«Das ist sehr belastend»

Enttäuschung bei einem homosexuellen Paar aus dem Kanton St. Gallen: Die Männer müssen weiter um ihre Elternschaft für ein Kind bangen.

Daniel Walt
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ST. GALLEN/BERN. «Das Ganze ist sehr belastend für meine beiden Mandanten. Vor allem emotional», sagt die Winterthurer Rechtsanwältin Karin Hochl. Sie vertritt ein homosexuelles Paar aus dem Kanton St. Gallen. Die Männer kämpfen seit mehreren Jahren vor Gericht darum, als Väter eines Kindes anerkannt zu werden, das sie in den USA von einer Leihmutter austragen liessen. Während das St. Galler Verwaltungsgericht das Ansinnen vor rund einem Monat noch geschützt hatte, legt nun das Bundesamt für Justiz sein Veto ein: Es ruft das Bundesgericht an mit der Forderung, dass nur der Samenspender als Vater eingetragen wird. Die in Kalifornien ausgestellte Geburtsurkunde nennt die beiden Männer als Väter, weil die Leihmutter und ihr Mann weder ihre Elternrechte ausüben noch ihren Elternpflichten nachkommen wollten, wie ein US-Gericht feststellte.

«Liebevolles Umfeld»

Die Beschwerde sei schwer verständlich, weil das Bundesamt für Justiz im vorinstanzlichen Verfahren selber die Anerkennung der rechtlichen Elternschaft beider Väter beantragt habe, argumentiert Karin Hochl. Es sei zudem unbestritten, dass es dem Kind bei den Vätern gut gehe und es in einem liebevollen Umfeld aufwachse.

Auf Anfrage erklärte Lukas Iseli vom Bundesamt für Justiz, er könne keine Stellung zu den Gründen für den Gang vor das Bundesgericht nehmen. Auch zum Vorhalt Hochls, das Bundesamt habe die Anerkennung der rechtlichen Elternschaft beider Väter in der Vorinstanz noch anerkannt, äussert er sich nicht. Das Bundesamt beantragt dem Bundesgericht, die kalifornische Urkunde nicht anzuerkennen, welche die zwei Männer als Väter ausweist. Um das in der Verfassung verankerte Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung zu garantieren, seien zudem die Leihmutter und deren Ehemann, der zum Zeitpunkt der Geburt der rechtliche Vater des Kindes gewesen sei, sowie der Hinweis auf die anonyme Eizellenspende einzutragen.

«Unerwartet im Fokus»

«Meine Mandanten sind durch das jahrelange Verfahren unerwartet in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt», sagt Karin Hochl. Die beiden Männer wollen gegenüber den Medien keine Auskünfte erteilen. Sie wünschen sich laut ihrer Anwältin jedoch, dass die Schweiz einen liberalen Umgang mit modernen Familienformen finde. «Es gibt in der Schweiz bereits heute viele Kinder, die durch reproduktionstechnische Verfahren entstanden sind beziehungsweise die von gleichgeschlechtlichen Paaren aufgezogen werden. Sie entwickeln sich gleich gut wie Kinder, die auf natürlichem Weg gezeugt wurden – diese Realitäten sollte das Recht anerkennen», stellt sie fest.