«Das ist wohl einfach Pech»

Der Aviatikjournalist Rolf Müller hat schon mehrere F/A-18-Einsätze in der Schweiz und im Ausland miterlebt. Er bescheinigt den Schweizer Luftwaffenpiloten ein «enorm hohes Niveau» und glaubt, dass die drei Abstürze in den letzten drei Jahre ein Zufall sind.

Livio Brandenberg
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Rolf Müller Aviatikjournalist (Bild: pd)

Rolf Müller Aviatikjournalist (Bild: pd)

Wie kann ein F/A-18-Jet einfach so vom Radar verschwinden?

Rolf Müller: Ein Grund ist: Wenn er abstürzt. Das ist die Regel. Ausnahmsweise könnte es sein, dass eine Maschine kurz nicht mehr sichtbar ist, weil sie in einem äusserst tiefen Tal unterwegs ist, oder wenn der Peilsender ausfällt.

Was ist in Ihren Augen vorgestern in der Luft über dem Sustengebiet mit der abgestürzten F/A-18 passiert?

Müller: Da kann man momentan nur spekulieren. Was man weiss, ist: Der Pilot war per Funk auf einmal nicht mehr erreichbar, dann stiegen die Sender aus – das deutet bereits auf einen Absturz hin. Der grosse schwarze Fleck, den man gefunden hat, lässt mich vermuten, dass die Maschine unkontrolliert und frontal in den Berg geprallt ist. Doch was im Detail passiert ist, kann nur die angelaufene Untersuchung zeigen.

Wie kann es zu einem solchen Absturz kommen?

Müller: Möglich sind zwei Gründe. Erstens: ein technischer Fehler, also auch ein Aussteigen der Elektronik. Das kann bei einem Instrumentenflug extrem schnell gefährlich werden. Oder zweitens: es war ein Pilotenfehler, etwa eine Fehleinschätzung der Situation durch Desorientierung.

Für wie wahrscheinlich halten Sie diese zweite Möglichkeit?

Müller: Auch da müsste ich spekulieren. Fakt ist: Die Schweizer Luftwaffenpiloten haben ein enorm hohes Niveau, auch bei internationalen Treffen erhalten die Schweizer stets Höchstnoten.

Was kann der Pilot denn noch tun, wenn das Flugzeug abstürzt?

Müller: Grundsätzlich versucht der Pilot die Maschine zu retten. Wenn er merkt, dass das nicht geht, hat er den Schleudersitz. Doch diese Entscheidungen müssen dann oft in Sekundenbruchteilen geschehen. Manchmal ist es aber zu spät.

Hat man den Piloten noch nicht gefunden, weil er den Schleudersitz betätigte?

Müller: Das ist möglich. Auch am Schleudersitz ist ein Sender. Sollte dieser noch Signale abgegeben haben, wäre dies ein Zeichen dafür, dass der Pilot ausgestiegen ist.

Die Schweizer Luftwaffe hat in den letzten drei Jahren drei F/A-18 durch Abstürze verloren. Worauf ist diese Häufung schwerer Zwischenfälle zurückzuführen?

Müller: Ich denke, das ist eher Zufall. Wenn man die Absturzstatistiken auf der ganzen Welt anschaut, steht die F/A-18 sehr gut da. Wenn man noch das hohe Niveau der Piloten und der Wartung in der Schweiz anschaut, dann ist dies wohl auch einfach Pech.

Sie sehen keinen Zusammenhang zwischen den Abstürzen?

Müller: Nein. Der Absturz am Lopper 2013 geschah wegen eines Orientierungsfehlers, der Grund für den letzten Absturz in Frankreich 2015 war ein Triebwerkfehler. Der einzige gemeinsame Punkt, den ich sehe, ist das schlechte Wetter.