und islamistischen Terroristen, die mit Entführungen Geld erpressen. In Mauretanien, Mali oder Niger würden immer wieder Touristen, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Angestellte ausländischer Firmen verschwinden, heisst es auf der Homepage des EDA. Zwei im Januar verschleppte französische Staatsbürger wurden getötet. Im Januar 2009 entführte eine Al-Qaida-nahe Gruppe ein Zürcher Ehepaar, das durch Mali reiste. Es hatte Glück und kam frei. Von Reisen in das marokkanische Grenzgebiet zu Algerien rät das EDA ebenfalls ab. Auf der Liste der «Entführungsländer» stehen auch die Philippinen und Kolumbien; in Kolumbien sei die Anzahl Fälle in den letzten Jahren jedoch zurückgegangen.

Bei Hotelplan Suisse hält man sich an die Reisehinweise des EDA. «Wir bieten kaum Destinationen an, in denen ein Risiko besteht», sagt Pressesprecherin Prisca Huguenin. Wer Ferien in Marokko ins Auge fasse, werde auf die gefährlichen Regionen im Land aufmerksam gemacht. «Auch halten wir die Touristen an, vor Ort nur Führer zu buchen, die sich ausweisen können.» Ähnlich tönt es bei Kuoni und Globetrotter. Sandra Studer, Pressesprecherin bei Globetrotter, zählt sich nicht zu den ängstlichen Reisenden – und trotzdem käme eine Reise nach Pakistan für sie zurzeit nicht in Frage. «Einige Menschen entdecken gerne fremde Länder und sind bereit, weit dafür zu gehen. Das Risikoempfinden ist sehr individuell.» (dbu)

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