Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Todesfälle bei Herzoperationen: Jetzt reagiert das Kinderspital Zürich

Neue Zahlen belegen: Die Sterberate bei einer bestimmten Herzoperation ist am Kinderspital Zürich noch immer höher als andernorts. Jetzt ergreifen die Spitalverantwortlichen Massnahmen.
Leo Eiholzer
Am Kinderspital in Zürich befindet sich eines von vier Herzzentren für Kinder in der Schweiz. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Am Kinderspital in Zürich befindet sich eines von vier Herzzentren für Kinder in der Schweiz. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Vor fünf Wochen erschien in dieser Zeitung ein Artikel, der zeigte, dass im Zürcher Kinderspital Patienten mit einem bestimmten schweren und seltenen Herzfehler eine doppelt so hohe Sterberate haben wie in anderen Spitälern.

Das Kispi reagierte damals rabiat, berief innert Stundenfrist eine Pressekonferenz ein und nannte den Artikel «unverantwortlich». Es verteidigte sich unter anderem damit, dass die Sterbezahlen aus den Jahren 2001 bis 2014 alt seien.

Mittlerweile tönt es anders, das Kispi will nun sogar Mass­nahmen ergreifen. Gestern veröffentlichte das Kinderspital die aktuellen Sterbezahlen bei Patienten mit dem hypoplastischen Linksherzsyndrom, wie der fragliche Herzfehler heisst. Diese bestätigen die Berichterstattung und zeigen: Es ist nicht besser geworden.

Gemäss den neuen Zahlen starben zwischen 2015 und 2018 7 von 18 operierten Kindern bis zum zweiten Eingriff. Das sind 39 Prozent. Es handelt sich um exakt die Zahl, die diese Zeitung für die Jahre 2001 bis 2014 genannt hatte.

Verantwortliche wehren sich gegen Vergleiche

Andere Kliniken weisen knapp halb so hohe Sterbezahlen aus: Im holländischen Utrecht sterben lediglich 19 Prozent der Kinder mit dem gleichen Herzfehler. Im deutschen Giessen waren es 18 Prozent. Beide Werte stammen aus Studien, die diese Spitäler veröffentlicht haben. Der ärztliche Direktor des Kinderspitals Zürich, Michael Grotzer, sagte am gestrigen Mediengespräch:

«Wir sind mit den Zahlen nicht zufrieden.»

Und fügte hinzu: «Das wären wir aber erst bei null Prozent Sterblichkeit.» Das Kispi will nicht auf Basis dieser Zahlen mit anderen Spitälern verglichen werden, weil es sich um sehr wenige Fälle handelt. Dennoch verfügt man nun zusammen mit der ersten Studie über eine Datenbasis von fast 17 Jahren.

Die Chefetage des Kinderspitals erklärte die bis zu doppelt so hohe Sterberate am Mediengespräch damit, dass ihre Patienten zu 61 Prozent sogenannte Hochrisikopatienten seien. Also zum Beispiel zu früh geboren wurden, weitere Missbildungen oder genetische Erkrankungen haben.

Oliver Kretschmar, Co-Leiter der Kardiologie, betonte, dass ein Hochrisiko-Anteil von etwa einem Drittel üblich sei. Vor allem bei hochspezialisierten Kompetenzzentren wie im US-amerikanischen Boston, das oft als Vergleichsgrösse gewählt wird, oder in Giessen ist aber kaum zu vermuten, dass die Fälle weniger komplex sind.

Im Herzzentrum des Zürcher Kinderspitals gibt es gemäss Aussagen von Beteiligten seit Jahren heftige Konflikte zwischen den verschiedenen Abteilungen: Vor allem zwischen der Intensivstation auf der einen, sowie den Kardiologen und Herzchirurgen auf der anderen Seite. Im November musste von einem Tag auf den anderen Michael Hübler, der international renommierte Chef der Herzchirurgie, das Spital verlassen.

Die Entlassung hatte ­einen direkten Zusammenhang mit den Streitereien im Herzzentrum. Das Kinderspital wehrt sich vehement gegen eine Verknüpfung der angeblichen Konflikte und der Behandlungsqualität. Mehrere Insider sagten dieser Zeitung aber, dass genau dies zutrifft. Bei der Behandlung des fraglichen Herzfehlers ist die Zusammenarbeit zwischen der Intensivstation und der Herz­chirurgie besonders wichtig, weil die Kinder nach dem Eingriff oft mehrere Wochen auf der Intensivstation bleiben.

Das Kinderspital mag sich verbal gegen die Anschuldigungen wehren. Trotzdem ergreift es Massnahmen. So bekommt neu jedes Kind einen «Bezugsoberarzt», der die Kommunikation mit den Eltern und die interne Koordination sicherstellen soll. Das ist besonders vor dem Hintergrund interessant, dass der ehemalige Chef-Herzchirurg seine Patienten nach der Operation teils nicht mehr besuchte, weil die Streitereien so heftig waren.

Behörden verlangen Supervision

Das Herzzentrum muss eine externe Supervision über sich ergehen lassen. Auferlegt wurde sie von der Zürcher Gesundheitsdirektion. Laut Direktor Grotzer soll diese klären, ob die Struktur des Herzzentrums verändert werden muss. Offenbar ist das Ziel, dass Reibungsflächen zwischen Herzspezialisten und der Intensivstation verschwinden.

Grotzer zählt das Kinderspital noch immer zu den führenden Zentren für angeborene Herzfehler, und zwar «über die Landesgrenzen hinaus», wie er sagte. Die Realität ist aber: Auch bei anderen, häufigeren Herzoperationen liegen die Sterberaten des Kinderspitals leicht über dem europäischen Durchschnitt.

Damit konfrontiert, präzisierte Grotzer: In der Herzchirurgie sei man «vergleichbar», auf das ­gesamte Herzzentrum bezogen «führend». Dabei geht es vor allem um Herzkatheteruntersuchungen, wo das Kinderspital tatsächlich sehr gut abschneidet. Kardiologie-Chef Kretschmar kann sich laut Kennern mit der europäischen Spitze messen.

In der Schweiz gibt nur 25 Fälle von hypoplastischem Linksherzsyndrom pro Jahr. Und doch werden sie in vier Zentren operiert. Grotzer forderte gestern eine Zentralisierung auf maximal zwei Kinderherzzentren. Auf die Frage, ob er bereit sei, seine eigene Kinderherzchirurgie aufzugeben, betonte er:

«Unterstützung für solche Vorstösse beinhaltet sämtliche Massnahmen. Wir sind aber gut positioniert, diese Patientenversorgung zu behalten.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.